Jüchen : Arcaden ziehen Kaufkraft ab

2014 sollen die Mönchengladbach Arcaden eröffnen, die Gemeinde hat keine Bedenken. Ein Gutachten prognostiziert für Jüchen ein bis zwei Prozent Kaufkraftabfluss. Die Händler der Gemeinde sehen weitere Probleme.

In Neuss eröffnete kürzlich das Rheinpark-Center, in Mönchengladbach gehen 2014 die Mönchengladbach Arcaden in der City an den Start. Wie wird sich diese neue Einkaufs-Mall an der Hindenburgstraße auf den Jüchener Einzelhandel auswirken? Klar ist, dass mit der neuen Einkaufswelt beim Nachbarn ein Kaufkraftabfluss in Jüchen einhergehen wird. Das geht aus einem Gutachten der Gesellschaft für Markt- und Absatzwirtschaft (GMA) hervor.

Demnach ist für Jüchen mit einer Umverteilungsquote von bis zu zwei Prozent zu rechnen. Das entspricht laut Analyse einer Umsatzeinbuße von 200 000 Euro. "Die Auswirkungen für die Gemeinde Jüchen sind relativ gering", so die Einschätzung von Wirtschaftsförderer Jürgen Wolf. "Vor diesem Hintergrund sind seitens der Verwaltung keine Bedenken gegen die Bauleitplanungen vorgebracht worden", sagte Bürgermeister Harald Zillikens im Gemeinderat.

Jüchener Händler sehen die zusätzliche Konkurrenz offensichtlich recht gelassen — sie drücken wohl generellere Probleme: "Wer in Mönchengladbach einkaufen möchte, der hat es schon bislang getan", erklärt Optiker Friedhelm Klöters in Hochneukirch. "Am Anfang wird die Neugierde auf die Gladbach-Arcaden groß sein, doch das wird wieder nachlassen."

Der Geschäftsmann zeichnet ein nicht rosiges Bild. "Wir sind schon jetzt gebeutelt. Die Umsätze gehen zurück. Von Jüchen ist es nicht weit nach Mönchengladbach, Venlo und Roermond. Viele fahren dorthin zum Einkaufen. Da können wir werben, so viel wir wollen."

In die gleiche Kerbe schlägt Werner Hüsselmann, Sprecher des Werberings Jüchen. "Die Kaufkraft ist doch eh schon weg, fließt — mit Ausnahme im Lebensmittelbereich — etwa nach Mönchengladbach und Grevenbroich ab."

Auch er sieht durch die Arcaden keine zusätzliche Gefahr, sondern sieht andere Knackpunkte: "Das Hauptproblem ist, dass Jüchen in drei Teile gegliedert ist, die in unterschiedliche Nachbarstädte orientiert sind und die sich zuweilen untereinander nicht ,grün' sind", so Hüsselmann. "Wir brauchen einen Baumarkt, um nicht für jede Schraube in die Nachbarstadt fahren zu müssen. Aber angesichts der Dreiteilung tun sich Investoren bei solchen großen Einzelhandelsprojekten schwer."

Die Gemeinde wird das Thema Einzelhandel anpacken, hat das Büro "Stadt und Handel" mit einem Einzelhandelsstandortkonzept beauftragt. Am Jahresende soll darüber beschlossen werden.

(NGZ)