1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Sportpolitik: Agnes Werhahn führt die Stiftung Sport

Sportpolitik : Agnes Werhahn führt die Stiftung Sport

Die erfolgreichste Voltigier-Trainerin der Welt steht vor einer neuen Herausforderung: Agnes Werhahn übernimmt als Nachfolgerin von Karl Bongers den Vorsitz der Sparkassen-Stiftung Sport. Der "Patriarch" wurde gestern verabschiedet.

Karl Bongers war sichtlich gerührt: "Jetzt ist genug", sagte der Neunzigjährige, nachdem Kuratorium und Vorstand der Stiftung Sport seine Abschiedsworte mit ebenso langem wie starkem Beifall bedacht hatten, "ich hab' das ja schließlich nicht alles alleine gemacht."

Sportpolitik: Agnes Werhahn führt die Stiftung Sport
Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Bescheidene Worte anlässlich einer bedeutenden Zäsur: Nach 29 Jahren im Vorstand, davon 23 an dessen Spitze, stellte Karl Bongers gestern sein Amt als Vorsitzender der "Stiftung Sport der Sparkasse Neuss und des Rhein-Kreises Neuss" zur Verfügung. Nicht ohne zuvor seine letzte von fast 90 Vorstandssitzungen in gewohnt souveräner Manier zu leiten. "Der Kopf funktioniert ja noch", sagt der Neunzigjährige, "nur der Körper macht nicht mehr so richtig mit" - seit einem dreiviertel Jahr ist er auf einen Rollstuhl angewiesen, will er seine neue Heimat im Hubertusstift einmal verlassen.

Dort wird Agnes Werhahn ihn bald besuchen: "Ich stehe ihnen mit Rat und Tat zur Seite", versprach Bongers seiner Nachfolgerin. Die nahm das Angebot dankend an. Denn für die 57-Jährige bedeutet der Stiftungsvorsitz sportpolitisches Neuland: "Ich freue mich über die Berufung", sagte die erfolgreichste Voltigiertrainerin der Welt, nachdem das Stiftungskuratorium unter Vorsitz von Dieter Welsink sie einstimmig in ihr neues Amt berufen hatte, "aber ich weiß auch, dass ich die Fußstapfen, die Karl Bongers hinterlässt, nicht mal annähernd ausfüllen kann."

  • Förderung im Rhein-Kreis Neuss : „Athleten können sich auf Stiftung Sport verlassen“
  • Manuel Bast ist nun bei der
    Chefwechsel in Leverkusen : Die Bürgerstiftung hat einen neuen Geschäftsführer
  • Erst auf Abstand Schlange stehen und
    Sportbetrieb erstritten : Wasserskianlage darf für Sportler öffnen

Werhahn, die die Voltigierer des RSV Grimlinghausen zu zahlreichen Welt- und Europameistertiteln führte, übernimmt den Stiftungsvorsitz in schwierigen Zeiten. Denn wie alle (Sparkassen-)Stiftungen leidet auch die Stiftung Sport unter den niedrigen Zinserlösen aus dem 3,8 Millionen Euro umfassenden Stiftungskapital. So ging die Summe der an Projekte, Vereine und Sportler ausgeschütteten Gelder seit 2010 (212 000 Euro) um ein Drittel auf aktuell 143 000 Euro zurück. Und eine Besserung ist nicht in Sicht, machte Sparkassen-Vorstand Heinz Mölder deutlich: "Der Zins ist in Deutschland abgeschafft. Bis 2017 werden wir das jetzige Niveau unserer Ausgaben in etwa halten können, danach müssen wir weiter reduzieren, falls keine Änderung eintritt."

Um trotzdem Sportförderung in gewohntem Maße leisten zu können, empfiehlt Mölder, "müssen wir auf andere Partner zugehen." So betreut die Sparkasse Neuss inzwischen 13 Kundenstiftungen - "vielleicht findet sich ja eine, die sportaffin ist", sagt Mölder, der als Schatzmeister weiterhin dem Stiftungsvorstand angehört. Der umfasst künftig nach einstimmig verabschiedeter Satzungsänderung 13 Personen - neu hinzu gekommen ist neben Agnes Werhahn auch der bislang in beratender Funktion kooptierte Volker Staufert als "wichtiges Bindeglied zu anderen Institutionen im Rhein-Kreis und in NRW", so Dieter Welsink, der in Thomas Welter und Rainer Thiel zwei neue Vize-Präsidenten an seiner Seite hat.

Trotz reduzierter Fördermittel war "2014 für uns ein ausgesprochen erfolgreiches Jahr", lautete die Bilanz von Jürgen Steinmetz. Der stellvertretende Vorsitzende, der wegen seines beruflichen Wechsels ins Amt des IHK-Hauptgeschäftsführers ebenfalls aus dem Vorstand ausschied, machte dies nicht nur "an den Weltmeistertiteln im Säbelfechten, Rudern und Voltigieren" fest, sondern auch an den 23 A- und B-Kadermitgliedern, die von der Stiftung gefördert werden.

Und nicht zuletzt am zwölfköpfigen Perspektivteam für die Olympischen Spiele 2016. Steinmetz will dessen Entwicklung nicht nur aus der Ferne verfolgen: "Ich werde dem Sport und der Sportförderung im Rhein-Kreis nicht verloren gehen", versprach der stellvertretende Landrat, "sondern Möglichkeiten ausloten, neue Partner zu finden." Der Sport kann sie gebrauchen.

(NGZ)