Sportpolitik : Neuss droht mal wieder eine Chance zu verpassen

Auf der Landkarte der Initiative Rhein Ruhr City 2032 prangt in der Mitte ein weißer Fleck, der die Größe der Neusser Stadtgrenzen hat. Doch während der Rhein-Kreis im regen Austausch mit Michael Mronz steht, schläft Neuss in Sachen Sport wieder selig vor sich hin.

Horst Ferfers wird sich noch gut an diesen Vorgang erinnern. In seiner Zeit als Sportdezernent wollte er ein Fußballzentrum am Stadtwald errichten, um Neuss zum Trainingsstandort für die WM 2006 zu machen. Ferfers scheiterte an den Bedenken der Politik, die Pläne verschwanden in der Schublade.

Und mit seinem Eintritt in den Ruhestand verschwand auch eine Ära. Denn Horst Ferfers war der letzte, der im Rathaus so etwas wie eigene Ideen und Initiativen in Sachen Sport entwickelte. Seither wird dort nur noch verwaltet, werden überfällige Sanierungen als Erfolge präsentiert und am Bedarf der Sportszene vorbei geplant – siehe die inzwischen selbst von einstigen Befürwortern eingestandene viel zu hohe Anzahl neuer Kunstrasenplätze.

Wenn jetzt im Zuge der Initiative Rhein Ruhr City 2032 über Olympische Spiele und Sportstättenkonzepte gesprochen wird, scheint sich die Geschichte von damals zu wiederholen. Neuss prangt als weißer Fleck auf der Landkarte, obwohl es exakt in der Mitte der Region liegt. Denn Neuss besitzt nur Sportanlagen, die sich nicht einmal als Trainingsstandort für eine der 33 olympischen Disziplinen eignen würden. Und im Rathaus mangelt es an Phantasie, sich für jene Ereignisse ins Gespräch zu bringen, die wie Radrennen oder Marathonlauf nicht auf solche Anlagen angewiesen sind.

Der Rhein-Kreis ist da weiter. Er befindet sich nach Aussage von Kreisdirektor Dirk Brügge im regen Austausch mit Michael Mronz, bei dem es offensichtlich nicht nur um das geplante Kanu-Zentrum in Dormagen zu gehen scheint. Der Kreistag hat sich klar für eine Unterstützung der Mronzschen Initiative ausgesprochen, in Düsseldorf gibt es schon einen Olympiabeauftragten  – in Neuss hat bislang nicht mal einer einen Antrag zu solchen Themen gestellt.

Das hat auch damit zu tun, dass bei den Nachbarn Sport Chefsache ist. In Düsseldorf gehört er zum Aufgabengebiet des Stadt-, im Rhein-Kreis zu dem des Kreisdirektors, und deren jeweilige Chefs mischen auch mächtig mit. In Neuss zeigt zwar der Bürgermeister starke persönliche Präsenz bei Sportveranstaltungen, doch das hat keinen nachhaltigen Einfluss auf sportpolitische Konzepte, weil das Ressort im Rathaus bloß mit-verwaltet wird. Der derzeit zuständige Dezernent ist so sport-fern, dass ihn nicht mal einer vermisst, wenn er, wie so häufig und wie auch am Dienstag beim Besuch von Michael Mronz, durch Abwesenheit glänzt. Vielleicht bringt sich die Quirinusstadt ja als Standort fürs Olympische Dorf ins Gespräch. Denn geschlafen wurde in Neuss schon immer, wenn es um Chancen für den Sport ging.

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