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Jüchen: Altenstube geschlossen: Neue Angebote fehlen

Jüchen : Altenstube geschlossen: Neue Angebote fehlen

Käthe Schwanz hat lange die Altenstube in Bedburdyck geleitet. Nun hat die 76-Jährige aus gesundheitlichen Gründen ihr Amt niedergelegt.

Fast 34 Jahre lang war die Altenstube in Bedburdyck einmal in der Woche die Anlaufstelle für ein geselliges Miteinander bei Kaffee und Kuchen. Am 18. Dezember — nach der Weihnachtsfeier — aber war Schluss mit dieser Traditionsveranstaltung. Käthe Schwanz, die die Altenstube all die Jahre geleitet hatte, gab aus gesundheitlichen Gründen auf.

Ausschlaggebend war letztlich für die 76-Jährige, dass sie mit ihren operierten Knien nicht mehr Fahrrad fahren kann. Und auf das Rad ist sie angewiesen, um die Besorgungen für die Altenstube zu erledigen. "Zuletzt hat mir Milli Steins geholfen. Aber auch sie schafft das nicht mehr", erzählt Käthe Schwanz. Früher war ihr Ehemann Rudi eine tüchtige Hilfe, zudem chauffierte er seine Frau mit dem Auto. Seit er aber vor zehn Jahren starb, musste sie alles mit dem Fahrrad erledigen. Und das geht nun nicht mehr.

Noch stehen das Geschirr und die Gesellschaftsspiele der Senioren in einem Schrank des Martinustreffs, wo die betagten Bürger in letzter Zeit zu Hause waren. "Ich würde mich freuen, wenn sich jemand finden würde, der unsere Altenstube weiterführen möchte, denn für alte Leute gibt es hier nichts im Ort", sagt Käthe Schwanz. Sie erinnert sich an die Zeit der Gründung vor etwa 34 Jahren: "Wir hatten zwei Räume im ehemaligen Bürgermeisteramt, der heutigen Sparkassen-Filiale, und es kamen 40 bis 50 ältere Leute der gesamten ehemaligen Kirchengemeinde Bedburdyck regelmäßig zu den Treffen."

Die heutige Küsterin Regina Specken hat die Entwicklung der Altenstube über mehr als drei Jahrzehnte verfolgt und erzählt: "Damals, im Bürgermeisteramt, wurden die Treffen sogar mehrmals in der Woche veranstaltet. Und es gab drei Betreuerinnen — neben Käthe Schwanz waren das Irmgard Nelles und Gertrud Creutz." Das nächste Domizil der Senioren nach der Zeit im früheren Bürgermeisteramt war ein Raum in der ehemaligen Schule (heute Bürgerhalle). Danach fanden die Senioren ihre Bleibe im Jugendheim an der Grevenbroicher Straße, seit sieben Jahren fand die Zusammenkunft im Martinustreff statt.

Die Leidenschaft der "Stammmannschaft" an Gesellschaftsspielen wurde von neuen Interessierten jedoch nicht geteilt. So kam es, dass die Gruppe immer mehr schrumpfte. "Wir waren zum Schluss nur noch noch zehn bis zwölf Frauen", sagt Käthe Schwanz, die in Fortbildungen vielfältige Anregungen bekommen hatte, um die Treffen interessanter zu gestalten. Doch nicht alles kam bei den Besuchern an. Am abwegigsten fand die 76-Jährige den Vorschlag, Schwimmnachmittage zu veranstalten — denn: "Viele von uns haben noch nie im Leben einen Badeanzug angehabt", sagt sie.

Bereits vor einigen Jahren hatte die 76-Jährige mit einem Hinweis auf ihre gesundheitlichen Probleme angeregt, dass sie eine Nachfolgerin haben möchte. "Das geschah vielleicht mit zu wenig Nachdruck", meint Schwanz. Jetzt gebe es kein Angebot für Senioren mehr.

(NGZ/ac)