Auch der 37. Quirinus-Cup des Neusser HV sorgt für Gänsehaut-Momente.

Handball : Die Marseillaise für den 37. Quirinus-Cup

Das mit rund 1700 Athleten besetzte Jugendhandball-Turnier des Neusser HV sorgt trotz aller Probleme für Gänsehaut-Momente.

Natürlich, der Quirinus-Cup des Neusser HV war auch in seiner 37. Auflage so viel mehr als die Finalrunde am Pfingstsonntag in der bis unters Dach mit Zuschauern vollgepackten Elmar-Frings-Sporthalle, doch stimmungsvoller als dort geht es an den drei Turniertagen ganz sicher in keiner der zehn anderen Hallen im Rhein-Kreis zu. Gänsehaut-Atmosphäre schon vor dem ersten von satten neun Endspielen, als die von den französischen Handballern angestimmte Marseillaise Lust auf die Partie der gemischten E-Jugend zwischen der HSG Neuss/Düsseldorf und dem Lille Métropole HB  Villeneuve d‘Ascq machte.

Das Highlight Das von den mit erstaunlichen Ballfertigkeiten ausgestatteten (gar nicht mehr so kleinen) Knirpsen entfachte Feuerwerk wusste von der ersten Minute an zu begeistern. Und weil das Team aus dem Norden der Grande Nation trotz zwischenzeitlich klarem Rückstand nicht aufgab, ging das Spektakel beim 17:17 nach 24 Minuten auch noch in eine 2x3-minütige Verlängerung. Dass seine Jungs und Mädels schließlich hauchdünn mit 19:18 triumphierten, war für den grenzenlos stolzen HSG-Trainer Udo Bleckat nur das  i-Tüpfelchen auf einem traumhaften Turnier. „In der Vorrunde hatten wir gegen die Franzosen, die hier einen tollen Handball gezeigt haben, noch verloren – allerdings nicht in Bestbesetzung. Das Finale war dann einfach nur unfassbar schön.“

Die besten Mannschaften Klar, Vergleiche über Jahrgänge hinweg sind schwierig, aber zwei Teams stachen in Neuss schon heraus: So pflügte die männliche D-Jugend des TuS Opladen förmlich durch das Turnier, fertigte im Finale auch die JSG DJK Tura/RWO TV aus Mülheim und Oberhausen mit 19:6 ab. „Die sind in dieser Saison das Maß der Dinge“, weiß NHV-Nachwuchstrainer Wolfgang Spangenberger, der seit dem Abschied von Manfred Büschgens 1998 den inoffiziellen Ehrentitel „Vater des Quirinus-Cups“ trägt. Ihrer Rolle als Topfavorit wurde auch die C-Jugend des TSV Bayer Dormagen gerecht. Der Westdeutsche Meister traf im Endspiel gegen die von Julian Bauer betreute Auswahl des Handball-Verbandes Niederrhein auf viele bekannte Gesichter, setzte sich am Ende aber ungefährdet mit 11:8 (Halbzeit 7:3) durch. Und das fand der diesmal in die Chefrolle gerückte Co-Trainer Benni Maus stark, „denn die für uns ungewohnte 6:0-Deckung des Gegners hat uns schon Sorgen bereitet. Aber das haben die Jungs in der Offensive sehr gut gelöst – und die Defensive zeichnet uns schon die ganze Saison aus. Wir sind sehr zufrieden mit dem Turnier und kommen nächstes Jahr gerne wieder.“

Die Stimmungsmacher Immer da, wo die mit großer Kapelle angereisten Nachwuchs-Handballerinnen aus den Niederlanden auftauchten, war Stimmung in der Bude. So überraschten die Mädels der HG Quintus die Neusser Marktbesucher am Samstag mit einer spontanen  Choreografie. Die Handballschule Brabant gewann mit ihrer D- und B-Jugend, sicherte sich zudem den Super-Quirinus-Cup für die meisten Platzierungen unter den besten Vier. Dass die „Meisjes“ aus dem Nachbarland in der HG Quintus (B-Jugend) und dem HVM Goodflooring HMC Raamsdonksveer (A-Jugend) noch zwei weitere Teams ins Finale brachten, überraschte Spangenberger nicht wirklich: „Die Holländer legen großen Wert auf den weiblichen Bereich.“

Die Stimmungskiller Die meisten der mehr als 1000 im Schulzentrum untergebrachten Jugendlichen benahmen sich gut. In seinem „Wort zum Sonntag“ nach dem Turnier sprach Volker Staufert, Vorsitzender der HSG Neuss/Düsseldorf, indes von „alkoholbedingten Ausschreitungen erheblicher Art sowie von unflätigem und asozialem Verhalten – trotz Sicherheitsdienst.“ Er stellte indes klar: „Wir werden uns den Quirinus-Cup nicht von denen kaputtmachen lassen, die sich nicht benehmen können.“

A-Jugend als Familienfest Vor allem, weil die von Coach Josip Jurisic betreute Bundesliga-Truppe im Halbfinale in Dukla Prag die mit Abstand spielstärkste Mannschaft mit 9:7 aus dem Weg räumte, schaffte es auch die in der Oberliga spielende Zweitvertretung der HSG Neuss/Düsseldorf mit ihrem 16:11-Sieg über Kooperationspartner Adler Königshof ins Endspiel. Dort traf damit der als Trainer bei der „Zweiten“ eingesprungene Uwe Klause auf seinen für die „Erste“ tätigen Sprössling Til Klause. „Schon ein komisches Gefühl, seinen Sohn zum ersten Mal als Gegner zu treffen“, sagte der stolze Vater nach der 8:12-Niederlage (3:4).

Ein Blick in die Zukunft NHV-Vorsitzender Martin Eggert ist dabei, dem mitten im Umbruch steckenden  Traditionsturnier neue, auch professionellere Strukturen zu verpassen, verspricht aber: „Das Emotionale, das Familiäre wird immer im Mittelpunkt stehen.“ Er wäre sogar bereit, den Pfingsttermin aufzugeben. Zur Erinnerung: Die Premiere 1983 fand Ende Juni statt, „über Pfingsten zum Quirinus-Cup nach Neuss“ heißt es erst seit 1985.

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