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Jüchen: Ausstellung erinnert an Élysée-Vertrag

Jüchen : Ausstellung erinnert an Élysée-Vertrag

Im Stallhof von Dyck gibt es bis 29. September Infos zum Vertragsjubiläum – und einen Teller von Marie Antoinette.

Dyck "Dann sollen sie eben Kuchen essen." Das soll Königin Marie Antoinette entgegnet haben auf den Hinweis, dass das französische Volk Hunger leide. Vielleicht hat die gebürtige Österreicherin ihr Stück Kuchen im Versailler Schloss von einem gold umrandeten, üppig verzierten Teller mit den Initialen "MA" genossen – zu sehen ist das Stück aus einer Jüchener Sammlung zurzeit im Stallhof von Schloss Dyck. Es gehört zur Ausstellung "50 Jahre Élysée-Vertrag". Diese eröffneten gestern Bürgermeister Harald Zillikens und Jens Spanjer, Vorstand der Stiftung Schloss Dyck.

Zu den ersten Besuchern gehörten Viertklässler der Verbundschule Hochneukirch-Otzenrath, Realschüler und Gymnasiasten. Speziell an Schulen richtet sich die Ausstellung, die das "Institut für Europäische Partnerschaften und Internationale Zusammenarbeit (IPZ)" konzipiert hat. Die Wahl auf Dyck als Ausstellungsort sei eher durch Zufall gefallen, meint Gemeinde-Sprecher Jürgen Wolf. Bürgermeister Zillikens und Jens Spanjer waren sich einig, dass das barocke Wasserschloss ideal sei, um an das vor 50 Jahren geschlossene Abkommen zwischen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle zu erinnern: "Fürst Joseph selbst hatte eine enge Verbindung zu Paris, dort hat er studiert geheiratet und auch gelebt", erinnert Spanjer. Zillikens bezeichnete die Ehefrau des Fürsten, Constance de Salm, als eine "europäische Netzwerkerin" zwischen dem rheinischen Adel und dem kulturellen Leben in Paris.

Auf laminierten Infotafeln können die Besucher mehr über die Jahrhunderte lange, wechselhafte Beziehung zwischen Deutschen und Franzosen erfahren; zudem werden die Ziele und Folgen des Élysée-Vertrags dargestellt. Zwar fehlt Jüchen bei den Beispielen für Städtepartnerschaften. Doch seine 1980 geschlossene Verbindung mit dem nordfranzösischen Leers wird durch Exponate dokumentiert, wie den Partnerschaftsvertrag oder eine Porzellanplatte, ein Geschenk vom Leerser Bürgermeister Lucien Domoncaux.

Die Verbinding nach Leers halten neben dem Partnerschaftskomitee auch die Schulen. "Für unsere Grundschule mussten wir die Partnerschaft leider aufgeben", sagt Schulleiterin Irmgard Burg. Am Gymnasium wird sie dagegen noch erweitert. "Zurzeit sind zwei Schüler der neunten Klasse zum Austausch in Leers", erläutert Lehrer Albert Wirtz. In drei Wochen ist der Gegenbesuch geplant. Fortgesetzt werde auch das zweiwöchige Praktikum für Zehntklässler.

Dass Frankreich – und nicht Sachsen – nach China und Florenz Ursprungsland des Weichporzellans ist, gehört zu den unerwarteten Informationen. In drei Vitrinen sind Sammlerstücke aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu sehen. Hier findet sich auch ein Teller aus einem 360-teiligen Service von Frankreichs letzter Königin.

(NGZ)