VfR Neuss : Abstieg in die Landesliga

Seit Sonntag ist das, was wohl die meisten Fußballfreunde ohnehin längst erwartet hatten, Gewissheit: Der VfR 06 Neuss, höchsterrangigster Vertreter des Fußball-Kreises fünf, Grevenbroich/Neuss, steigt wieder in die Landesliga ab. Vor fünf Jahren hatte Freddy Zwiebler die Neusser souverän zurück in die fünfthöchste deutsche Spielklasse geführt, mit Pauken und Trompeten geht es nun wieder 'runter in die Landesliga, nachdem der Neusser Traditionsklub, mit Neutrainer Jörg Schmadtke hoffnungsfroh gestartet, praktisch die gesamte Saison die Rote Laterne inne hatte.

Auch der Trainerwechsel, in der Winterpause mit Heiko Peschke vollzogen, brachte zwar einen zwischenzeitlich deutlichen Aufwind und Punktezuwachs, konnte am Ende aber nicht mehr das wettmachen, was in der ersten Saisonhälfte gegenüber der keineswegs mächtigen Konkurrenz an Boden verloren worden war. Dabei wäre es wohl selten so leicht gewesen wie in der laufenden Spielzeit, den Abstieg zu vermeiden.

Denn, daran gibt es keinerlei Zweifel, die Verbandsliga hat in den vergangenen Jahren an Niveau verloren. Hinter der Übermannschaft der Saison 2000/2001, der Wuppertaler Borussia, die, wie man hört, mit einem Etat in annähernd siebenstelliger Höhe haushalten, schalten und walten kann, tut sich eine große Lücke auf. So dürfte das fußballerische Vermögen der derzeit zweitplatzierten Hamborner Löwen, die sich sogar noch Relegationshoffnungen auf die Oberliga machen dürfen, wenn überhaupt dann nur unwesentlich über dem der erfolglosen Neusser Kicker angesiedelt sein.

Will meinen: Hätte der VfR nur einen einigermaßen torgefährlichen Stürmer in seinen Reihen gezählt, hätte er sich sicherlich den Klassenerhalt sichern können. Pech, dass mit Norbert Jung ein Kandidat letztlich wohl an seinen gesundheitlichen Beschwerden scheiterte. Dumm aber auch, dass angebliche Verstärkungen im Angriffsbereich sich als eindeutige Rohrkrepierer erwiesen. Das, was vor Saisonbeginn an neuen Spielern präsentiert wurde, war bis auf ganz wenige Ausnahmen (hier sei besonders der seit der Winterpause völlig untergetauchte Manndecker Tahir Akpinar genannt) überhaupt nicht Verbandsliga-tauglich.

Dumm auch, dass der Führungsspieler, der Verantwortung übernimmt, der das Spiel lenkt aber auch beruhigt, fehlte. Mannschaftskapitän Jörg Ferber, dem neben Libero Wolfgang Höfchen eigentlich als erstem diese Rolle zugefallen wäre, konnte sie ebensowenig ausfüllen wie Höfchen. Dumm weiterhin, dass Neutrainer Jörg Schmadtke mit dem gelernten Libero Höfchen, der, das ist nun einmal so, nicht mehr zu den jüngsten Spielern zählt, die moderne Viererkette an der Hammer Landstraße installieren wollte.

Das mag im Profi-Bereich angebracht erscheinen, nicht aber bei fünft-und sechstklassigen Amateuren. Und prompt fingen sich die Neusser nach individuellen Abwehrfehlern (mit Libero) vermeidbare Gegentreffer ein, was sich angesichts der unglaublichen Torungefährlichkeit auf der anderen Seite im Endeffekt als tödlich erwies.Nachdem vor einigen Jahren mit Freddy Zwiebler und anschließend Wolfgang Funkel noch kräftig ans Tor der Oberliga geklopft worden war, verabschiedet sich der Neusser Traditionsverein nun abwärts in die Landesliga, wo er in der nächsten Saison auch auf den 1. FC Grevenbroich-Süd (oder den FC Delhoven) treffen wird.

Und betrachtet man die jetzige Mannschaft, dann wird es schwer werden, auch in der Landesliga ordentlich Fuß zu fassen. Eine Hand voll Spieler wird den Verein verlassen, (namhafte) Verstärkung ist noch nicht gemeldet worden. Dass man bei den grün-Weissen auf den Nachwuchs setzen möchte, ist perpektivisch betrachtet bestimmt der richtige Weg. Die Zöglinge sollten allerdings behutsam an höhere Aufgaben herangeführt werden. Aus der A-Junioren-Bestengruppe in die Landesliga, das ist ein gewaltiger Sprung. Vor allem dann, wenn es im Team an gestandenen Spielerpersönlichkeiten mangelt, an denen sich die jungen Talente orientieren können.

Mit seinem Entschuldungskonzept ist der VfR Neuss auf einen guten Weg eingebogen. Sportlich sollten aber alsbald die Weichen gestellt werden, um eine Landesliga-taugliche Truppe zusammenzubekommen. "Und Daran arbeiten wir derzeit verstärkt", erklärt der Sportliche Leiter der Neusser, Joachim Fuchs. Ralf Angenendt