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Basketball: Emotionaler Abschied von Franzi Worthmann bei der TG Neuss

Basketball : Die Nummer 5 geht: Emotionaler Abschied von Franzi Worthmann

Mit dem Spiel des Erstligisten USC Heidelberg verabschiedete sich die Kapitänin auch von den Fans der TG Neuss. Beim 68:58-Sieg der Gastgeberinnen markierte Toshua Leavitt 22 Punkte.

Es war ein gaaanz laaanger und sehr trauriger Abschied: Am 12. März, nur wenige Tage vor dem Beginn der dann wegen Covid-19 abgesagten Play-offs um den Aufstieg in die Erste Bundesliga, hatte Franziska Worthmann ihrer „Tigers-Familie“ schweren Herzens mitgeteilt, dass sie die seit 2010 in der 2. Basketball-Bundesliga Nord spielende TG Neuss nach sechs Jahren aus beruflichen Gründen verlassen werde.

Ende Mai, bei der letzten Trainingseinheit mit der Mannschaft kullerten im Beisein des dem Team sehr verbundenen TG-Geschäftsführers Klaus Ehren bei allen die Tränen. Doch irgendwie blieb die 33-Jährige, ohne deren herausragende Auftritte die Tigers 2016, 2017 und 2018 niemals die K.o-Spiele der besten Vier erreicht hätten, Neuss auch danach erhalten. An der Seite ihrer Teamkollegin Jana Heinrich tauchte sie noch regelmäßig in der während der Corona-Krise im Rahmen der ARD-Sportschau ausgestrahlten WDR-Doku-Serie „No Sports!?“ auf. Mit ihr sowie den ebenfalls auch in der kommenden Saison für die Turngemeinde spielenden Britta Worms und Jill Stratton nahm sie noch im August  mit beachtlichem Erfolg an den 3x3-Basketball-Turnieren in Bielefeld und Lich teil.

Erst am vergangenen Sonntag stand tatsächlich der letzte Akt auf dem Programm: Mit ihrer neuen Mannschaft, dem Erstligisten USC Heidelberg, kehrte die gute „Franzi“ wie im Frühjahr versprochen in die Elmar-Frings-Sporthalle zurück, um mit der Partie gegen die Tigers auch den Fans am Rhein ade zu sagen. Um ihrer Wertschätzung Ausdruck zu verleihen, war die Vereinsführung der TG Neuss dabei durch den besonders Basketball-affinen Kassenwart Peter Dederichs vertreten. Ganz spezielle Momente, auch für Trainer John F. Bruhnke,  „Franzi ist uns allen einfach ans Herz gewachsen. Sie hat sich in den ganzen Jahren hier immer vorbildlich verhalten. Da kann es beim Abschied dann auch mal emotional werden.“ Das gilt natürlich vor allem für Jana Heinrich, Franzi Worthmann als kongeniale Partnerin eng verbunden. Mit 14 Jahren hatten sich ihre sportlichen Wege das erste Mal gekreuzt, als U16-, U18- und U20-Nationalspielerinnnen ackerten sie gemeinsam für Deutschland, mit Chemnitz und Marburg (in einer WG)  im Bundesliga-Oberhaus und zuletzt sechs Jahre in Neuss. Weil nach so langer Zeit keine großen Abschiedsreden nötig sind, reichte ihr ein Satz, um die Bedeutung ihrer Freundin fürs Team auf den Punkt zu bringen: „Sie war der beste Captain ever.“ Das sieht der Coach genauso: „Heidelberg kann sich glücklich schätzen, sie im Team zu haben.“ Auch Worthmann verbindet mit ihrem Aufenthalt in der Quirinusstadt Jahre voller Empathie und Solidarität. „Das hier war wie Familie für mich.“ Nicht vergessen hat sie die Unterstützung des Vereins im November des vergangenen Jahres für ihre Spendenaktion zur Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), an der kurz zuvor ihr Vater gestorben war.

Mit Freude dürfte sie darum registriert haben, dass ihre Nachfolgerin schon gefunden scheint – zumindest in der Offensive: Am überraschenden 68:58-Erfolg der Neusserinnen über den klassenhöheren USC Heidelberg war US-Girl Toshua Leavitt mit 22 Punkten beteiligt. Ihr Debüt am Tag zuvor im Match gegen den niederländischen Zweitligisten Lekdetec.NL Bemmel hatte die kleine Amerikanerin schon mit 20 Zählern gewürzt. „Dabei war sie für ihre Verhältnisse eher unauffällig aufgetreten“, stellte Bruhnke fest. Zufrieden vermerkt er, dass sie sich recht schnell in ihrer neuen Mannschaft zurechtgefunden habe. „Die Abstimmung mit ihren Teamkolleginnen wird immer besser.“ Allerdings hatte er das auch nicht anders erwartet. „Sie verfügt über eine extrem hohe Spielintelligenz.“

Die wird in der anstehenden Saison vonnöten sein, hat sich das Saisonziel der Tigers doch inzwischen geändert: Weil nicht wie ursprünglich geplant nur die beiden besten Teams der Gruppen Nord und Süd in die Aufstiegsrunde einziehen, sondern die vier Erstplatzierten pro Liga an einem „Super-8-Turnier“ teilnehmen, „sollten wir schon gucken, dass wir die Play-offs erreichen“, findet Bruhnke.