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Radsport: Altmeister Petacchi spurtet in Neuss

Radsport : Altmeister Petacchi spurtet in Neuss

Weil Vorjahressieger André Greipel drei Tage später in London das olympische Straßenrennen bestreitet, hat sich der Sportliche Leiter Andreas Kappes nach einem neuen "Star" für die elfte Auflage der Tour de Neuss umgesehen. Und ist in Altmeister Alessandro Petacchi fündig geworden

In den vergangenen Jahren gehörte die Kaiser-Friedrich-Straße der heranstürmenden Jugend: In Vorjahressieger André Greipel und seinen Vorgängern Tony Martin, Heinrich Haussler und Gerald Ciolek fuhr stets ein Vertreter der "neuen" Radsportgeneration als Erster über den Zielstrich der "Tour de Neuss".

Bei der elften Auflage am kommenden Mittwoch (25. Juli, Start des Hauptrennens um 19.15 Uhr) wird hingegen ein "Altmeister" im Mittelpunkt des Interesses stehen: Alessandro Petacchi, vor 38 Jahren im italienischen La Spezia geboren, soll erstmals bei der "Tour nach der Tour" an den Start gehen. "Er hat schon öfter angefragt, diesmal haben wir Ja gesagt", sagt Andreas Kappes (46).

Der Sportliche Leiter, der selbst fünf Mal (1988 bis '93) an der Tour de France teilnahm und 1988 einen Etappensieg beim Giro d'Italia feierte, macht mit der Verpflichtung des Italieners, der vor zwei Jahren im Grünen Trikot des Punktbesten die Champs Elyséés in Paris erreichte, der sechs Etappen der Tour de France, 22 beim Giro und 20 bei der spanischen Vuelta gewann, aus der Not eine Tugend: "Klar hätten wir gerne André Greipel wieder am Start gehabt, denn der Vorjahressieger besitzt bei uns oberste Priorität", sagt Kappes, "aber da hatten wir logischerweise keine Chance." Das lag freilich nicht am Geld, denn der Etat für die Fahrerverpflichtungen "ist zwar etwas, aber nicht viel niedriger als im vergangenen Jahr", verrät der Sportliche Leiter.

Doch nur drei Tage nach der Tour de Neuss steht in London das olympische Straßenrennen aus dem Zeitplan. Vom Bund Deutscher Radfahrer wurden Tony Martin, André Greipel, John Degenkolb, Bert Grabsch, Marcel Sieberg und als Ersatzfahrer Marcus Burghardt nominiert. "Bis auf Degenkolb alles Fahrer, die bei uns schon am Start waren und die wir gerne wieder verpflichtet hätten", sagt Kappes. Doch wenn auf der Kaiser-Friedrich-Straße der Startschuss ertönt, sind die Fahrer schon in London.

Kappes ist "schon ein bisschen stolz, dass wir trotzdem so ein gutes Fahrerfeld zusammen bekommen haben", auch wenn er zugibt: "Früher war es einfacher." Denn früher gab es eine ganze Serie von "Nach-Tour-Kriterien" in Deutschland, da konnten die Fahrer von Rennen zu Rennen "weitergereicht" oder im Paket verpflichtet werden. Jetzt sind drei übriggeblieben: die City-Nacht in Rhede (27. Juli), der Sparkassen-Giro in Dortmund (5. August) — und eben die Tour de Neuss.

Die neben Petacchi immerhin vier Fahrer am Start sieht, die bis Sonntag noch bei der Tour de France unterwegs sind: Danilo Hondo (Team Lampre), Christian Knees (Team Sky), Dominik Nerz (Team Liquigas) und Patrick Gretsch (Team Argos-Shimano). Der fünfte im Bundes, Johannes Fröhlinger (Argos-Shimano) brach sich während der Tour die Hand und musste deshalb absagen.

Auch Altmeister Petacchi wird am Sonntag nicht mehr um den Sieg auf den Champs Elyséés sprinten. Der 38-Jährige fiel bei der elften Etappe aus dem Zeitlimit, weil er zuvor auf der Abfahrt vom Col de la Croix de Fer gestürzt war und sich dabei eine Rippe angebrochen hatte. Das, davon ist Kappes überzeugt, wird ihn nicht von einem Start in Neuss abhalten. Von dem er sich noch einen angenehmen Nebeneffekt am Streckenrand verspricht: "Wo Petacchi fährt, kommen immer alle Italiener aus der Gegend und machen eine Riesenstimmung."

(NGZ)