Korschenbroich : Alte Bauakten jetzt wie neu

Die aufwendige Sanierung von mehr als 10 000 Bauakten steht vor dem Abschluss. Sie waren im Frühjahr 2010 feucht geworden, zeigten deutliche Schimmelspuren. Jetzt müssen die Aktendeckel noch beschriftet werden.

Nicht nur alte Fotos oder historische Schriftstücke werden im Stadtarchiv an der Friedrich-Ebert-Straße für spätere Generationen aufbewahrt: Auch Protokolle von Ratssitzungen oder Aktenvorgänge aus den Fachämtern finden dort Platz. Auf einen Schlag erhöhte sich die Zahl der Dokumente um 10 066 alte Bauakten.

Sie waren feucht geworden, wiesen gesundheitsgefährdende Schimmelspuren auf und wurden zwischenzeitlich saniert. Was noch fehlt, ist das aktuelle Aktenzeichen. Dafür sorgt derzeit Lua Bernhard.

Das Gedächtnis der Stadt

Wie viele Akten, Kisten und Kartons im Einzelnen an der Friedrich-Ebert-Straße eingelagert sind, weiß Amtsleiterin Michaele Messmann nicht. Sie legte 1988 mit ihrem Amtsantritt bei der Stadt Korschenbroich den Grundstein für das heutige Archiv. "Damals hat man mich im Kollegenkreis nur mitleidig angeschaut", erinnert sie sich. Bei dem Aufbau durchkämmte sie so manchen Dachboden und Kellerraum.

Ab 1990 war dann laut NRW-Archivgesetz jede Kommune verpflichtet, Dokumente in einem eigenen Archiv aufzubewahren. "Heute ist alles geordnet, perfekt katalogisiert", beschreibt Messmann den Ist-Zustand. "Ein Archiv ist das Gedächtnis der Stadt."

Wie umfassend dieses Gedächtnis wirklich ist, darauf wollen sich auch Angelika Brieske und Maria Leuchtges nicht festlegten lassen. "Wir sprechen von Regalmetern", sagt Angelika Brieske. "Wir verwalten hier Archivmaterial auf rund 1790 laufenden Regalmetern." Da sind die alten Bauakten noch nicht alle mit eingerechnet. Sie sind nach der Sanierung durch eine Fachfirma in großen Kartons jahrgangsweise geordnet in Korschenbroich angeliefert worden. Was noch nicht einsortiert ist, muss warten: "Wir ziehen im Rahmen der Rathaus-Zentralisierung an die Don-Bosco-Straße."

Zum Hintergrund: In einem Kellerraum, der früher als Tresorraum der ehemaligen Stadtsparkasse genutzt wurde, wurden seit Anfang der 80er Jahre etwa 10 000 Bauakten gelagert. Sie stammen aus den Jahren 1949 bis 1980. Vor der kommunalen Neugliederung war zunächst der frühere Landkreis Grevenbroich und später der Kreis Neuss als Bauaufsicht für die heutigen Bereiche Korschenbroichs zuständig. Die entsprechenden Akten wurden der Stadt 1981 übergeben und im besagten Tresorraum gelagert.

Den Schaden im Tresorraum entdeckte seinerzeit Amtsleiter Dieter Hoffmans. Das Kreisgesundheitsamt und das Landesamt für Denkmalpflege wurden dazu gehört. "Es besteht eine akute Gesundheitsgefährdung, ich lass' keinen Mitarbeiter mehr in den Kellerraum", hatte Hoffmans damals dem Stadtrat mitgeteilt. Die Politik bewilligte für die Sanierung daraufhin außerplanmäßig 25 000 Euro.

(NGZ/rl)