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60 Jahre Leichtathletik beim TSV Bayer Dormagen

Leichtathletik : Medaillenschmiede wird am Montag sechzig

Kaum ein Sportverein im Rhein-Kreis hat Titel und Medaillen – mit der silbernen von Stabhochspringer Björn Otto bei den Olympischen Spielen 2012 als Höhepunkt – gesammelt wie die Leichtathletik-Abteilung des TSV Bayer Dormagen. Die wurde am 1. Juni 1960 durch Willi Esser gegründet.

Eigentlich hätte so ein Jubiläum eine rauschende Sportgala verdient: Am Montag wird die Leichtathletik-Abteilung des TSV Bayer Dormagen sechzig Jahre alt. Wohl kaum ein Verein, geschweige denn eine Abteilung, hat im Rhein-Kreis in diesen Jahren eine so beeindruckende Liste von Titeln, Medaillen und Erfolgen aufgestellt, beginnend mit Platz fünf, den Elke Barth mit der 4x400-Meterstaffel des Deutschen Leichtathletik-Verbandes bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal belegte, bis hin zu Olympia-Silber von Stabhochspringer Björn Otto 36 Jahre später in London.

Doch auch ohne ein Corona-bedingtes Verbot sportlicher Großveranstaltungen hätte es eine solche Gala am Höhenberg wohl kaum gegeben. Die „goldenen Zeiten“, als die von Herbert Missalla organisierten Abendsportfeste bis zu 3000 Zuschauer auf die Anlage und Top-Stars wie Annegret Richter auf die 1976 eröffnete Kunststoffbahn lockten oder das Stabhochsprungmeeting die Weltelite zu Gast im Bayer-Sportcenter sah, existieren höchstens noch in der Erinnerung – wenn überhaupt.

 Herbert Missalla, hier 1972 mit seinem Schützling Elke Barth, begründete Dormagens Ruf als Leichtathletik-Hochburg.
Herbert Missalla, hier 1972 mit seinem Schützling Elke Barth, begründete Dormagens Ruf als Leichtathletik-Hochburg. Foto: red
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Am 1. Juni 1960, als Willi Esser aus der Turnabteilung heraus eine eigenständige Leichtathletik-Abteilung im damaligen TuS Bayer Dormagen (fusionierte 1971 mit dem SV Bayer Dormagen zum heutigen TSV Bayer Dormagen) ins Leben rief, konnte davon gleichfalls keine Rede sein. Der gebürtige Hackenbroicher, damals noch keine 20 Jahre alt, selbst ein passabler Sprinter mit einer Bestzeit von 10,9 Sekunden über 100 Meter, später Stadtdirektor von Korschenbroich und „Erfinder“ des dortigen City-Laufs, und seine 18 Mitstreiter, darunter der am späteren Aufschwung nicht ganz unbeteiligte Hans-Josef Schlömer, hatten mehr die Körperertüchtigung als den Leistungs- und Spitzensport im Sinn.

 Eine aus dem Quartett, das es zu Olympia schaffte: Sabine Everts.
Eine aus dem Quartett, das es zu Olympia schaffte: Sabine Everts. Foto: red

Das änderte sich erst, als Herbert Missalla 1965 auf den Plan trat. Eigentlich sollte sich der Mittelstreckler – 1958 Sechster der Europameisterschaften, 1966 Dritter der europäischen Hallenspiele, drei Mal DM-Dritter und ein Mal Hallen-Vizemeister jeweils über 800 Meter – in Dormagen um den Lehrlingssport kümmern. Das tat er zwar auch, machte aber schnell Karriere als Hauptgeschäftsführer des TSV (von 1970 bis 1995) und wurde „nebenbei“ einer der angesehensten Leichtathletik-Trainer Deutschlands. In den siebziger und achtziger Jahren führte er die Dormagener Sprinterinnen um Elke Barth, Birgit Seiring, Ute Weichenthal und Susanne Kinder in die nationale Spitze (und war Juniorinnen-Bundestrainer des DLV). Später entdeckte er sein Herz für die Langstreckler und machte den TSV Bayer um Martin Grüning, Bernd Rangen und Bernd Kofferschläger zu einer Hochburg in dieser Disziplin. Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand blieb der TSV (seit 1980 in einer Startgemeinschaft mit dem Schwesterklub aus Uerdingen als LAV Bayer firmierend) dank Athleten wie Birgit Kähler (Olympia-Teilnehmerin im Hochsprung), Andreas Linden (WM-Teilnehmer im Speerwurf), Daniela Rath (EM-Dritte im Hochsprung), Thorsten Naumann (Studenten-Vizeweltmeister über 5000 Meter) und Lars Börgeling (Jugend-Vizeweltmeister im Stabhochsprung) eine Top-Adresse der deutschen Leichtathletik. Die in Elke Barth (Montreal 1976), Sabine Everts (Seoul 1988), Birgit Kähler (Barcelona 1992) und Björn Otto (London 2012) vier Olympia-Starter  hervorbrachte.

  Martin Grüning (l.), hier beim Abendsportfest auf dem Höhenberg, gehörte zu Deutschlands Spitzenklasse auf der Langstrecke.
 Martin Grüning (l.), hier beim Abendsportfest auf dem Höhenberg, gehörte zu Deutschlands Spitzenklasse auf der Langstrecke. Foto: red

Nachdem Tanja Spill über 800 Meter nur um Haaresbreite die Qualifikation für die 2016er-Spiele in Rio verpasste, ist es eher still um die Dormagener Leichtathletik geworden. Corona wird diesen Trend sicher nicht umkehren – im Gegenteil.