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Analyse zum Olympia-Verzicht von Säbelfechter Max Hartung

Fechten : Andere werden Hartungs Beispiel folgen

Analyse Max Hartung erweist sich erneut als Vordenker des deutschen Sports. Der Säbelfechter des TSV Bayer Dormagen hat seinen Verzicht auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio erklärt, sollten sie denn tatsächlich in vier Monaten beginnen.

Wer in diesen Tagen mit Leistungs- und Spitzensportlern spricht, könnte ihre Verunsicherung mit Händen greifen - wenn sich die Gespräche nicht nur auf Telefonkontakte beschränken müssten. Keiner weiß, wie sein oder ihr sportliches Leben weitergeht. Besonders hart sind die betroffen, die sich just in diesen Wochen für die Olympischen Spiele in Tokio qualifizieren wollten. Die entsprechenden Wettkämpfe sind abgesagt oder auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben. Doch das Zeitfenster wird immer enger, bis zum Beginn der Spiele sind es nur noch vier Monate.

Einer, der sich bereits für Tokio qualifiziert hat, hat jetzt für sich diese Unsicherheit beendet: Max Hartung hat am Samstagabend im „Aktuellen Sportstudio“, in das er wegen seiner vorsorglichen Quarantäne per Skype zugeschaltet war, seinen Verzicht auf eine Teilnahme erklärt. Wer Max Hartung kennt, weiß, dass das keine spontane, sondern eine wohl durchdachte und abgewogene Reaktion des Dormagener Säbelfechters war. Und sicher auch eine mit anderen Athleten abgesprochene.

Bestimmt keine leichte Entscheidung. Denn dass der 30-Jährige seine Fechtkarriere um vier Jahre verlängert, um 2024 in Paris dabei zu sein, ist nur schwer vorstellbar – falls dann Olympische Spiele in ihrer momentanen Form überhaupt noch möglich sind. Ob sich das in Sachen Absage immer noch zögernde und auf Zeit spielende IOC und sein Präsident Thomas Bach, der selbst als Fechter Olympiagold gewann, von Hartungs einmal mehr entschiedenem Auftreten beeindrucken und beeinflussen lassen, darf bezweifelt werden.

Die Corona-Pandemie und ihre Folgen haben schließlich erneut bewiesen, wie weit einige Sportfunktionäre (nicht nur, aber vor allem im Fußball und beim IOC) von denjenigen entfernt sind, deren sie ihre Daseinsberechtigung als Funktionäre überhaupt verdanken – den Sportlern und Sportlerinnen an der Basis.