Korschenbroich : Alles in Eigeninitiative

Seit eineinhalb Jahren trifft sich die ZWAR-Gruppe, um Vorruheständlern und Rentnern die Möglichkeit zu geben, ihre Freizeit mit Gleichgesinnten zu organisieren. Die Mitglieder sind aufgrund der Ungezwungenheit begeistert.

Seit eineinhalb Jahren trifft sich die ZWAR-Gruppe, um Vorruheständlern und Rentnern die Möglichkeit zu geben, ihre Freizeit mit Gleichgesinnten zu organisieren. Die Mitglieder sind aufgrund der Ungezwungenheit begeistert.

Liedberg Irgendwann wurde es Jutta Pesch zu bunt. Während im Hintergrund gelacht und getuschelt wurde, verstand die 71-Jährige ihr eigenes Wort kaum noch. "Ich bitte euch, etwas ruhiger zu sein", sagte die Leiterin des Stuhlkreises mit einem Lächeln im Gesicht, während sie gerade die Anmeldebögen für einen Besuch des japanischen Gartens in Düsseldorf in die Runde reichte. Die ZWAR-Basisgruppe für die Stadtteile Glehn, Liedberg und Steinforth-Rubelrath hatte zum zweiwöchentlichen Treffen geladen. Und wie immer ging es "locker und ungezwungen" zu. Genau so, wie es laut Jutta Pesch sein soll.

Es war gegen Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, als die Universität Dortmund Handlungsbedarf sah. Immer mehr Zechen hatten im und um das Ruhrgebiet dicht gemacht. Nur an die Tausenden ehemaligen Arbeiter hatte niemand gedacht. Da hatte Dr. Wolf Klehm eine Idee: Er gründete gemeinsam mit Rudi Eilhoff die Initiative "ZWAR", die es Arbeitern ab 50, Vorruheständlern und Rentnern ermöglichen sollte, ihre Freizeit eigenverantwortlich und aktiv zu gestalten, anstatt den lieben langen Tag in den eigenen vier Wänden zu verbringen.

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Dreißig Jahre ist das nun her. Aus der kleinen Initiative für ehemalige Zechenarbeiter ist inzwischen ein landesweites Netzwerk geworden. Seit rund eineinhalb Jahren gibt es ZWAR auch in Korschenbroich. Und was anfangs nur eine kleine Runde an einem Stammtisch war, ist inzwischen fast so etwas wie ein Freundeskreis. Dementsprechend locker geht es zu. "Es gibt keinen Zwang, an den Veranstaltungen teilzunehmen. Wir haben keine Statuten, keinen Beitrag, keine Kasse und auch keinen Vorstand", erklärt Pesch, die seit dreieinhalb Jahren in Glehn lebt und von Beginn an begeistert war, als sie von der Initiative hörte. Seitdem ist sie fester Bestandteil der Gruppe, die sie gemeinsam mit John Petersen leitet. Zwei Mal im Monat treffen sich die Interessierten zum Stammtisch, zwei Mal im Monat zur Planung.

Das Konzept ist ganz einfach: Hat jemand aus der Gruppe eine Idee zur Freizeitgestaltung, stellt er oder sie diese in der Gruppe vor und jeder, der Interesse daran hat, trägt sich in die Liste ein. "In der Regel sind es kulturelle Veranstaltungen, die wir besuchen", sagt Pesch, "aber wir gehen auch einfach nur Essen oder waren schon gemeinsam auf der Kirmes, die ich als Zugezogene allein nie besucht hätte."

"Sehr zufrieden" ist auch Petra Köhnen mit der Entwicklung der Gruppe. Köhnen, Mitarbeiterin des Sozialamtes, war in die Planungen involviert, "wie wir von der Stadt aus auf den demographischen Wandel der Bevölkerung reagieren". Und anstatt einen weiteren Verein zu gründen, entschied die Stadt Korschenbroich, sich an die bereits vorhandene und in anderen Städten erfolgreiche ZWAR-Initiative dranzuhängen. "Wir wollten die Gruppe unterstützen, die Organisation und die Inhalte aber den Mitgliedern überlassen." Rund 60 Teilnehmer sind derzeit in der ZWAR organisiert, die auch eine Koch- und Malgruppe beinhaltet. Und die Initiative wächst weiter. In naher Zukunft sollen weitere Gruppen in anderen Stadtteilen entstehen.

(RP)