Jüchen : Aus für "Dycker Weinhaus"

Michael und Sabine Naß, Pächter der Traditionsgaststätte "Dycker Weinhaus", schließen das Lokal – aus persönlichen und wirtschaftlichen Gründen. Die Geschwister hatten nach Brand und Umbau 2010 wieder eröffnet.

Diese Entscheidung ist Sabine Naß, mit ihrem jüngeren Bruder Michael Pächterin im "Dycker Weinhaus", hörbar schwer gefallen: "Wir mussten die Reißleine ziehen. Es ging einfach nicht mehr weiter – sowohl aus wirtschaftlichen, als auch aus gesundheitlichen Gründen", bedauert Naß gestern gegenüber unserer Zeitung.

Zum 7. November haben die Geschwister das beliebte Lokal für Ausflügler und Familienfeierlichkeiten geschlossen, Termine für Hochzeiten wurden schriftlich abgesagt. Auf dem Band des Anrufbeantworters kündigt Sabine Naß die Schließung des Hauses an und dankt den Gästen für ihre Treue.

Seit 2003 hatten die Geschwister Naß das geschichtsträchtige Haus, das seit 1678 als Gasthof bekannt ist, gepachtet. Während Michael Naß (40) als Koch wirkte, kümmerte sich seine Schwester um den Service – die besondere Liebe der ausgebildeten Floristin galt unter anderem ungewöhnlichen Dekorationen. 2009 brach ein Feuer im Dachstuhl des Gebäudes aus: Umfangreiche Sanierungen folgten, es dauerte acht Monate, bis wieder Gäste im "Dycker Weinhaus" speisen konnten.

"Wir haben die Folgen dieser langen Pause und auch den Verdienstausfall wohl unterschätzt", sagt die Pächterin. Vielleicht auch, weil das Restaurant für sie und ihren Bruder etwas Besonderes war: "Wir haben mit Herzblut daran gearbeitet, es war unser Baby. Wir wollten nicht aufhören."

In einem Brief an ihre Gäste bedauern die Pächter: "Leider stellen wir heute fest, dass uns nicht enden wollende Auseinandersetzungen rund um die Wiederherstellung nach dem Brand und eine deutliche Mieterhöhung noch vor Wiedereröffnung Grenzen aufgezeigt haben." Diese seien auch mit noch so großem Engagement nicht zu bewältigen – sogar die Gesundheit wurde dadurch angegriffen. Zudem spürte das "Weinhaus"-Team die Wirtschaftskrise.

Wie es jetzt für Sabine Naß und ihren Bruder weitergeht – das ist eine Frage ohne Antwort. Sabine Naß spricht von einer "beruflichen Neuorientierung". Ihr Bruder Michael werde wohl seine Tätigkeit im Prüfungsausschuss und für Berufsschulen verstärken. Ob beide weiterhin in der Gastronomie des Golfclubs "Schloss Myllendonk" eingebunden sein werden, dazu wollte sich Sabine Naß gestern nicht äußern.

(NGZ/rl)
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