Korschenbroich : Allkauf-Prozess beginnt

Wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung stehen seit gestern vier Mitglieder der Unternehmerfamilie Viehof, ein Wirtschaftsprüfer und ein Geschäftsführer vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Mönchengladbach.

Begleitet von großem Medien- und Zuschauerinteresse hat gestern der Prozess um Beihilfe zur Steuerhinterziehung und versuchten Betrug vor der 8. Großen Strafkammer des Mönchengladbacher Landgerichts begonnen. Sechs Angeklagte aus Mönchengladbach, Korschenbroich und Krefeld (zwischen 47 und 62 Jahre alt) versammelten sich mit ihren Anwälten im Schwurgerichtssaal. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, in den Jahren 2001 bis 2006 ehemalige leitende Angestellte mit Schenkungen begünstigt zu haben, die tatsächlich Abfindungen waren und für die höhere Steuern zu zahlen gewesen wären. Auf diese Weise sollen sie als Gehilfen den Fiskus geschädigt haben.

Zwei Stunden lang verlas die Staatsanwältin gestern die umfangreiche Anklage. Die vier Brüder der Viehof-Familie — Klaus, Bernd, Eugen und Michael — verkauften 1998 ihre Geschäftsanteile von Allkauf an die Metro AG. Danach baten ehemalige Geschäftsführer und Prokuristen um Abfindungszahlungen, so die Anklage. Die Mitglieder der Unternehmerfamilie stellten einen Finanzpool von zehn Millionen DM zur Verfügung. In unterschiedlicher Tatbeteiligung sollen die sechs Angeklagten mit zwölf früheren leitenden Angestellten Darlehens- oder Schenkungsverträge abgeschlossen haben.

Die einzelnen Vorgänge liefen offensichtlich immer nach dem gleichen Muster ab. So auch im Fall eines früheren Geschäftsführers. Ihm wurde ein Geldbetrag von 922 200 DM zugesprochen. Ein Darlehensvertrag wurde später in Schenkungsverträge für den Ex-Angestellten, dessen Ehefrau und den Sohn umgewandelt. Der Geldbetrag wurde weder zurückgefordert noch zurückgezahlt.

Auch mit dieser Methode soll die Finanzbehörde getäuscht worden sein. Der mitangeklagte Mönchengladbacher Steuerberater und Wirtschaftsprüfer (47) soll die Verträge vorbereitet haben, so die Staatsanwaltschaft. Finanzgerichte hatten diese Zahlungen offenbar als Arbeitslohn mit "abfindungsähnlichem Charakter" gewertet. Doch Eugen Viehof, das älteste Mitglied der Viehof-Familie, widersprach der Anklage. Der 62-Jährige gab gestern eine Erklärung für seine Brüder ab: "Das waren Schenkungen, die wir aus unserem privaten versteuerten Vermögen genommen haben. Wir hatten kein Interesse an Steuervorteilen".

Auch der mitangeklagte Wirtschaftsprüfer (47) beteuerte , es sei für ihn klar gewesen, dass die Schenkungen akzeptiert würden. In Verdacht sollen die Angeklagten geraten sein, als sich die Ehefrau des mitangeklagten Geschäftsführers aus Krefeld über den Ex-Ehemann beschwerte. Der habe falsche Angaben im Scheidungsverfahren gemacht. Der 61-Jährige sagte gestern nur zur Person aus. Für den Prozess sind elf Verhandlungstermine geplant.

(NGZ/jt)