Auftakt der Wintersaison auf der Neusser Galopprennbahn

Galopp : Sieben Rennen und viele Diskussionen

Die drohende Schließung der Neusser Galopprennbahn war beim Auftaktrenntag der Wintersaison das beherrschende Gesprächsthema. Die sieben Rennen brachten eine Vorentscheidung im Kampf um das Jockey-Championat zugunsten von Bauyrzhan Murzabayev, der auch für einen Neusser Sieg sorgte.

Sieben Rennen sind am Sonntag zwischen 10.51 Uhr und 13.54 Uhr auf der Galopprennbahn am Hessentor gestartet worden. Im Championatskampf der Jockeys zwischen Bauyrzhan Murzabayev und Maxim Pecheur fiel durch die zwei Siege des Kasachen mit Hellomoto und Latino eine Vorentscheidung, denn der gestern sieglose Maxim Pecheur wird bis zum Finale am 29. Dezember in Dortmund den Rückstand von jetzt neun Siegen (106:97) nicht mehr aufholen können. Mit Hellomoto gab es zudem einen Neusser Sieg beim vorletzten Renntag des Jahres.

Das Gesprächsthema der von Rennvereins-Vorstandsmitglied  Friedhelm Thissen durch persönliche Zählung ermittelten rund 700 Besucher (trotz immer wieder einsetzenden Regens) waren nicht die Rennen, sondern die Berichterstattung der NGZ über die drohende Schließung der Rennbahn. Entsetzen darüber herrscht beim Trainer-und Jockeyverband. Deren Präsidentin Erika Mäder, mit dem ihrer Hausärztin Nina Sanders gehörenden Wallach Power Bullet Zweite: „Es muss doch eine Lösung geben, damit sich der Rennverein und die Stadt auf eine tragbare Variante für beide Seiten einigen.“ Was sie dezent verschwieg: Der Verband hat schon vor geraumer Zeit einen Brief an Bürgermeister Reiner Breuer geschrieben. Er blieb ohne Antwort.

Wie gewohnt gelassen und mit Ironie nahm es Axel Klenkorres, immerhin in seinem Unternehmen mit 26 Pferden betroffen: „Bis zum letzten Renntag sind es doch noch zwei Wochen.“ Den Besitzern der zweijährigen Stute Milljo hatte er – schelmisch – einen Geldpreis versprochen. Es liefen fünf Pferde, es gab fünf Gelder und Kleinkorres konnte den Kölner Besitzern den dritten Platz und 900 Euro vermelden. Ansonsten herrschte bei Besuchern und Funktionären viel Unwissenheit über die Details der Probleme.

Schon im zweiten Rennen stand Katja Gernreich bei der Sieger-Ehrung. Der einst für 3.000 Euro in England eingekaufte, fünfjährige Wallach Hellmoto gewann bereits sein fünftes Rennen für die Neusser Trainerin mit der Heimat Dresden. Besitzer sind die im Saarland wohnenden Hans Gölz, Klaus Groß und Klaus Nickel vom Stall OTW, dem Kfz-Kennzeichen von Ottersweier.

Mit Hellomoto gelang dem designierten Champion Murzabayv der erste Sieg in Neuss. Er ließ im letzen Rennen den zweiten Treffer mit Latino folgen. Frühzeitig sorgte er dabei für die klare Niederlage der mit 2,4:1 favorisierten Stute Circuskind mit Maxim Pecheur. Ihr behagte der sehr feuchte Neusser Sand überhaupt nicht und der Jockey erschien mit ihr auch sehr hastig an der Spitze.

Um 2.20 Uhr am Sonntagmorgen war Trainer Frank Fuhrmann mit sieben Pferden aus Möser bei Magdeburg auf die 450 km lange Strecke nach Neuss gegangen, gegen sieben Uhr erreichte er das Neusser Stallgelände. Der Sieg mit Bobby Charm rettete die Bilanz und die Rückfahrt, der dritte Platz von Uh Oh Chongo (900 Euro) und der vierte Rang von Circuskind (600 Euro) waren Trostpreise. Fuhrmann kritisierte: „Der Zustand des Geläufs ist schon grenzwertig. Ob ich am 22. Dezember wiederkomme, glaube ich eher nicht.“ Im Übrigen kündigte er an, sich im kommenden Jahr sehr ernsthaft um das Trainer-Championat zu bewerben.

Glimpflich endete ein spektakulärer Unfalls nach dem fünften Rennen im Bereich des Abspritzplatzes in Richtung Ausgang. Zwei Pferde verhedderten sich in die Wasserschläuche, eine Pferdeführerin versuchte verzweifelt, das panisch gewordene Pferd festzuhalten. Sie wurde über den Asphalt geschleift, das Pferd rannte in Richtung Hammer Landstraße, wurde aber von mutigen Helfern im letzten Moment daran gehindert und kehrte um. Die Johanniter waren sofort zur Stelle und nach einer halben Stunde Behandlung konnte die Verletzte den Krankenwagen mit Prellungen und einen großen Schreck verlassen.