Analyse zum Abstiegskampf in der 2. Handball-Bundesliga

Handball : Abstiegskampf wird im Kopf entschieden

Analyse Mit der Heimniederlage gegen den TuS Ferndorf hat sich Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen selbst in die Bredouille gebracht. Selbst drei Siege in den noch ausstehenden drei Heimspielen könnten für den Klassenerhalt zu wenig sein.

Hat der vorerst letzte Doppelspieltag in der Geschichte der Zweiten Handball-Bundesliga den Kampf um den Klassenerhalt in der Saison 2018/19 entschieden? Während der HC Elbflorenz mit seinen beiden Siegen über EHV Aue (29:25) und bei den Rhein Vikings (34:26), die die Dresdener erstmals seit langem in die Zone oberhalb der Abstiegsplätze beförderten, als der große Gewinner dastehen, sieht sich derTSV Bayer Dormagen als Verlierer.

Der Aufsteiger war neben der HSG Nordhorn-Lingen (in Dessau) der einzige Klub, der am Freitag eine weite Reise zu bestreiten hatte. Er musste zum Tabellenführer nach Balingen, was inklusive zweimaligem Zwischenstopp in Stuttgart gut 1000 Kilometer auf den Tacho des Mannschaftsbusses brachte. „Und die stecken den Jungs in den Knochen,“ sagte Dusko Bilanovic nach der 24:28-Niederlage gegen den TuS Ferndorf am Sonntagabend.

Der Trainer schob jedoch gleich hinterher: „Das soll keine Entschuldigung für die schwache Leistung in der ersten Halbzeit sein.“ Eine Erklärung aber vielleicht schon. Denn es waren vor allem die jungen Spieler, die in den ersten dreißig Minuten neben ihren Handballschuhen standen: Lukas Stutzke, dem erst in der letzten Viertelstunde fünf seiner insgesamt sechs Treffer gelangen, Eloy Morante Maldonado, Ian Hüter und Tim Wieling glückte anfangs so gut wie gar nichts – für sie sind solche Erlebnisse wie dieser Doppelspieltag vollkommenes Neuland, doch von ihren Leistungen ist eine Mannschaft wie die des TSV Bayer extrem abhängig. „Ich habe schon beim Aufwärmen gemerkt, dass die Konzentration nicht richtig da war,“ sagt Bilanovic.

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Den Ferndorfern hingegen gelang es, „die gute zweite Halbzeit von Freitag in dieses Spiel hinüber zu retten,“ sagte Trainer Michael Lerscht. Da hatten die Siegerländer nach einem 10:10-Pausenstand den TV Hüttenberg noch mit 25:17 abgeledert, damit eine Serie von sieben sieglosen Spielen in Folge beendet und ihr Punktekonto auf 34 erhöht – jene Zahl, von der allgemein angenommen wird, dass sie zum sicheren Klassenverbleib ausreicht.

Weshalb sie am Sonntag frei aufspielen konnten. Frei aufspielen werden die Dormagener in den restlichen sechs Saisonspielen wohl nicht mehr können. Doch dieses Schicksal teilen sie mit acht weiteren Klubs: Vom HSV Hamburg (28:36 Punkte) auf Rang elf bis zum TV Großwallstadt (21:43) auf Platz 19 kämpfen sie alle noch um die Existenz. Mitten drin: der TSV Bayer auf Rang 14 mit 26:38 Punkten, zwei Zähler vor dem VfL Eintracht Hagen, der mit zwei Niederlagen (34:38 in Essen, 24:28 gegen Schwartau) auf den ersten Abstiegsrang rutschte.

Der Rückstand auf jene vermeintlich rettenden 34 Zähler beträgt weiterhin acht Punkte. Was Bilanovic zu einer einfacher Rechnung brachte: „Nur unsere Heimspiele zu gewinnen wird nicht reichen.“ Dabei wird allein dieses Unterfangen schon nicht einfach, geht es doch im nächsten (am 11. Mai) gegen den nach dem Trainerwechsel wiedererstarkten HC Elbflorenz – eines jener „Endspiele“, die den Dormagenern so gar nicht liegen. Und was passiert, sollte der TSV am letzten Spieltag (8. Juni) gegen die schon längst als Absteiger feststehenden Rhein Vikings um jeden Preis gewinnen müssen – nun, dieses Szenario möchte sich am Höhenberg derzeit keiner ausmalen.

Deshalb steht für den Trainer fest: „Wir müssen uns die gegen Ferndorf verlorenen zwei Punkte auswärts wiederholen.“ Die nächste Gelegenheit bietet sich am Samstag im Gastspiel beim ASV Hamm. Der zog zwar im Hinspiel mit 23:24 überraschend den Kürzeren, hat aber bei sechs Punkten Rückstand auf Rang zwei noch eine theoretische Aufstiegschance. Einfach sieht anders aus.

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