Basketball: Den TG Neuss Tigers fehlt der Killerinstinkt

Basketball : Den TG Neuss Tigers fehlt der Killerinstinkt

In einer bis zum Schluss völlig offenen Partie unterliegt der Basketball-Regionalligist aus Neuss den Hurricanes mit 71:76.

Antoine Braibant hatte einen dicken Hals. Und das lag nicht so sehr an der fetten Erkältung, die dem Trainer des Basketball-Zweitligisten TG Neuss einen fiebrigen Glanz in die Augen gemartet hatte. Nein, der stets um Contenance bemühte Belgier war einfach sauer. Denn die 71:76-Heimniederlage (Halbzeit 41:38) gegen die BG 89 Avides Hurricanes ging ans Gemüt. „Im ersten, im zweiten, im dritten, im vierten Viertel ... wir hatten fünf, sechs Mal die Chance, dieses Spiel zu entscheiden“, stellte der 30-Jährige fest. Und weil das trotz aller erkennbaren Mühe nicht gelang, schloss er angefressen: „Wenn es zählt, sind wir nicht gut genug.“

Ihr Meisterstück im in dieser Saison nicht zum ersten Mal aufgeführten Stück lieferten die Tigers in der letzten Spielminute ab: 46,5 Sekunden vor Schluss – Braibant hatte nach dem Korb von Andrea Baden zum 72:71 für die Gäste eine Auszeit genommen – reichten Dara Taylor die zur Verfügung stehenden fünf Sekunden nicht, um den Ball ins Spiel zu bringen. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte der Coach fassungslos. Das  „geschenkte“ Angriffsrecht nutzte die an die Freiwurflinie gebrachte Pia Mankertz, um 30 Sekunden vor dem Ende auf 74:71 zu erhöhen. Die Partie wäre für die Tigers trotzdem noch zu gewinnen gewesen – zur Not in der Verlängerung –, doch nach einem verpassten Wurf von Britta Worms aus der Ferndistanz sicherten sich die Neusserinnen zwar den vom Ring zurückspringenden Ball, aber Dara Taylors Passversuch endete am Rücken der abdrehenden Natalie Bastian. Dass es danach mehr als zehn Sekunden dauert, bis die Tigers per Foul die Uhr stoppten, war ebenso ärgerlich. Sicher, im Duell um einen Platz in den Play-offs, für die beide Teams in der vergangenen Saison noch nicht mal ansatzweise infrage gekommen wären, ging der Sieg der Hurricanes letztlich in Ordnung, doch wirklich gut waren auch die Schützlinge von Trainer Christian Greve nicht. Sie profitierten wie schon die Bergischen Löwen eine Woche zuvor davon, dass es der TG nicht gelang, das Fehlen der beruflich verhinderten Franziska Worthmann zu kompensieren. Mit ihr im Team hätte die US-Amerikanerin Kama Griffitts ganz sicher keine 25 Punkte (gut zehn Zähler über ihrem Schnitt) markiert und dabei fünf ihrer acht Würfe von jenseits der Drei-Punkte-Linie ins Netz gesetzt. Auch in der Defensive wäre für die Gäste neben Dara Taylor (16 Punkte) und Natalie Bastian (15 Punkte, 4/8 Dreier), die sich direkt nach dem Match grippegeschwächt in ärztliche Behandlung begaben, Britta Worms (18) und Jana Heinrich (11) eine fünfte Spielerin in zweistelligen Punkteregionen schwerlich zu verkraften gewesen. So reichte die Produktion von Alecia Cooley (14 Punkte/10 Rebounds), Andrea Baden (14), diesmal der X-Faktor für Rotenburg/Scheeßel, und Pia Mankertz (12) aus.

Sei’s drum. Trotz der achten Niederlage im 14. Spiel ist der Play-off-Platz noch in Sichtweite – doch stellt sich mittlerweile tatsächlich die Frage, ob das ein lohnendes Ziel sein kann. Denn erstens ist das aus Osnabrück, den Bergischen Löwen und Halle bestehende Spitzentrio der Konkurrenz ohnehin haushoch überlegen und zweitens ist die 1. Liga für die schon recht alte Mannschaft der Tigers keine Option. Da das Thema Abstieg längst erledigt ist, könnte die Turngemeinde nun die Gunst der Stunde nutzen, um die junge Garde ans Erstliga-Unterhaus heranzuführen. Mit Centerin Carlotta Ellenrieder (19 Jahre) praktiziert das Braibant bereits, auch Ronja Spießbach (21), die nach langer Verletzungspause in ihrer Entwicklung stagniert, könnte einen Push vertragen. Eher als lohnende Langzeitprojekte anzusehen sind dagegen Larissa Felten (17) sowie Jana und Lea Schnelle (beide 16) aus der WNBL-Truppe (U18-Bundesliga). Denn Franzi Worthmann und Jana Heinrich spielen nicht ewig ...

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