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Alexandra Höffgen holt Silber bei der Ruder-EM im polnischen Posen.

Rudern : Das Ziel bleibt Olympia 2021 in Tokio

Mit Silber bei den Ruder-Europameisterschaften in Polen macht der deutsche Frauenachter einen großen Schritt nach vorne. Ein willkommener Motivationsschub für Alexandra Höffgen und ihre Teamkolleginnen in sehr schwieriger Zeit.

Mit ihrem abgeschlossenen Maschinenbaustudium in der Tasche ist Alexandra Höffgen quasi Expertin darin, Problemlösungen für schwierige Fälle zu finden. Und darum ging der Blick der Vize-Europameisterin bei den im polnischen Posen ausgetragenen Titelkämpfen noch mit der Silbermedaille um den Hals schon weiter: „Das Ziel bleibt Olympia. Und auf dem Weg dahin haben wir einen Riesenschritt nach vorne gemacht.“

Genau diesen Volltreffer hatte der deutsche Frauenachter einfach mal gebraucht. „Die harte Arbeit mit in letzter Zeit mehr Tiefen als Höhen hat sich endlich ausgezahlt“, bestätigte die noch 26 Jahre alte Ruderin des Neusser RV. „Wir nehmen den Erfolg als Motivationsschub für die nächsten Wintertrainingslager – bis Februar stehen vier auf dem Programm!“ Alexandra Höffgen, Tabea Schendekehl, Marie Arnold, Frauke Hundeling, Alyssa Meyer, Anna Härtl, Melanie Göldner, Sophie Oksche und Steuerfrau Larina Hillemann hatten auf dem Malta-See alles reingelegt. Höffgen: „Wir wollten voll unser Rennen fahren, unser Ding machen, waren voll auf uns fokussiert. Wir wussten, dass es eng werden kann, aber dass es zu Silber gereicht hat, ist richtig geil. Es hat richtig Spaß gemacht.“

Genauso wichtig wie der sichtbare Beleg der erbrachten Leistung war im Hinblick auf die Sommerspiele in Tokio 2021 der unmittelbare Vergleich mit der Konkurrenz. „Wir sind in Schlagdistanz zu den internationalen Top-Nationen“, stellte die ehemalige Basketballerin der TG Neuss zufrieden fest. Vor allem der Abstand zu Europameister Rumänien ist kleiner geworden. Das ist darum interessant, weil das Team um Denisa Tilvescu für alle Europäerinnen gemeinsam mit den in Posen nicht vertretenen Britinnen die direkte Verbindung zur von Neuseeland (WM-Gold 2019 in Linz), Australien (Silber) und den USA (Bronze), aber auch Kanada und China gebildeten Weltspitze ist. Bei der EM haben die DRV-Mädels zudem das Duell mit den Niederländerinnen gewonnen. Kurz vor der 1500-Meter-Marke eroberten sie Platz zwei und verteidigten diese Position bis ins Ziel. „Damit haben wir uns selbst übertroffen“, sagte Alex Höffgen strahlend. Klar, ihr sei natürlich bewusst, dass dies nicht mehr als ein „Zwischenschritt ist. Aber unser Trainer sagt immer: ‘The trend is your friend’. Und der Trend geht stark nach oben, diese Richtung wollen wir beibehalten.“

Disziplintrainer Tom Morris imponierte mehr als die Platzierung, „die war für mich nie wichtig“, sondern wie seine Schützlinge ihre Möglichkeiten ausgeschöpft hatten: „Mir ging es immer darum, wie sie ihre Leistung, die sie im Training gezeigt haben, hier abrufen können. Im letzten Jahr lagen wir noch 22 Sekunden hinter Rumänien, jetzt sind es nur noch zwei – das zeigt die großartige Entwicklung. Für uns ist das ein wirklich großer Schritt nach vorne.“

Den Charaktertest bestand auch die zweite EM-Starterin des Neusser RV: Obwohl von Anfang an kein Zweifel daran bestand, dass im Duell mit dem übermächtigen Weltmeister Italien nichts zu holen sein würde, hängte sich Cosima Clotten im leichten Frauen-Doppelvierer mit Marion Reichardt, Elisabeth Mainz und Katrin Volk zweimal voll rein. Im Finale gingen die Vier das Tempo der Azzurri sogar bis kurz vor der 1500-Meter-Marke mit, ehe sie Arianna Noseda & Co. ziehen lassen mussten – am Ende betrug ihr Rückstand auf Gold etwas mehr als sechs Sekunden.

Ein beherzter Vortrag des neuformierten Bootes. So sah das auch Schlagfrau Katrin Volk vom Ruderclub Undine Radolfzell: „Für die kurze Vorbereitungszeit, die wir hatten, war es ein echt gutes Rennen. Wir haben gut gekämpft.“