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Basketball: Happy End nach ganz langem Anlauf für die TG Neuss Tigers

Basketball : Happy End nach ganz langem Anlauf

Trotz heftiger und nur schwer verdaulicher Rückschläge verlieren die TG Neuss Tigers nie ihre Zuversicht und werden am Ende einer kräfteraubenden Saison verdient mit dem Klassenverbleib in der Zweiten Basketball-Bundesliga belohnt.

Vor dem „Endspiel“ um den Klassenverbleib am Samstagabend in heimischer Elmar-Frings-Sporthalle gegen die AstroLadies Bochum hatte Klaus Ehren den Tigers in der Kabine das mit auf den Weg gegeben: „Ich glaub‘ an Euch. Ihr gewinnt heute – und wenn‘s nur mit einem Punkt ist.“ War‘s nur der letzte, verzweifelte Motivationsversuch oder echte Überzeugung? Die Antwort auf diese Frage verschluckte der Geschäftsführer der TG Neuss bei seinem gewagten Sprint von der Tribüne hinunter aufs Parkett, wo er gemeinsam mit der Mannschaft den 57:53-Sieg und damit die nach zuvor neun Niederlagen in Folge auch von vielen Experten kaum mehr für möglich gehaltene Rettung feierte.

Dass das Ticket auf die 2. Basketball-Bundesliga Nord zwölf Jahre nach dem Aufstieg unter Trainer Mathias Gierth tatsächlich verfallen könnte, daran hatten die Spielerinnen ohnehin keinen Gedanken verschwendet. „Wir wussten immer, wir schaffen das“, versicherte Shooting Guard Nicole Egert, die schon dabei war, als die Turngemeinde 2010 auf die Bundesebene zurückkehrte – genau anderthalb Jahrzehnte nach dem finanziell bedingten Rückzug aus dem deutschen Oberhaus. Aber so nah am Abgrund hatten die Neusserinnen seit der Saison 2013/14 nicht mehr gestanden. Auch da brachte erst am letzten Spieltag der 62:53-Heimsieg über das Wolfpack Wolfenbüttel den Klassenverbleib. In dieses Duell hatte Trainerin Janina Pils ihr Team  mit diesen Worten geschickt: „Von diesem Spiel sprichst du noch in zehn Jahren. Genau für diese Momente spielst du. Wenn du gewinnst, hast du so viele Emotionen wie noch nie in dieser Saison. Das fühlt sich wie eine Meisterschaft an.“

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Acht Jahre später fühlte ihr jetzt in der sportlichen Verantwortung stehender Kollege Rufin Kendall erstmal gar nichts. „Alle sind komplett durch“, presste der restlos ausgelaugte Coach nach der Schlusssirene leise hervor: „Ich habe nicht mal die Kraft, das Spiel zu analysieren.“ Musste er auch nicht. Angela Krings, die trotz ihrer vielen Dienstjahre an der Spitze der Basketball-Abteilung partout nicht als „TG-Urgestein“ bezeichnet werden will, wusste ziemlich genau, was in ihrem vielleicht wichtigsten Mitarbeiter in diesem Moment vorging. „Auch ich habe gelitten“, gab die ehemalige Erstliga-Spielerin zu. Zwischenzeitlich habe sie sich manchmal gefragt, „ob ich das noch aushalte.“ Sie konnte – und das galt, Gott sei Dank, auch für die Mannschaft, die in einer von Rückschlägen geprägten Saison erstaunliche Moral und Nehmerqualitäten bewies.

 Trauriger Alltag: (v.l.) Fiona Mebelli und Jana Meyer gucken verletzt zu.
Trauriger Alltag: (v.l.) Fiona Mebelli und Jana Meyer gucken verletzt zu. Foto: Wolfgang Rommerskirchen

Die heftigsten Niederschläge: So sehr sich Lydia Baxter, die als einzige Tigerin in allen 22 Partien auf dem Feld stand und für die am Ende mit 14,7 Punkten und 14,0 Rebounds im Schnitt ein Double-Double zu Buche stand, als absoluter Volltreffer erwies, so viele Probleme machten ihre Profikolleginnen: Jaylonn Walker trat verletzt schon vor dem ersten Spiel die Heimreise an, Maria Aftzi erfüllte im Aufbau zwar alle Erwartungen, wechselte aber in der Weihnachtspause nach Heidelberg. Alle Versuche, auf dem europäischen Markt eine Nachfolgerin für die erfahrene Griechin zu finden, scheiterten. Und als dann mithilfe des Bürgermeisters im Rekordtempo eine Arbeitserlaubnis für Myia Starks beschafft werden konnte, düste das US-Girl nach nur einem Einsatz wieder zurück in die Staaten. Da die Wechselfrist abgelaufen war, konnten die Tigers nicht mehr reagieren, mussten fast die komplette Rückrunde ohne Spielmacherin auskommen. Schlimmer noch: Corona, Verletzungen – allen voran die von Kapitänin Jana Meyer und Inga Krings –, ein Punktabzug und eine Serie von neun Niederlagen in Folge drückten aufs Gemüt. Zum eminent wichtigen Match beim direkten Konkurrenten in Wedel trat Neuss nur zu sechs an. „Seit Januar konnten wir nicht mehr mit zehn Spielerinnen trainieren“, sagt Kendall. „Das heißt, wir haben das, was wir im Spiel machen sollen, vorher nie einüben können“, erklärt Egert.

Kein Wunder, dass sich der Coach und seine überstrapazierten Schützlinge nun eine längere Auszeit gönnen wollen. Danach muss es aber in die Vollen gehen, denn noch so eine Saison wollen die Tigers ihrem treuen Publikum nicht zumuten. Dem gelten an dieser Stelle die Schlussworte des Capitanos. Jana Meyer voller Demut: „Danke, dass Ihr bis zum Ende ausgehalten habt.“