Skaterhockey : Mäzenatentum tut im Sport nur selten Gutes

Analyse Die Uedesheim Chiefs haben sich beim Skaterhockey-Verband als „ruhend“ gemeldet, sind damit faktisch nicht mehr existent. Ihr Niedergang ist ein Lehrstück, wie Sportentwicklung und Sportpolitik nicht funktionieren sollten und hat auch den Steuerzahler Geld gekostet.

Es klingt stark nach enttäuschter Liebe. Wenn der eigene Pressesprecher schreibt: „Aber der Verein, der sich aus 4200 Einwohnern nicht generisch selbst mit Nachwuchs versorgen kann, stand leer da. Und am Ende auch ratlos, kraftlos und auf allen Ebenen mental ausgebrannt,“ darf man wohl von einer zerrütteten Beziehung sprechen.

Die Rede ist von den Uedesheim Chiefs. Der einst ambitionierte Skaterhockey-Klub, eigentlich eine Abteilung des SV Uedesheim, hat faktisch aufgehört zu existieren. Nachdem am Ende in allen Altersgruppen überhaupt keine Spieler und zum bitteren Schluss auch keine Abteilungsleitung mehr da waren, haben sich die Chiefs beim Verband als „ruhend“ gemeldet.

Ihr Weg von der Straßenmannschaft, die auf Parkplätzen im Gewerbegebiet trainierte und spielte, zum Deutschen Pokalsieger und der anschließende Niedergang sind ein Lehrstück darüber, wie Sportentwicklung und Sportpolitik nicht funktionieren sollten. Denn der rasante Aufstieg war nicht das Ergebnis engagierter und kontinuierlicher Vereins- und Nachwuchsarbeit aus gewachsenen Strukturen heraus, sondern allein Mäzen-gesteuert. Selbst Pressesprecher Christian Haas schreibt in seinem Abgesang von den „externen Neuzugängen“, die „immer gerne nach Neuss“ gekommen seien: „Aber sie waren oft auch schnell wieder weg. Ohne Nachhaltigkeit. Ohne eingehaltene Zusagen. Dafür mit dem ein oder anderen Euro mehr in der Tasche.“

So etwas geht selten gut. Die Uedesheim Chiefs sind beileibe kein Einzelfall, und Skaterhockey ist bei weitem nicht die einzige Sportart, in der mancherorts Mäzene ihr Ego ausleben, indem sie viel Geld in einen Verein stecken, ohne dafür eine adäquate Gegen- oder Werbeleistung zu bekommen (was Mäzenatentum von Sponsoring unterscheidet). Zunächst sind sie meist hochwillkommen, lässt sich dank ihrer Unterstützung doch ein Entwicklungsprozess beschleunigen, der sonst viel Zeit, Energie und Engagement gekostet hätte.

Am Ende hinterlassen sie freilich allzu oft einen Scherbenhaufen, weil ihnen irgendwann das Geld, die Lust oder beides ausgehen. Die Chiefs müssen gar nicht weit schauen, um im Neusser Handball und seiner Fehlentwicklung namens Rhein Vikings ein ähnliches Beispiel zu finden. Nun können Vereine ja mehr oder weniger das tun, was sie wollen, sofern sie es gegenüber ihren Mitgliedern verantworten und rechtfertigen können. Bedenklich wird die Sache allerdings dann, wenn die Sportpolitik ins Spiel kommt. Kritische und warnende Stimmen – die gab es bei den Chiefs ebenso wie beim Handball – werden dann all zu oft in den Wind geschlagen, in der Hoffnung, sich im Glanz des vermeintlichen Erfolgs sonnen zu können.

Der Dumme ist dann meist der Steuerzahler, so im Falle des mit viel Geld aus dem Stadtsäckel errichteten „Chiefs Garden“, der nun zur Ruine zu werden droht. Dass sich „eine Gruppe Jungs, die vormals bei den DEG Rhein Rollers gespielt“ haben, dem SV Uedesheim angeschlossen haben, um dort künftig Inlinehockey zu spielen, sollte eher als alarmierendes denn als positives Signal gesehen werden – manchmal wiederholt sich Geschichte eben doch. Eigentlich scheuen gebrannte Kinder ja das Feuer....

Sport funktioniert auf Dauer eben nur, wo Strukturen und Konzepte vorhanden sind, wo Nachwuchsarbeit betrieben und auf Nachhaltigkeit gesetzt wird. Und auch nur dort sollte Sport mit öffentlichen Geldern gefördert und unterstützt werden. Das wird wahrscheinlich jeder Sportpolitiker und Vereinsfunktionär unterschreiben – allerdings nur so lange, bis irgendwo der nächste Mäzen mit dem Versprechen auf einen rasanten Aufstieg und einen kurzfristigen Erfolg winkt. Wobei kurzfristig leider meist auch kurzlebig bedeutet.