Alexandra Höffgen startet bei Ruder-EM in Luzern

Rudern : Der Weg nach Tokio führt über Luzern

Die Europameisterschaften auf dem Rotsee in Luzern sind für die Ruderer am Wochenende die erste internationale Standortbestimmung der vorolympischen Saison. Mit dabei im Frauen-Vierer: Alexandra Höffgen vom Neusser RV.

Was für die Reiter Kleinflottbek, das ist für die Ruderer der Rotsee. Wie der Springparcours im Hamburger Vorort genießt der 2,5 Kilometer lange, nur 250 Meter breite und von Hügeln gesäumte, dabei schnurgerade See inmitten von Luzern einen legendären Ruf – die Ruderer nennen ihn „Göttersee“. 1962, 1974, 1982 und 2001 wurden hier die Weltmeisterschaften ausgetragen, seit 1935 gibt es alljährlich die Rotsee-Regatta.

In diesem Jahr fällt sie aus. Denn der Rotsee ist an diesem Wochenende Schauplatz der Ruder-Europameisterschaften. Nach der Eröffnungsfeier am Donnerstagabend auf dem Luzerner Europaplatz geht es am Freitag ab 9 Uhr mit den Vorläufen in die Vollen, die Finals beginnen am Sonntag um 8.30 Uhr. 587 Ruderinnen und Ruderer aus 36 Nationen sind bei der EM am Start, die nach der Wedau-Regatta in Duisburg das zweite internationale Kräftemessen in der vorolympischen Saison bildet. „Die Konkurrenz bei der EM ist auf jeden Fall größer als in Duisburg. Aber es ist jetzt im Vorfeld natürlich schwierig, die Gegner alle einschätzen zu können. Das wird sich am Wochenende dann zeigen,“ sagt Ralf Holtmeyer, der leitende Bundestrainer des Deutschen Ruderverbandes, der insgesamt 60 Athletinnen und Athleten, darunter 15 Ersatzleute, in 16 Bootsklassen für die Titelkämpfe nominiert hat.

Mit dabei: Alexandra Höffgen und Vera Spanke vom Neusser Ruderverein. Während Spanke als Ersatzfrau auf Abruf bereitsteht, startet Alexandra Höffgen gemeinsam mit Annabel Oertel (ORC Rostock), Christin Stöhner (RC Potsdam) und Sophie Oksche (Rgm Donau - RC Ingolstadt) im Vierer ohne Steuermann. Ziel des Quartetts ist der Einzug ins A-Finale am Sonntag.

Auf dem Rotsee erlebt Tom Morris seine EM-Premiere als Bundestrainer. Der gebürtige Australier löste Mitte Mai Sven Ueck als Disziplintrainer der Riemenruderinnen ab, der ab sofort aus persönlichen Gründen nur noch für den U23-Bereich zuständig ist. Morris war zuvor mehr als ein Jahrzehnt für den australischen und den kanadischen Ruderverband tätig, führte in Rio 2016 den leichten Frauen-Doppelzweier der Kanadierinnen zu Olympia-Silber.

Am Stützpunkt in Potsdam soll er den Frauen-Riemenbereich weiterentwickeln, der bislang im Schatten der Skullerinnen stand. Was sich auch bei der EM niederschlägt, denn neben dem Vierer ohne ist nur noch der Zweier ohne gemeldet. „Die Mädels haben großes Potenzial, ihre Einstellung stimmt. Es liegt aber auf jeden Fall noch einiges an Arbeit vor uns, doch ich bin da sehr zuversichtlich,“ sagt Morris über seine neuen Schützlinge. Das Ziel hat er klar vor Augen: „Es wäre schön, wenn wir ein bis zwei Boote für die Olympischen Spiele in Tokio qualifizieren können. Dafür müssen wir aber in kleinen Schritten denken und realistisch bleiben.“ Die Europameisterschaften auf dem Rotsee sollen ein erster kleiner Schritt in diese Richtung werden, auch für Alexandra Höffgen.

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