Korschenbroich : Barrierefrei ohne Aufzug

Bleiben sie im "Priorität B"-Status, dann werden sie erst 2013 umgestaltet. Eine aktuelle Kostenaufstellung besagt: 1,7 Millionen Euro sind für den Kleinenbroicher und 1,4 Millionen Euro für den Korschenbroicher Bahnhof nötig.

Bleiben sie im "Priorität B"-Status, dann werden sie erst 2013 umgestaltet. Eine aktuelle Kostenaufstellung besagt: 1,7 Millionen Euro sind für den Kleinenbroicher und 1,4 Millionen Euro für den Korschenbroicher Bahnhof nötig.

Korschenbroich Wer als Rollstuhlfahrer vom Korschenbroicher oder Kleinenbroicher Bahnhof eine Reise antreten möchte, ist auf fremde Hilfe angewiesen. Die Stadt möchte, dass die Barrierefreiheit so schnell wie möglich hergestellt wird, dass die beiden Bahnhöfe entsprechend umgerüstet werden. Dass dies erforderlich ist, wird von keiner Seite bestritten.

Wichtig ist Bürgermeister Heinz Josef Dick jedoch, dass die beiden Projekte im Stadtgebiet früher als geplant umgesetzt werden können. Aus diesem Grunde hat die Stadt ein Gespräch mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) als Fördergeber und der Deutschen Bahn AG initiiert. Dabei wurde vereinbart, dass als Grundlage für weitere Gespräche eine aktuelle Kostenaufstellung vorzulegen ist.

Das Ingenieurbüro Johannes Klee aus Aachen, das Ende der 90er Jahre den Park-&-Ride-Platz gestaltet hatte, hat den Finanzbedarf aktuell ermittelt: Für den Korschenbroicher Bahnhof würden sich die Kosten auf 1,4, für den Kleinenbroicher Bahnhof auf 1,7 Millionen Euro belaufen — Planungskosten und Umsatzsteuer kämen jeweils noch hinzu.

Nico Ansorge vom Ingenieurbüro Johannes Klee machte jetzt folgendes deutlich: "Wir werden ohne teuren Aufzug auskommen. Die Veränderungen bestehen im Wesentlichen darin, dass der eine Mittelbahnsteig durch zwei Außenbahnsteige ersetzt wird." Dadurch wird nicht nur Rollstuhlfahrern, sondern auch Radfahrern und Fahrgästen mit Kinderwagen die Benutzung der Bahn wesentlich erleichtert beziehungsweise erst ermöglicht.

Für Nico Ansorge steht fest, dass die angestrebte Barrierefreiheit auch ohne Aufzug hergestellt werden kann: "Zurzeit müssen Höhenunterschiede von rund fünf Metern überwunden werden, künftig werden es nur noch rund 50 Zentimeter sein, die durch eine Rampe überwunden werden können."

"Ich möchte die beiden Bahnhöfe nicht schlecht reden — sie entsprachen dem Stand der Zeit, in der sie gebaut wurden. Mittlerweile ist ein gewisser Komfort für den Öffentlichen Personennahverkehr fast existenziell wichtig", erklärte Johannes Klee, der nicht im Auftrag der Stadt, sondern von "Station & Service", einer Tochtergesellschaft der Bahn, aktiv war.

Ein bisschen Wasser in den Wein muss Nico Ansorge dann doch schütten: "Die Güterzüge, die beide Bahnhöfe passieren, sind etwas breiter als die Personenzüge. Dadurch bedingt müssen Rollstuhlfahrer auch nach dem Umbau der Bahnhöfe kurz vor Antritt ihr Kommen ankündigen, damit eine mobile Rampe herbeigeschafft werden kann, wie dies beispielsweise auch am Büttgener Bahnhof praktiziert wird." Mittelfristig würden jedoch neue Personenzüge eingesetzt, die auch ohne Rampe eine Barrierefreiheit bieten.

Beide Maßnahmen genießen zurzeit Priorität B, mit der Umsetzung ist nicht vor 2013 zu rechnen. Bürgermeister Franz-Josef Dick hofft, dass eine Maßnahme mit höherer Priorität beispielsweise aufgrund von Planungshemmnissen nicht umgesetzt werden könne. Dann könnte Korschenbroich zum Zuge kommen. Gute Planunterlagen und eine aktuelle Kostenschätzung sind wichtig, um eventuell vorgezogen werden zu können, worauf die Stadt spekuliert.

(RP)
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