Jüchen : Als Ingenieurin im Tagebau

Nina Szczepanski hat ihren Traumjob gefunden. Als eine der ersten Ingenieurinnen für Elektrotechnik arbeitet die 34-Jährige im Tagebau Garzweiler. Für sie ein "Traumberuf".

Hochkonzentriert bahnt sich Nina Szczepanski den Weg über die sandigen Ebenen. Ein Schutzhelm bedeckt das kurze, braune Haar. Ihre Füße stecken in schwarzen Arbeitsstiefeln. Während der anspruchsvollen Fahrt bleibt ihr Blick auf den zerklüfteten Untergrund gerichtet. Doch kaum zieht der 96 Meter hohe Schaufelradbagger an ihr vorbei, platzt es aus der 34-Jährigen heraus: "Hier fühle ich mich zu Hause."

Nina Szczepanski arbeitet im Braunkohletagebau Garzweiler — nach dem Studium hat sie als eine der ersten Frau als Elektroingenieurinnen bei RWE Power begonnen. Heute betreut die 34-Jährige Projekte für moderne Anlagentechnik im Abbaugebiet und ist für viele der — meist männlichen — Mitarbeiter Ansprechpartner für technische Details. Ihr Fazit nach sechs Jahren: "Ich habe meinen Traumjob gefunden."

Schon im Teenageralter packte die gebürtige Dortmunderin das Interesse für das Ingenieurswesen: "Mit zwölf Jahren stand für mich fest, dass ich Ingenieurin werden will", erinnert sie sich. Dass ihr Vater, selbst Elektroingenieur, sie in ihrer Berufswahl beeinflusst haben könnte, verneint Szczepanski: "Das glaube ich nicht. Schon in der Schule war ich naturwissenschaftlich begabt und wollte alles über technische Abläufe wissen."

Nach dem Ingenieursstudium bewarb sie sich 2006 für die Trainee-Stelle im Tagebau Garzweiler. "Dabei hätte ich mit meinem Abschluss auch in einem Bekleidungsunternehmen oder in der Automobilindustrie anfangen können", weiß die 34-Jährige. Elektroingenieure seien überall gefragt, wo Prozesse gesteuert werden. "Wie die Kirsche auf die Sahnetorte kommt, hat mich immer schon weniger interessiert als die Prozesse in der Schwerindustrie", erklärt Szczepanski.

Große Anlagen begeistern sie: "Der Schaufelradbagger ist einer der größten Arbeitsmaschinen der Welt. An den Prozessen eines Geräts mitzuwirken, das zwei Drittel des Kölner Doms ausmacht, ist einfach ein super Gefühl." Als "toll" und "unkompliziert" bewertet die Ingenieurin das Arbeitsklima: "Ich wurde von allen Kollegen von Anfang an gut aufgenommen." In einem von Männern dominierten Beruf tätig zu sein, habe ihr nie Probleme bereitet. "In Zukunft wird sich das Geschlechterverhältnis im Ingenieurswesen weiter angleichen", meint sie. Vor allem deshalb, weil sich immer mehr junge Frauen für das Fach einschreiben würden. "Am Ende ist ja nicht das Geschlecht entscheidend, sondern ob man der richtige Typ für den Beruf ist", findet Nina Szczepanski. "Ich und der Tagebau Garzweiler — das passt einfach zusammen."

(NGZ/rl)
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