Jüchen : Amt lehnt Feinstaubmessung ab

Weht aus dem Tagebau zu viel Feinstaub herüber? Das zuständige Landesamt sagt nein und verweist auf fünf Jahre alte Messungen. Die Gemeinde besteht auf neue Messungen, das Landesamt sieht dazu noch keinen Anlass.

Alle paar Monate regnet es in Jüchen Dreck. Grobstaubereignisse nennt sich das, wenn sich eine gut sichtbare Staubglocke über Jüchener Ortsteile legt und sich an allen erdenklichen Staubfängern niederlässt. Man sieht ihn, er ist lästig, aber nicht gefährlich. Feinstaub dagegen sieht man nicht.

Wie viel des in gewissen Dosen zumindest bedenklichen Feinstaubs sich auf Jüchen niederlässt, das wollten die Ratsmitglieder vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) wissen. Morgen wird nun im Planungsausschuss die Antwort der Behörde präsentiert: Die Belastung in Jüchen liege deutlich unterhalb der vorgeschriebenen Grenzwerte. Ein Luftreinhalteplan sei nicht vonnöten. Das belegten Messungen aus dem Jahr 2007, als bislang zum letzten Mal eine Feinstaubmessstation in Jüchen aufgestellt war.

"Geringe Chancen"

Allerdings ist seitdem der Tagebau nach Westen gewandert, Standorte von Bandsammelpunkten haben sich verändert. Neue Ergebnisse wird es in diesem Jahr dennoch wohl nicht geben. "Die Chance, in der Gemeinde Jüchen erneut eine Feinstaubmessstation einzurichten, wurde vom LANUV als gering eingestuft", teilte die Verwaltung nach dem Gespräch mit dem LANUV mit. Der Grund: Die 42 vorhandenen Messstationen werden woanders gebraucht, unter anderem in Grevenbroich, wo der Kohlebunker auch kontinuierliche Messungen erfordert. Das LANUV erklärte lediglich, man werde das Messerfordernis jährlich erneut überprüfen. "Wir werden deshalb erneut für das Jahr 2013 eine Feinstaubmessstation beantragen", kündigte Bürgermeister Harald Zillikens an.

Denn im vergangenen Jahr, vor allem im Januar, Februar und März, wurden mehrfach in anderen Orten hohe Stunden- und Tagesmittelwerte gemessen. Je nach Windrichtung kann sich das Ergebnis erheblich voneinander unterscheiden. Was aber klar ist: Der Feinstaub bringt kaum radioaktive Strahlung mit sich. Das legen zumindest erste Ergebnisse einer Untersuchungsreihe des Forschungszentrums Jülich nahe. Nach ersten Ergebnissen lag die effektive Strahlendosis im Tagebau-Feinstaub bei 0,01 Millisievert Strahlung pro Jahr. Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung seien erst ab einer Dosis von einem Millisievert Strahlung pro Jahr vorzunehmen, teilte das LANUV mit. "Eine klare Beziehung zwischen eingeatmeter Dosis und Tagebau-Aktivitäten konnte nicht identifiziert werden", lautet das vorläufige Urteil der Jülicher Forscher.

Dass Jüchener Ratsmitglieder dennoch in Sorge sind über Feinstaub, zeigt eine polemische Äußerung des CDU-Ratsherrn Werner Hüsselmann, als der Fragenkatalog für das LANUV aufgestellt wurde. Als er nämlich erfuhr, dass in Grevenbroich eine zweite Feinstaubmessstation statt einer in Jüchen aufgestellt wird, ließ er nachfragen, ob dem Landesamt ein Grevenbroicher Leben mehr wert sei als ein Jüchener Leben.

(NGZ/rl)