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62. Internationaler Trainer-Kongress des Bundes Deutscher Fußballlehrer

Fußball : Auf Tuchfühlung mit den Großen der Branche

62. Internationaler Trainer-Kongress des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer in Kassel mit Beteiligung aus dem Rhein-Kreis Neuss.

Für echte Typen scheint im von kühlem Kalkül beherrschten Fußball kein Platz mehr zu sein. Und darum kam der Auftritt von Dragoslav Stepanović beim 62. Internationalen Trainer-Kongress (ITK) des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) in Kassel fast schon wie ein Anachronismus daher. Unter den rund 1000 Coaches wirkte der mittlerweile 70-Jährige, der sich nach dem mit Eintracht Frankfurt 1992 auf dramatische Weise verpassten Meistertitel mit dem Satz „Lebbe geht weider“ unsterblich gemacht hatte, wie aus der Zeit gefallen.

 Marcel Winkens:Trainer des VfL Jüchen/Garzweiler.
Marcel Winkens:Trainer des VfL Jüchen/Garzweiler. Foto: Diwi

Und doch bereicherte „Stepi“, der in mehr als 30 Jahren auf der Trainerbank 19 Klubs betreute, eine Veranstaltung, zu der nur Fußball-Lehrer und Inhaber der A-Lizenz zugelassen sind. „Hier trifft sich das Who’s Who der Trainerszene“, sagt Oliver Seibert. Der junge Coach des Landesligisten SC Kapellen vertrat in Kassel sozusagen den Fußballkreis 5 Grevenbroich/Neuss, traf dabei auch auf seinen seit dieser Saison in Diensten des Bezirksligisten VfL Jüchen/Garzweiler stehenden Kollegen Marcel Winkens und den bis Oktober für die Sportfreunde Vorst tätigen Micky Foehde. Die Gelegenheit, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, nutzte zudem Markus Anfang (bis Ende April für den 1. FC Köln verantwortlich). Der 45-Jährige, der 2010 beim SC Kapellen in den Trainerjob eingestiegen war, hält über den Vorsitzenden Philip Breuer nach wie vor Kontakt zu seinem ehemaligen Verein.

 Oliver Seibert: Trainer des SC Kapellen.
Oliver Seibert: Trainer des SC Kapellen. Foto: HUBERT WILSCHREY HWFotos.de

Seibert, als Talent-Scout der international vernetzten Agentur Rogon-Sportmanagement dem runden Leder auch hauptberuflich verbunden, begeisterte in Kassel die große Bandbreite des Angebots. „Referenten wie Markus Weise, der im Feldhockey sowohl mit den Herren als auch den Damen Olympia-Gold geholt hat, zeigte für mich bislang unbekannte Facetten auf.“ Julian Nagelsmann (RB Leipzig) fesselte ihn vor allem als Persönlichkeit. „Inhaltlich kam von ihm nichts bahnbrechend Neues, aber wie er sich präsentiert hat, beeindruckte mich sehr.“ Dass der 32-Jährige dem fachkundigen Publikum mit erkennbarer Nervosität begegnete, machte ihm sogar Mut für ein kleines Abenteuer: Gut möglich, dass er im November, einer Anfrage von Borussia Mönchengladbachs Chefscout Mario Vossen (Neuss) folgend, bei einer vom BDFL organisierten Fortbildung in der Sportschule Wedau selber als Referent auftritt. Sein Thema: „Die wechselnden Herausforderungen für im Amateurbereich beschäftigte Trainer.“

Trotz hochkarätiger Gäste wie Ex-Europameister Stefan Kuntz (Bundestrainer U21-Nationalmannschaft) oder Martina Voss-Tecklenburg (DFB-Frauen) hinterließ bei Kapellens Trainer „Oldie“ Ewald Lienen (65) den nachhaltigsten Eindruck. „Das ist ein Charaktertyp wie es ihn heutzutage gar nicht mehr gibt, wonach sich allerdings wieder mehr Fans sehnen. Er pfeift auf political correctness.“ So hätten seine Auslassungen zu den in der Bundesliga eingeführten Gelbsperren auch für Trainer die Problematik der umstrittenen Regeländerung auf den Punkt gebracht: „Er fragte, ob man dem Fußball damit nicht den letzten Funken Emotionalität nähme und ihn letztlich kaputtmache?“

Eine Klarheit, die Seibert auch zum Maßstab seiner Arbeit als Trainer gemacht hat: „Ich mache meine Entscheidungen nie alleine vom Erfolg abhängig, sondern immer davon, was das Beste für den Verein und die Mannschaft ist – auch wenn mir das vielleicht irgendwann mal um die Ohren fliegt ...“