Jüchen : Bahnhof wird nicht barrierefrei

Direkt am Bahnhof Hochneukirch steht ein neuer Wohnpark für Senioren. Am Bahnhof selbst fehlt Barrierefreiheit. Die Gemeinde im Nothaushalt kann nicht investieren, die Deutsche Bahn plant es bis 2014 auch nicht.

Das Bahnhofsschild "Hochneukirch" versinkt in einem Meer von Brennnesseln, die beide Gleise des Bahnsteigs umgeben. Die Auf- und Abgänge sehen aus wie Holzverschläge mit Wellblechdächern, unter denen man am besten die Luft anhält. Was eine Bahnfahrt für Senioren, Behinderte oder Eltern mit Kinderwagen nach Köln oder Mönchengladbach fast unmöglich macht: Der Bahnhof Hochneukirch ist nicht barrierefrei. Alischa Schopen (20) meint: "Der Bahnhof ist einfach eine Zumutung. Wie sollen Menschen mit Handicap hier an den Bahnsteig kommen", fragt die junge Frau, die mühsam ihren Koffer die Treppen herunter schleppt. Ein Problem: Der Gemeinde fehlt das Geld, um zu investieren.

Investition erst im Jahr 2017?

Das Bahnhofsumfeld in Hochneukirch hat sich positiv verändert: Ein neuer Wohnpark für Senioren ist entstanden. Das Bahnhofsgebäude mit der denkmalgeschützten Giebelfassade soll im Erdgeschoss Tagespflege bieten. Zudem investierte die Gemeinde 600 000 Euro in einen neuen Park & Ride-Platz; auch der Vorplatz wurde für rund 120 000 Euro erneuert. Doch die dortigen Behinderten-Parkplätze stehen leer, denn die Gleise sind schwer zu erreichen. Was fehlt: ein behindertengerechter Zugang zum Bahnsteig, ein Aufzug und Überquerungshilfen.

Die Gemeindeverwaltung hat bereits mehrfach Gespräche mit der Deutschen Bahn (DB) geführt, hat immer wieder versucht, sie als Investor zugewinnen — bisher erfolglos. Immer wieder gab es Termine für den behindertengerechten Umbau: mal sollte er 2013 beginnen, mal 2014.

In der aktuellen Modernisierungsoffensive für mehr Barrierefreiheit an vielen deutschen Bahnhöfen ist Hochneukirch nicht zu finden. Eine Sprecherin der DB erklärt, dass "aktuell keine Investitionen am Bahnhof Hochneukirch geplant sind". Möglich könnte diese erst werden, wenn das laufende Programm für mehr Barrierefreiheit abgeschlossen sei. Und dies werde erst ab 2017 der Fall sein.

Passagiere wie Schüler Julian Claßen (18), der regelmäßig nach Mönchengladbach pendelt, sind unzufrieden: "Rundum ist es zwar schöner geworden. Aber erst vor kurzem habe ich einer jungen Frau mit Kinderwagen geholfen, an die Gleise zu kommen." Auch Brigitte Anders aus Hochneukirch pendelt regelmäßig per Zug zum neun Minuten entfernten Grevenbroich; "Die Verbindung ist unschlagbar. Doch am Bahnsteig muss dringend etwas gemacht werden. Toiletten fehlen — und schauen Sie sich mal die Unterführung an — die ist genauso gruselig wir die Umgebung des Bahnsteigs."

(uwr)