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Gärtnern wird Präzisionsarbeit abverlangt: Bagger löste Schaufel und Spitzhacke ab

Gärtnern wird Präzisionsarbeit abverlangt : Bagger löste Schaufel und Spitzhacke ab

Wenn Jörg von Kannen die Baggerschaufel ins Erdreich senkt, ist Präzisionsarbeit gefragt. Sein Kollege Ansgar Kirchberg signalisiert ihm per Handzeichen, wie viel Platz er noch hat. Die beiden sind nicht etwa auf einer Baustelle tätig, sondern als Friedhofsgärtner unter anderem auch für das Ausschaufeln der Gräber zuständig. Den Friedhofsgärtner wird Präzisionsarbeit abverlangt: Wenn Jörg von Kannen (hinten) und Ansgar Kirchberg (rechts) - wie hier auf dem Korschenbroicher Waldfriedhof - eine Grabstätte mit dem Bagger ausheben, muss alles auf den Zentimeter genau stimmen. Sie sind aber auch für die Pflege der Anlage zuständig. NGZ-Foto: H. Jazyk

Wenn Jörg von Kannen die Baggerschaufel ins Erdreich senkt, ist Präzisionsarbeit gefragt. Sein Kollege Ansgar Kirchberg signalisiert ihm per Handzeichen, wie viel Platz er noch hat. Die beiden sind nicht etwa auf einer Baustelle tätig, sondern als Friedhofsgärtner unter anderem auch für das Ausschaufeln der Gräber zuständig. Den Friedhofsgärtner wird Präzisionsarbeit abverlangt: Wenn Jörg von Kannen (hinten) und Ansgar Kirchberg (rechts) - wie hier auf dem Korschenbroicher Waldfriedhof - eine Grabstätte mit dem Bagger ausheben, muss alles auf den Zentimeter genau stimmen. Sie sind aber auch für die Pflege der Anlage zuständig. NGZ-Foto: H. Jazyk

"Früher haben wir das alles noch mit Schaufel und Spitzhacke gemacht", erinnert sich Ansgar Kirchberg, der seit 1974 bei der Stadt beschäftigt ist. "Erst in den 80er Jahren kamen die Bagger." Für die Friedhofsgärtner bedeutete das eine Riesenerleichterung - nun müssen sie nicht mehr mit reiner Muskelkraft die rund 2,40 mal 3 Meter großen und 1,80 Meter tiefen Grabstätten ausheben.

Insbesondere bei schlechten Witterungsbedingungen mit Matsch oder gefrorener Erde dauerte die Arbeit eines Totengräbers früher mehrere Stunden, während heute die Grube meist nach anderthalb Stunden die richtigen Masse hat und die Umgebung bereits mit grünen Matten ausgelegt ist. "Meistens haben wir drei bis vier Tage Vorlaufzeit und beginnen rechtzeitig mit der Vorbereitung, um für jedes Wetter gerüstet zu sein", betont Georg Onkelbach, Werkleiter der "Stadtpflege", der sieben Mitarbeiter allein für die acht Friedhöfe im Stadtgebiet abstellt.

Denn die Gärtner sind nicht nur für das Schaufeln der Gräber zuständig; sie pflegen auch die Grünanlagen, beseitigen Unkraut und Laub und schneiden die Hecken. Mit zwei Baggern heben die "Stadtpflege"-Mitarbeiter zwischen 200 und 300 Gräber pro Jahr aus, wobei erfahrungsgemäß im Frühjahr und Herbst mehr Menschen als in den anderen Jahreszeiten sterben. Je nach Bedarf können die beiden Fahrzeuge vom Korschenbroicher Waldfriedhof nach Pesch oder von Glehn nach Liedberg gefahren werden.

Manchmal sind vier bis fünf Beerdigungen pro Tag keine Seltenheit, so dass die Gärtner in Spitzenzeiten ständig im Einsatz sind. Direkt nach der Beerdigung wird die Grube geschlossen und Kränze werden zum Grab gebracht, da viele Angehörige nach dem Beerdigungskaffee oft noch mal an das Grab zurückkehren. Selbst am Wochenende sind Friedhofsgärtner-Vorarbeiter Jörg von Kannen und seine Mitarbeiter auf einem der Friedhöfe bei der Arbeit anzutreffen, denn rund 20 Prozent der Bestattungen finden samstags statt.

"Korschenbroich ist eine der wenigen Kommunen, in der auch außerhalb der normalen Arbeitswoche Bestattungen möglich sind", hebt Stadt-Pressesprecherin Annette Lange gegenüber der NGZ hervor. Für eine Samstags-Beerdigung müssen die Angehörigen allerdings einen Zuschlag von 28 Euro zahlen. Eine zunehmende Tendenz verzeichnet die Stadt bei den Urnen-Bestattungen. Während es 1997 nur 15 Feuerbestattungen gab, registrierte das Friedhofsamt im vergangenen Jahr 44 und in diesem Jahr bereits schon jetzt 45.

Die Gründe dafür sind klar: Diese Art von Bestattung ist preiswerter; schließlich müssen die Gärtner dafür nur ein rund 80 mal 80 Zentimeter großes Loch per Hand ausheben. Optimale Arbeitsbedingungen finden die Friedhofsgärtner nur selten vor. Oft müssen sie mit dem Bagger auf engen Wegen rangieren; bei Matsch legen sie Stahlbretter als Standfläche für das Fahrzeug aus. Auf dem alten Friedhof in Glehn sind häufig Bodenproben erforderlich, um definitiv auszuschließen, dass alte Gräber noch intakt sind. Ansgar Kirchberg kann sich nicht erinnern, dass wegen Frost schon mal eine Beerdigung verschoben werden musste: "Notfalls legen wir am Tag vor den Arbeiten Mulch aus, um den Untergrund so geschützt wie möglich zu halten." Petra Koch

(NGZ)