Lokalsport : Ausdauertraining für Jedermann

Die Saison bei den Fußball-Amateuren ist gerade mal neun Spieltage alt, doch viele Trainer klagen schon über ellenlange Listen an Spielerausfällen. Was sich dagegen unternehmen lässt, auch ohne große finanzielle Mittel, darüber sprach NGZ-Redakteur David Beineke mit Frederik Ramm. Als Therapeutischer Leiter der medicoreha im Borussia-Park koordiniert er die physiotherapeutischen Maßnahmen für alle Mannschaften des Zweitligisten aus Mönchengladbach.

Herr Ramm, für viele Amateurtrainer gehören etliche verletzte Spieler zum Alltag. Wo sehen Sie die Gründe?

Frederik Ramm Bei den Amateuren kann das Training natürlich nicht so engmaschig sein wie bei den Profis. Da wird maximal drei Mal die Woche trainiert, wobei das Hauptaugenmerk auf die Grundlagenausdauer, das Spielen und die Taktik gelegt wird. Da bleibt der restliche Körper weitgehend auf der Strecke.

Das heißt konkret?

Ramm Es wird ganz einfach zu wenig auf die Defizite des Einzelnen geachtet, alle Spieler einer Mannschaft werden über einen Kamm geschert. Sinnvoll wäre es, eine Leistungsdiagnostik für die motorischen Grundeigenschaften machen zu lassen, um dann an den Defiziten zu arbeiten.

Was meinen Sie mit motorischen Grundeigenschaften?

Ramm Darunter versteht man die körperlichen Eigenschaften, die eine sportliche Leistung ermöglichen. Neben der Ausdauer sind das Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination. Ein Training der Beweglichkeit, der Koordination und der individuellen Kraft findet bei den Amateuren in der Regel nicht statt. Muskel müssen beispielsweise nicht nur kräftig sein, für eine saubere Bewegung müssen sie auch gut zusammen funktionieren.

Sie haben den Zeitfaktor schon angesprochen. Lässt sich das bei den Amateuren überhaupt umsetzen?

Ramm Was spricht dagegen, Stabilisations- und Koordinationstraining zu integrieren. Wenn man sich auf einer Matte bewegt, um Knie- und Sprunggelenke zu stabilisieren, kann man sich dabei auch einen Ball zuspielen. Wenn man ein bisschen kreativ ist, wird man nicht nur feststellen, dass das unbedingt nötig ist, sondern, dass es den Trainingsalltag auch auflockert. Ganz wichtig ist bei allem die Regelmäßigkeit und die Nachhaltigkeit. Es bringt nichts, nur in der Vorbereitung bestimmte Dingen zu trainieren. Auch im Saisonverlauf muss an Defiziten gearbeitet, das Niveau gehalten werden.

Hört sich gut an. Doch neben Zeit fehlt's oft auch am Geld.

Ramm Ich finde, wenn der Verein nicht genug Geld hat, sollten auch die Spieler bereit sein, in ihre Gesundheit zu investieren. Jeder muss ein Interesse daran haben, möglichst wenig Verletzungen zu haben. Eine Idee wäre aber sachbezogenes Sponsoring. Ein Sanitätshaus kann doch beispielsweise mit der Unterstützung solcher Leistungen viel zielgerichteter werben.

(NGZ)