Jüchen : Anwohner: Motorräder zu laut

Die Anwohner der Jüchener Straße in Gierath klagen über rasende und laut knatternde Motorräder, die durch das Dorf jagen. Untersuchungen von Polizei und Verkehrsministerium kommen zu anderen Ergebnissen.

Gierath/Gubberath Klaus Schürmann hat nichts gegen Motorradfahrer. Und der Diplom-Ingenieur ist auch grundsätzlich ein Freund der Ansiedlung von Polo im nahen Gewerbegebiet. Doch seitdem Polo zum Anziehungspunkt für Motorradfahrer aus der gesamten Region geworden ist, fühlt sich Schürmann zunehmend belästigt: "Täglich rasen bis zu 450 Biker an meinem Haus vorbei. Die Jüchener Straße ist eine Rennstrecke geworden."

Schürmann hat auf sein Empfinden und das seiner Nachbarschaft hingewiesen. Er hat sich an die Gemeindeverwaltung, den Landrat und das NRW-Verkehrsministerium gewandt. Sein Ziel: "An den Wochenenden muss die Ortsdurchfahrt Gierath für Motorräder gesperrt werden. Zudem sollte eine dauerhafte Radaranlage installiert werden und die Polizei muss regelmäßig kontrollieren."

Doch die Behörden sehen keinen Grund, diesen Forderungen nachzukommen. So teilt das Verkehrsministerium mit: "Der durchschnittliche tägliche Motorradverkehr auf der L 71 (Jüchener Straße, Anm. d. Red.) beträgt 113 Kfz pro Tag." Gerade an Wochenenden sei ein Anstieg der Verkehrsbelastung vor allem auf der L 116 festzustellen. "Durch die geringere Motorradbelastung im Abschnitt der L 71 wird deutlich, dass die L 71 in Gierath von Motorradfahrern offensichtlich nicht als Ausweichstrecke zur parallel verlaufenden A 46 zur Firma Polo benutzt wird."

Klaus Schürmann zweifelt nicht nur das Zahlenmaterial an — er wirft den Behörden ein rein politisch motiviertes Handeln vor: "Die Polo-Ansiedlung sollte und soll unbedingt funktionieren. Also haben die Anwohner die Folgen — den Lärm und den Gestank — zu ertragen."

Tatsächlich würdigt das Ministerium in seiner Stellungnahme "einen der größen Erfolge für die Gemeinde Jüchen". Im Vorfeld der Polo-Ansiedlung seien Argumente für und wider die "begehrten Sperrungen" ausgetauscht worden. Die "besonderen Gründe", die eine Sperrung möglich macht, kann die Landesbehörde aber nicht erkennen.

Unterstützt wird diese Position durch Kontrollergebnisse der Polizei. Demnach seien 85 Prozent aller Verkehrsteilnehmer zwischen 44 und 54 Stundenkilometer schnell gewesen und damit innerhalb der Toleranzgrenzen der zulässigen Höchstgeschwindigkeit. "Da Geschwindigkeitsniveau und Unfallentwicklung unauffällig sind, wurde eine polizeiliche Geschwindigkeitsmessstelle nicht eingerichtet", heißt es in einem Schreiben von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke an Klaus Schürmann.

Doch der will weiterkämpfen: "Ich kann nur jedem, der diesbezüglich eine Entscheidung zu treffen hat, anbieten, einen Nachmittag bei uns zu verbringen. Es dürfte laut werden."

(NGZ)