Ngz-Sportlerin Des Monats April: Alexandra Höffgen hat Tokio im Visier

Ngz-Sportlerin Des Monats April: Alexandra Höffgen hat Tokio im Visier

Trotz hartem Trainingsalltag schreibt die 24-Jährige im Trikot des Neusser Rudervereins gerade ihre Bachelorarbeit in Maschinenbau.

Neuss Alexandra Höffgen ans Telefon zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Schließlich ist die 24 Jahre alte Kleinenbroicherin, die seit sieben Jahren das Trikot des Neusser Rudervereins trägt, eine viel beschäftigte Frau: Zwölf bis vierzehn Trainingseinheiten in der Woche, Maschinenbaustudium, Werksstudentin - das läppert sich.

Gestern war die große Ausnahme. Weil sie heute und morgen bei der Hügelregatta auf dem Essener Baldeneysee startet, entfiel das Vormittagstraining auf dem Dortmund-Ems-Kanal. Und in der Uni hat sie sich den Freitag Vorlesungs- und Seminarfrei gehalten - das geht, weil sich Alexandra Höffgen mit Riesenschritten dem Abschluss ihres Bachelorstudiums nähert. "Die letzten Klausuren waren ganz gut, jetzt fehlt eigentlich nur noch die Bachelorarbeit", sagt die 24-Jährige.

Um die zu schreiben, muss sie nicht im Hörsaal sitzen. Das ist gut so, denn die nächsten Wochen und Monate werden stressig genug. Auf die Hügelregatta folgt ein interner Leistungstest des Deutschen Ruderverbandes (DRV) in Ratzeburg, danach erfolgt die Nominierung für die drei Weltcup-Regatten in Belgrad (1. - 3. Juni), Linz (22. - 24. Juni) und Luzern (13. - 15. Juli). Alexandra Höffgen geht davon aus, dass sie dabei ist, ebenso im Aufgebot für die Europameisterschaften, die Anfang August im Rahmen der "European Championships" (Ruderer, Schwimmer, Triathlethen und Bahnradsportler ermitteln vom 2. bis 12. August gleichzeitig ihre Europameister) in Schottland ausgetragen werden.

Kein grundloser Optimismus nach einem aus ihrer Sicht optimal verlaufenen Winter. Erst gewann Höffgen den DRV-Langstreckentest, dann holte sie sich zusammen mit Sophie Oksche vom RC Ingolstadt den Titel bei den Deutschen Kleinbootmeisterschaften im Zweier (was ihr den der "NGZ-Sportlerin des Monats April" eintrug). "Bessere Resultate geht nicht", sagt sie.

Dumm nur, dass ihre Zweier-Partnerin momentan wegen einer Sehnenscheidenentzündung ausfällt. Dabei wäre "der Zweier durchaus eine Option für die anstehenden Rennen gewesen", sagt Alexandra Höffgen. Jetzt muss sie abwarten, was die Bundestrainer nach der Hügelregatta entscheiden. In Essen geht sie sowohl im Vierer als auch im Achter an den Start.

Einfluss, in welchem Boot sie letztlich bei der EM oder bei den Weltmeisterschaften vom 9. bis 16. September im bulgarischen Plovdiv sitzt, hat sie nur indirekt. "Aber es gibt ja viele objektive Kriterien, nach denen eine Nominierung erfolgt", sagt Höffgen, "je besser deine Werte sind, desto mehr Optionen gibt es." Das sei im Rudern anders als zum Beispiel im Mannschaftssport - sie kennt sich da aus, spielte sie doch bis 2010 Basketball und schaffte es da bis zur Teilnahme an den Olympischen Jugendspielen.

Die "richtigen" Olympischen Spiele 2020 in Tokio sind das große Ziel, auf das die 24-Jährige hinarbeitet. Wenn sie ihren Bachelor in der Tasche hat, legt sie deshalb eventuell eine Studienpause ein. Als Werksstudentin beim Stromverteiler Westnetz könnte sie sich dann mehr aufs Training konzentrieren. Ihren Masterabschluss möchte sie dann nach den Olympischen Spielen nachholen. "schließlich sind das bei uns nur drei Semester. " Doch das ist Zukunftsmusik - am Wochenende wartet erst einmal die nationale und internationale Konkurrenz auf dem Baldeneysee auf sie.

(NGZ)