Jüchen : An Unterkünften sparen?

In Jüchen sinkt seit Jahren die Zahl der Asylbewerber, Obdachlosen und Aussiedler. Die Gemeinde unterhält noch drei Einrichtungen. Die Jüchener Bündnisgrünen schlagen jetzt vor, in dem Bereich zu sparen.

Die Jüchener Bündnisgrünen setzen beim Etat auf mehr Einnahmen – etwa durch Vermarktung von Neubaugebieten oder von Gewerbe-Arealen für neue Firmen. Doch die Verwaltung soll auch sparen. Als Beispiel nennt Wilfried Dietrich, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, die Unterkünfte für Asylbewerber, Aussiedler oder Obdachlose. "Hier soll die Verwaltung zunächst die Kosten pro Person und Nacht ermitteln. Anschließend ist zu prüfen, ob durch bauliche Maßnahme die Unterbelegung in den Unterkünften beseitigt werden könnte." Doch ist eine Kostensenkung in diesem Bereich überhaupt möglich, ohne dass dadurch die gesetzliche Vorschriften überschritten werden? Wie sieht das Verhältnis von Angebot und Nachfrage aus?

"Aktuell gibt es drei Einrichtungen: eine für Obdachlose an der Wickrather Straße, eine für Aussiedler an der Wanloer Straße und eine für Asylbewerber an der Jülicher Straße", erläutert Technischer Dezernent Oswald Duda gegenüber der NGZ. Genutzt werden sie von 41 Asylbewerbern, zehn Obdachlosen und sechs Aussiedlern, insgesamt 57 Menschen. Im Etat 2011 sind für diesen Bereich Kosten "in Höhe von rund 350 000 Euro" eingeplant. Kostenreduzierungen hält Duda für "schwierig" – aus unterschiedlichen Gründen.

Was feststeht: "Wir haben zurzeit noch freie Kapazitäten", erläutert der Dezernent. Zwischen "40 und 50 Plätze" seien theoretisch noch zu vergeben. Insgesamt sei die Nachfrage "deutlich zurückgegangen ": "Es gab vor einigen Jahren noch 250 Asylbewerber in Jüchen." Wie viele Menschen als Asylbewerber zunächst in Jüchen leben, ist für die Gemeinde nur bedingt eine kalkulierbare Größe. Die Asylbewerber werden zunächst durch die EU, dann durch Bund und Land an die Kommunen nach einem bestimmten "Verteilschlüssel" zugewiesen. Rund eine Woche bleibt der Verwaltung Zeit, um eine Unterkunft herzurichten.

Ein Problem: Die Nutzung der Unterkünfte muss individuell geplant werden. "Die Einrichtungen verfügen über gemeinsame Küchen und Badezimmer", erläutert Oswald Duda. Hier seien Familienkonstellationen ebenso zu berücksichtigen wie unterschiedliche Herkunftsländer, etwa Somalia, Nigeria, Kosovo oder Bosnien-Herzegowina. Zudem müssten, so Duda, die drei Gruppen eigne Unterkünfte haben: Während die Gemeinde für Obdachlose und Aussiedler sorgen müsse, kümmere sich das Land um Asylbewerber. "Hier besteht bis 2017 eine Zweckbindung."

Wilfried Dietrich hält auch "kleine Lösungen" für gewinnbringend: "Vielleicht reicht schon eine zusätzliche Wand, um den Platz besser zu nutzen."

(NGZ)