8. Grevenbroicher Citylauf Erst ganz am Ende übernimmt König Fußball das Kommando

Grevenbroich · Bis zum Jedermann-Lauf feiern die Menschen in der Schlossstadt ihr Sport- und Familienfest. Dann steigt wie erwartet das EM-Fieber.

 Gleich geht’s los: 473 Läufer und Läuferinnen, im Durchschnitt 37,6 Jahre jung, warten beim Citylauf in Grevenbroich auf den Startschuss zum Jedermann-Lauf über 5000 Meter – 390 erreichten auch tatsächlich das Ziel.

Gleich geht’s los: 473 Läufer und Läuferinnen, im Durchschnitt 37,6 Jahre jung, warten beim Citylauf in Grevenbroich auf den Startschuss zum Jedermann-Lauf über 5000 Meter – 390 erreichten auch tatsächlich das Ziel.

Foto: Susanne Dobler

Oft sind es gerade die kleinen Siege, die den so gut wie jeder sportlichen Betätigung innewohnenden Kampf gegen den inneren Schweinehund zu einem ungemein befriedigenden Erlebnis machen. So warf der Dominator Imad Annaji, der in diesem Jahr bereits den Rosellener Abendlauf, den City-Run in Korschenbroich und den Neusser Sommernachtslauf gewonnen hatte, im Schlussspurt noch mal den Turbo an, obwohl im Lauf über 10.000 Meter im Grunde seit der ersten Runde weit und breit kein Konkurrent mehr zu sehen war. „Aber ich wollte unbedingt wieder unter 34 Minuten bleiben“, verriet der Topmann der TG Neuss, der im Ziel mit 33:53 Minute gestoppt wurde, lächelnd.

Leichtathletik: Der 8. Grevenbroicher Citylauf in Bildern
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Der 8. Grevenbroicher Citylauf sorgt für gute Laune

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Foto: Markus Rick

Nicht minder glücklich wirkte Carolin Heister (Familienzentrum Blumenwiese), die den Jedermann-Lauf über für Kilometer in 49:03 Minuten auf Rang 390 und damit als Letzte beendete. Vorbereitet hatte sich die Noithausenerin vorwiegend auf dem Laufband, aber die reale Erfahrung auf der Strecke schlug alles. Und darum versprach sie restlos geschafft, aber glücklich: „Nächstes Jahr bin ich wieder dabei.“ Das galt im Übrigen auch für Patrick Stroben (TuS Oedt), der das Rennen über 5000 Meter nach einem harten Fight in 17:17 Minuten vor Eric Windler vom Kapellener Grenadierzug „Lott et lope“ (17:24) für sich entschied. „Ich bin ein Fan von Abendläufen. Hier wohnende Freunde hatten mir den Lauf empfohlen.“

Liefen nach fünf Kilometern bestens gelaunt ins Ziel am Markt: Rolande Noubisse, die 36:28 Minuten benötigte, und Nina Nover (36:25) aus Grevenbroich.

Liefen nach fünf Kilometern bestens gelaunt ins Ziel am Markt: Rolande Noubisse, die 36:28 Minuten benötigte, und Nina Nover (36:25) aus Grevenbroich.

Foto: Susanne Dobler

Dass er die 17-Minuten-Marke nicht zu knacken wusste, macht ihm nichts aus. „Ich komme auf jeden Fall wieder.“ Aber für ihn steht im Oktober erstmal der Chicago-Marathon auf dem Programm. „Nach New York, Boston, London und Berlin ist das neben Tokio der letzte der sechs großen Marathons, der mir in meiner Sammlung noch fehlt.“

In Partylaune: Die Menschen in der Grevenbroicher Schlossstadt lieben ihren Citylauf.

In Partylaune: Die Menschen in der Grevenbroicher Schlossstadt lieben ihren Citylauf.

Foto: Susanne Dobler

Im Gegensatz dazu ist Claudia Schmitz (TG Neuss) einfach nur froh, dass sie seit fünf, sechs Wochen überhaupt wieder laufen kann. Denn beim Schneeschippen im Winter war die 52-Jährige so unglücklich gefallen, dass sie sich beide Handgelenke brach. Darum sei sie auch „total geschockt“ gewesen, als im Fünf-Kilometer-Lauf vor ihr in Stefan Bürger (TuS Jahn Hilfarth) ein alter Bekannter zu Boden ging. „Gott sei Dank ist ihm nichts passiert. Er hat mich später wieder überholt.“ Dass bei den Frauen am Ende in Merle Schmitter (Jahrgang 2009) in 21:08 und Charlotta Hamacher (2006) in 21:25 Minuten zwei Rivalinnen schneller waren als sie, grämte die Drittplatzierte (21:30) kein Stück. „Die sind auch deutlich jünger als ich.“

 Dritte mit zwei gebrochenen Handgelenken: Claudia Schmitz aus Neuss.

Dritte mit zwei gebrochenen Handgelenken: Claudia Schmitz aus Neuss.

Foto: Susanne Dobler

Überzeugt vom Flair der Veranstaltung zeigte sich ihr Vereinskamerad Richard Wilke, der über zehn Kilometer in 35:47 Minuten hinter Annaji und Guishmogos Berhane (35:27) den Dreifachtriumph der TG Neuss in Grevenbroich perfekt machte. Die Streckenführung sei indes ein wenig tricky, bemerkte er. „In einer 180 Grad Kurve im Wald wäre ich fast gestürzt. Das galt auch für andere, denn mit unseren Carbonschuhen finden du da keinen Halt.“

Bürgermeister Klaus Krützen (M.) lief die zehn Kilometer in 48:15 Minuten.

Bürgermeister Klaus Krützen (M.) lief die zehn Kilometer in 48:15 Minuten.

Foto: Susanne Dobler

Auf ein weiteres Problem aufmerksam machte Doreen Floß, die bei ihrer Premiere in Abwesenheit der erkrankten Vorjahressiegerin Luisa Christa (beide TG Neuss) die zehn Kilometer in 40:22 Minuten beherrschte. „Ein sehr schöner Lauf, aber nach meinem Gefühl 200 bis 300 Meter länger als angegeben.“ Da sie mit dieser Vermutung nicht alleine stand, versprach Willy Helfenstein aus dem Orga-Team um Bernd Juckel: „Die Strecke wurde zwar offiziell vermessen, aber fürs nächste Jahr gehen wir da noch mal ran. Das gilt auch für die Streckenführung, vor allem was die enge Wende anbelangt, da haben wir auch schon mal nach Alternativen geguckt.“ Allerdings gab er zu bedenken, „dass das für das Gros der Laufenden keine Rolle spielt. Wir müssen uns immer fragen: Wo liegt der Schwerpunkt der Veranstaltung?“

Schon ein kurzer Blick auf die teilnehmerstärksten Läufe – Schulen (800), Familien (573) und Jedermann (390) –, beantwortet diese Frage indes. Dass die meisten der über den Abend verteilt bis zu 5000 Zuschauer und Zuschauerinnen vor dem abschließenden Zehn-Kilometer-Lauf zum Eröffnungsspiel der Fußball-EM zwischen Deutschland und Schottland (5:1) abgewandert waren, sei eben nicht zu verhindern gewesen, befand Helfenstein. „Aber bis einschließlich des ,Fünfers‘ war die Stadt voll.“

Mit 2500 Anmeldungen (2332 im Vorfeld + 168 am Veranstaltungstag) wäre sogar ein neuer Finisher-Rekord, der seit 2023 bei 2372 liegt, möglich gewesen. Am Ende erreichten 2125 Aktive das Ziel.