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Korschenbroich: Als Christen Kirche vor Ort leben

Korschenbroich : Als Christen Kirche vor Ort leben

Interview Pfarrer Michael Tewes spricht über zunehmende Aufgaben und Verpflichtungen im Pfarrverband.

Glehn Der Sparzwang und der Mangel an Berufungen haben die Kirchengemeinden im Stadtgebiet schon lange vor der Finanzkrise erreicht. Während sich die dem Bistum Aachen zugehörigen Pfarren Korschenbroich, Kleinenbroich, Herrenshoff, Liedberg und Pesch zu einer Gemeinschaft der Gemeinden zusammengeschlossen haben, gehört die Glehner Pfarre St. Pankratius zum Erzbistum Köln. Der vor über zehn Jahren gegründete Pfarrverband der Gemeinden aus Glehn, Grefrath, Holzheim, Reuschenberg und Selikum macht die Arbeit vor Ort nicht wirklich leichter. Pfarrer Tewes wohnt zwar im Glehner Pfarrhaus, ist aber gemeinsam mit den übrigen Seelsorgern im gesamten Pfarrverband im Einsatz. Über die Aufgaben und Verpflichtungen sprach die NGZ jetzt mit Pfarrer Michael Tewes.

Herr Pfarrer Tewes, Sie sind nicht nur Pfarrer für Glehn und Steinforth-Rubbelrath. Verstehen das die Menschen vor Ort?

Pfarrer Michael Tewes Die Menschen vor Ort waren und sind zu Recht der Meinung, dass die Seelsorger nahe bei den Menschen sein sollen. Diesem Wunsch möchte ich als Pastor gerne nachkommen und spüre dabei täglich meine Grenzen. Aus dem Grund bin ich auf die Mitarbeit von engagierten Ehrenamtlern angewiesen, die bereit sind, auch über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. Obwohl diese dabei den eigenen Kirchturm in allen Gemeinden nicht aus den Augen verlieren, ist ihr Stand in der Heimatpfarrei nicht immer ganz leicht.

Wie erklären Sie den Menschen die verstärkte Zusammenarbeit im Pfarrverband und die Ursachen für den Zusammenschluss?

Tewes Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts ist im Erzbistum Köln und auch in den anderen Bistümern ein Rückgang der Priesterzahlen und auch der anderen kirchlichen Berufe festzustellen. War mein Vorgänger, Pfarrer Istel, noch nur für Glehn zuständig, so hat sich mein Aufgabengebiet eben doch sehr erweitert. Wir sind nun nur noch zwei hauptamtliche Priester, ein Diakon, eine Pastoral- und eine Gemeindereferentin für den ganzen Pfarrverband mit ungefähr 16.000 Katholiken. Das macht deutlich, dass die neue Situation vom Seelsorgeteam nicht allein getragen werden kann, vielmehr sind wir auf die Unterstützung aller Gemeindemitglieder angewiesen, wobei wir besonders eng mit den gewählten Gremien zusammenarbeiten. Bei diesen Gremien fand ich in allen Gemeinden in den vergangenen Jahren konstruktive und hilfsbereite Unterstützung, wofür ich sehr dankbar bin.

Welche neuen Aufgaben wurden Ihnen übertragen?

Tewes Sicher sind als leitender Pfarrer aller fünf Gemeinden einige neue Aufgaben auf mich zugekommen, aber bereits die Arbeit in einer Pfarrei hat einen Pastor früher schon voll und ganz ausgefüllt. Mir geht es da wie allen meinen Mitbrüdern, die als leitende Pfarrer Gemeinden vorstehen. Die Zusammenarbeit mit den Kirchenvorständen, Pfarrgemeinderäten, Katecheten und vielen anderen Gruppen — Kirchen- und Jugendchören, Kindergärten, Frauengemeinschaften, Bruderschaften und Messdienern — will gemeinsam mit den übrigen Seelsorgern geleistet werden, und dabei hat man oftmals das Gefühl, hinter den eigenen Ansprüchen zurück zu bleiben.

Was können Sie von Ihren Aufgaben an Laien delegieren?

Tewes Ich nenne da nur ein Beispiel, die Zusammenarbeit mit den Pfarrgemeinderäten: Gerade das Bedürfnis der Menschen an bisherigen Gottesdienstzeiten festzuhalten, zeigte mir, dass die notwendigen, der Anzahl der Priester im Pfarrverband angemessenen, Änderungen und Kürzungen bei den Gottesdiensten nicht von mir oder dem Seelsorgeteam allein getroffen werden mussten, vielmehr in gemeinsamen Überlegungen mit den Gremien aller Gemeinden gefunden werden konnten. Dies war nicht einfach, so dass uns deutlich wurde, dass sich gerade der Umgang mit Sonderregelungen in Zukunft nicht leichter gestalten wird.

Am Wochenende stehen die Wahlen für den neuen Pfarrgemeinderat (PGR) und den Kirchenvorstand an. Glehner werden mit Vertretern der anderen Pfarren zusammenarbeiten müssen. Wird dadurch die seelsorgerische Arbeit nicht weiter erschwert?

Tewes Die bisherige Arbeit in der Pfarrverbandskonferenz, der Kirchengemeindeverbandskonferenz und bei den Katecheten in Kommunion- und Firmvorbereitung hat gezeigt, dass bei den ehrenamtlich Handelnden das Verständnis für die Notwendigkeit der Zusammenarbeit groß ist und man bereit ist, aufeinander zuzugehen. Dafür bin ich sehr dankbar. Und ich denke, wir setzen die gute Arbeit fort, um Kirche vor Ort leben zu können.

Aktuell gibt es Verstimmung bei den Schützen in Glehn, warum?

Tewes Sowohl der PGR als auch ich bedauern dies sehr. Der Zusammenhalt aller Vereine und der Kirche im Dorf ist uns wichtig. Die neu gefundene Gottesdienstordnung muss für alle gelten. In Gesprächen mit den PGRs sind wir allerdings zu der Überzeugung gekommen, dass Ausnahmen von der Regel dort gemacht werden können, wo sie möglich sind. Dies gilt für alle Pfarreien im Pfarrverband. Mit Präsident Udo Brockers habe ich vereinbart, dass die Schützen im nächsten Jahr eine neue Regelung finden werden.

Und was war nun konkret Anlass für die Verstimmung?

Tewes Eine Messe am Vorabend des Volkstrauertages zum geplanten Totengedenken war zunächst personell nicht möglich. Aber das Thema ist geklärt. Ich bin froh, dass mit Pater Andreas aus dem Nikolauskloster ein Priester gefunden wurde, der am Abend des 14. Novembers aus Anlass des Volkstrauertages um 18.15 Uhr eine heilige Messe feiern kann. Dem PGR und mir ist es wichtig, dass anstehende Probleme untereinander besprochen werden, denn wir alle wollen als Christen gemeinsam Kirche auf dem Weg sein.

(RP)