Jüchen : 6000 Oldtimer auf Schloss Dyck

Die "Classic Days" lockten Zehntausende nach Schloss Dyck und boten einen grandiosen Überblick über 125 Jahre Automobilgeschichte: 6000 Oldtimer waren zu bestaunen – und oft in voller Fahrt zu erleben.

Die "Classic Days" lockten Zehntausende nach Schloss Dyck und boten einen grandiosen Überblick über 125 Jahre Automobilgeschichte: 6000 Oldtimer waren zu bestaunen — und oft in voller Fahrt zu erleben.

Mit einem Lappen reibt Ruth Pfeil über die Weißwandreifen, der dunkelblaue Chrysler Six von 1925 ist eine Augenweide. "Sechs Zylinder, 65 PS", nennt Otto Pfeil (73) aus Köln einige Daten. Und wenn er die lange Motorhaube öffnet, kommen gleich einige Umstehende näher, recken den Hals. "Das Besondere an den ,Classic Days' ist das schöne Ambiente des Schlosses, und die Besucher sind sehr interessiert", so Otto Pfeil.

Eine Ausnahme-Veranstaltung sind die "Classic Days" — "einzigartig auf dem europäischen Festland", sagt Rüdiger König vom Organisationsteam. "15 Bentley sind auf eigener Achse aus Großbritannien hierhin gekommen." 28 000 Besucher konnten — wie im Vorjahr — am Wochenende rund 6000 Oldtimer erleben und bewundern. Eigentlich hatte der Classic-Days-Verein mit Vorsitzendem Marcus Herfort dieses Jahr eine riesige Geburtstags-Party auf die Beine gestellt: Im Mittelpunkt stand die 125-jährige Geschichte des Automobils. Ein Highlight war der Benz-Patent-Motorwagen von 1886. Den steuerte am Schloss Jutta Benz, Urenkelin von Bertha Benz, die damit die erste Fernfahrt nach Pforzheim unternahm. Überhaupt hatte Mercedes-Benz etliche Kleinode aus seinem Museum mitgebracht.

Etwas weiter klettert Ex-Formel 1-Rennfahrer Jochen Maas (64) hinters Lenkrad des Bentley-Rennwagens "Mother Gun", gleich wird er mit dem hubraumstarken Boliden an der Spitze eines Dutzend dröhnender Bentley-Renner vor tausenden Zuschauern über den Rundkurs schießen. "Es gibt viele schöne Oldtimerveranstaltungen, aber die ,Classic Days' bieten mit dem Schloss eine tolle Kulisse und eine sehr schöne Rundstrecke", sagt er im Gespräch mit der NGZ.

Wohin zuerst die Schritte lenken, welches Autos als erstes bestaunen? Mehrere Ausstellungen gruppieren sich ums Schloss. Ein Höhepunkt: Zehn Automobile aus der Zeit, in der das Auto laufen lernte. Viele Marken sind heute kaum bekannt — etwa der Darracq von 1900. "Den gibt's nur einmal, der war ein Prototyp", sagt Helmut Ortelt aus Ratingen. Einige Male muss er die Handkurbel bedienen, bevor Leben in den Motor kommt, das Gefährt erstaunlich schnell vorwärtsrollt.

Im Vergleich zum Darracq ist der metallic-blaue Mercedes 600 von 1970 ein Teenie, aber auch er hat eine ganz besondere Geschichte. "Bis 1974 gehörte er Elvis Presley. Ich habe sogar das original Nummernschild", erzählt Besitzer Helmut Gassmann aus Göttingen.

(NGZ)