2. Basketball-Bundesliga Tigers brennen auf den Start

Neuss · Die Zweitliga-Basketballerinnen der TG Neuss sind nach zwei ganz schwierigen Jahren heiß auf den Neubeginn. Der Saisonauftakt hat es aber durchaus in sich. Der TuS Lichterfelde sorgt mit seinem jungen Team für Trouble.

 TG Neuss Tigers 2023/2024: (v.l.) Co-Trainer Dragan Ciric, Daniel Schillings (NeusserReha), Marija Ilic, Mika Zaparaniuk, Inga Krings, Gabby Crawford, Anke Ollig, Nafissatou Diaw, Linda Brückner, Kim Franze, Iva Banozic, Andreas Niessen (Physio), Cheftrainer Björn Weber. Es fehlen: Greta Ohrmann, Johanna Huppertz, Luca Raschke.

TG Neuss Tigers 2023/2024: (v.l.) Co-Trainer Dragan Ciric, Daniel Schillings (NeusserReha), Marija Ilic, Mika Zaparaniuk, Inga Krings, Gabby Crawford, Anke Ollig, Nafissatou Diaw, Linda Brückner, Kim Franze, Iva Banozic, Andreas Niessen (Physio), Cheftrainer Björn Weber. Es fehlen: Greta Ohrmann, Johanna Huppertz, Luca Raschke.

Foto: Jens Hecker

Am Samstagmorgen um kurz vor sieben, wenn die Deutsche Bahn ausnahmsweise mal pünktlich ist, beginnt für die Turngemeinde mit der Abfahrt des ICE nach Berlin, wo am Nachmittag (Anpfiff 15 Uhr) in der Sporthalle der Goethe-Oberschule die Mädels des TuS Lichterfelde warten, die bereits 14. Saison in der Zweiten Basketball-Bundesliga Nord seit dem Wiederaufstieg 2010. Die Geschichte vom sportlichen Abstieg in der vergangenen Spielzeit, der gruseligen Serie von Pleiten, Pech und Pannen seit Januar 2022 und der glücklichen Rückkehr durch die Hintertür Anfang Juni ist für Trainer Björn Weber auserzählt. „Die letzten zwei Jahre waren so wie sie waren. Wir wollen uns davon freimachen und einfach nach vorne schauen.“

Ein schöner Plan, doch ausgerechnet im letzten Testspiel bei den BasCats USC Heidelberg wurden die Tiges von ihrer unheilvollen Vergangenheit eingeholt. Weil sich drei Spielerinnen eine Infektion mit dem Coronavirus zugezogen hatten – darunter auch US-Profi Gabby Crawford –, Marija Ilic und Johanna Huppertz Deutschland mit der U17-Auswahl bei der 3x3-EM in Griechenland vertraten und Iva Banozic angeschlagen ausfiel, musste die Mannschaft mit Talenten aus der eigenen U18 (WNBL) aufgefüllt werden. Die noch glimpfliche 36:50-Niederlage bei auf 4x7 Minuten verkürzter Spielzeit trieb dem Coach darum keine Sorgenfalten in die Stirn. Ihm gefiel vor allem „die schöne Intensität der Partie – genau das hatte ich gewollt.“

Zu Tränen gerührt: (v.l.) Marija Ilic, Johanna Huppertz und Luise Linke holen bei der 3×3-U17-EM in Heraklion auf Kreta Bronze für Deutschland.

Zu Tränen gerührt: (v.l.) Marija Ilic, Johanna Huppertz und Luise Linke holen bei der 3×3-U17-EM in Heraklion auf Kreta Bronze für Deutschland.

Foto: DBB

Die Zeit, mit dem Schicksal zu hadern, fehlt Weber in seiner ersten kompletten Saison als Cheftrainer ohnehin. So muss er die körperlich geschwächte Crawford konditionell wieder ins Lot bringen und das nach seinen Länderspieleinsätzen erst am Mittwoch zur Mannschaft zurückgekehrte Duo Ilic/Huppertz integrieren. Die beiden Nachwuchs-Nationalspielerinnen hatten den „FIBA 3x3 Europe Cup“ in Heraklion/Kreta an der Seite ihrer Teamkolleginnen Luise Linke (Ahrensburger TSV/AVIDES Hurricanes) und Lisanne Räwer Tanguep (SV Möhringen/Regio Team Stuttgart) auf dem dritten Platz abgeschlossen. Mit Siegen in der Vorrunde über Portugal (16:12) und Großbritannien (22:12) sowie im Viertelfinale über Polen (17:10) waren die Schützlinge von Disziplintrainer Kevin Magdowski ins Halbfinale eingezogen. Dort setzte es gegen Frankreich mit 10:17 zwar die einzige Niederlage des Turniers, doch im anschließenden Spiel um Bronze gelang wieder ein überzeugender 18:12-Erfolg über Bulgarien.

Diese Euphorie sollen die beiden Junior Tigers nun auch mit in die Liga nehmen, schließlich geht es direkt in die Vollen: Auf das Match gegen Lichterfelde folgt am „Tag der Deutschen Einheit“ (Dienstag, 16 Uhr) die Heimpremiere gegen die Metropol Ladies Herne/Recklinghausen. Und bereits vier Tage später (7. Oktober) geht’s zum Neuling Talents BonnRhöndorf. Ein ziemlich strammes Auftaktprogramm, findet Weber. „Darum müssen wir die Belastung ein bisschen steuern.“

Andererseits weißt er: „Alle sind heiß!“ Die treffsichere Linda Brückner, die wie aktuell auch Kim Franze von über die Partnerschaft mit dem Erstligisten Orthomol WINGS Leverkusen (bis zum Aufstieg BBZ Opladen) generierten Trainings- und Fördermaßnahmen profitieren soll, stellt stellvertretend für ihre Teamkolleginnen fest: „Mit den Freundschaftsspielen reicht’s jetzt. Wir haben Bock auf die Liga!“ Die beschert den Tigers im TuSLi gleich eine echte Nummer. Weber nahm die Berlinerinnen beim Preseason-Turnier der QOOL Sharks Würzburg im Duell mit dem Nord-Zweitligisten AstroLadies Bochum unter die Lupe. Ins Auge stach ihm dabei natürlich die aus Würzburg an die Spree gewechselte Kanadierin Jessica Hanson, doch auch der Rest der sehr jungen Mannschaft weiß großen Schaden beim Gegner anzurichten. Weber: „Die fackeln nicht lange, drücken direkt ab, wenn die Möglichkeit besteht.“ So fertigte die Truppe aus der Bundeshauptstadt in ihrem letzten Testspiel den Zweitliga-Rivalen LionPride Braunschweig mit 20 Punkten Differenz ab.

Gegen die Tigers aus Neuss müssen die Gastgeberinnen verletzungsbedingt allerdings auf Magdalena Winter, Leni Schick (beide Bandscheibenvorfall), Maria Adu (Sprunggelenk), Paula Spaine (Fuß) und Julijana Blazic (Knie) verzichten. Der neue Headcoach Christoph Nicol hat aber dank der eigenen WNBL-Spielerinnen und der Kooperation mit der BG Zehlendorf trotzdem einen schlagkräftigen Kader beisammen. Neuss sieht er im Übrigen „in einer ähnlichen Situation wie wir: Die letzte Saison war sportlich nicht allzu erfolgreich und sie konnten einen Großteil ihres Kaders halten und treten mit einer jungen Mannschaft an.“