Städtische Kindergärten: Alles soll beim Alten bleiben

Städtische Kindergärten : Alles soll beim Alten bleiben

Von Simon Hopf

Von Simon Hopf

Die elf städtischen Kindergärten in Korschenbroich sollen nicht in die Trägerschaft des Rhein-Kreises überführt werden. Der Ausschuss für Familie und Soziales sprach sich Donnerstag Abend einstimmig gegen die Beschlussvorlage der Stadtverwaltung aus.

Fraktionsübergreifend war zuvor der verhältnismäßig geringe, und wenn, dann vor allem nur mittelfristig zu erzielende Einsparungseffekt genannt worden, der eine solche Entscheidung nicht rechtfertige. Gleichwohl schlugen die Wellen noch einmal hoch: Wolfgang Houben (Grüne) glaubte sogar, die von der Verwaltung errechnete Summe von rund 170.000 Euro erweise sich bei Nachprüfung als nur "wenig belastbar", die Zahlen seien "eine Luftnummer".

Ein Vorwurf, den Bürgermeister Heinz Josef Dick so nicht stehen lassen wollte. Die Angelegenheit sei "sorgfältig" und "über Monate behandelt worden". Dass Dr. Joachim Heinz (UWG) gar den "Verlust pädagogischer Einflussnahme auf die Kinder" befürchtete und Houben zudem ein Damoklesschwert" zu sehen glaubte, das über den Kindergärten schwebe, war Kämmerer Bernd Dieter Schultze jedoch zu viel des Guten: Er verwahre sich gegen den Vorwurf, die Kindergärten einem Träger übergeben zu wollen, der von pädagogischer Betreuung keine Ahnung habe, so der erboste Dezernent.

Zudem sei in einzelnen Teilbereichen Einsparpotenzial zweifellos gegeben. Rückzugsgefechte, denn zu diesem Zeitpunkt hatte Wolfgang Lieser als Vertreter der Union, die im Ausschuss die Mehrheit stellt, das klare "Nein" seiner Fraktion in Sachen Trägerschaftswechsel bereits formuliert.

Auf der Fraktionssitzung am Montag seien alle Argumente gegenübergestellt und ausgelotet worden, begann Lieser und ließ in einer ausführlichen Begründung noch einmal die ganze Geschichte Revue passieren. Im Rahmen der Haushaltsberatungen für das laufende Jahr sei "das große Defizit deutlich geworden", aufgrund dessen nach Möglichkeiten gesucht werden musste, "wie dieser Not begegnet und abgeholfen werden kann".

Die Stadtverwaltung sei nachfolgend auch beauftragt worden zu prüfen, ob ein Trägerwechsel der Kindergarten "effizient" sein könnte. Die Ausarbeitung der Behörden, "wie und wo" im städtischen Etat eine Entlastung möglich sei, habe neben den besagten 170.000 Euro aber weitere Einsparungsmöglichkeiten erbracht: Zum einen werde das Anmeldeverfahren künftig von den städtischen Kindergärten selbst geleitet, zum andern solle die Bedarfsplanung nur noch durch den Kreis und nicht auch noch durch die Kommune erfolgen.

Unterm Strich bringe dies eine nochmalige Kostendämpfung von etwa 54.000 Euro. "So blieben von der gesamten Summe noch 120.000 Euro an zusätzlicher Ersparnis über", erläuterte Lieser. Neben die finanziellen Gesichtspunkte trete jedoch ein weiterer Aspekt: die stärkere Verzahnung von Kindergarten und Grundschule wie sie jüngst vom Landtag im Schulrechtsänderungsgesetz verankert worden sei.

Zukünftig solle die Schule nämlich dort weiterbilden und erziehen, wo die vorherige Einrichtung - sprich: der Kindergarten - aufgehört habe. Gerade deshalb erscheine es jedoch sinnvoll, "dass die Trägerschaft dieser beiden pädagogischen Einrichtungen in einer Hand liegen bleibt", so Lieser. Erste Schritte seien bereits in der Praxis erfolgt; es wäre daher "eher kontraproduktiv, diese begonnene Arbeit, die zum Wohle unserer Kinder ist, zu unterbrechen". - Es soll also alles beim Alten bleiben.

(NGZ)
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