40. Neusser Sommernachtslauf Ein buntes Volksfest für die ganze Familie

Neuss · Rund 20.000 Zuschauer feierten in der Neusser City eine (Lauf-) Party, bei der es weniger um Bestzeiten, aber ganz viel um Spaß ging.

Beste Sicht: Der Eltern-Kind-Lauf sorgte zum Start des 40. Neusser Sommernachtslaufs gleich für gute Stimmung.

Beste Sicht: Der Eltern-Kind-Lauf sorgte zum Start des 40. Neusser Sommernachtslaufs gleich für gute Stimmung.

Foto: Andreas Woitschützke

Im Ziel benötigte Tobias Prinz (RheinLand Versicherung), der den Lauf über 10.000 Meter zeitgleich mit seinem Bruder David Prinz in recht gemütlichen 52:35 Minuten auf Platz 113 abgeschlossen hatte, nur einen Satz, um die Idee hinter dem 40. Neusser Sommernachtslauf auf den Punkt zu bringen: „Wir sind nicht die schnellsten, aber die lustigsten.“ Und darum guckten die beiden auf der Strecke nicht aufs Tempo, sondern vor allem aufs Publikum, dass sie mit ansteckendem Frohsinn höchst erfolgreich zur La-Ola-Welle zu animieren wussten.

20.000 Zuschauer feiern sich und den 40. Neusser Sommernachtslauf
82 Bilder

So bunt war der 40. Neusser Sommernachtslauf

82 Bilder
Foto: Andreas Woitschützke

Damit setzen sie genau das um, was Katrin Schillings bei ihrem ersten Einsatz als Vorsitzende der TG Neuss im 1983 zum ersten Mal aufgelegten Klassiker vorgeschwebt war. „Das ist ein Volksfest für die ganze Familie. Hier sollen alle vor allem eins haben: Spaß.“ Und damit liegt das vielköpfige Team um Lennart Tiebel, der, weiterhin unterstützt Geschäftsführer Klaus Ehren, sein Debüt als Organisations-Chef gab, ganz offensichtlich im Trend. 4239 Voranmeldungen bis zum Stichtag am Mittwoch hatten vor geschätzten 20.000 Zuschauern sogar eine neue Bestmarke, die seit 2013 bei 4006 Finishern liegt, in greifbare Nähe rücken lassen.

Dass die mit 3802 Aktiven im Ziel (332 mehr als im Vorjahr) am Ende verfehlt würde, erklärte Ehren so: „Bei den Grundschulen sind mehr als 230 Kinder doch nicht gestartet, dazu kommen im Jedermann-Lauf über fünf Kilometer viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die nicht alle Runden absolviert haben.“ Den auf diese Weise verpassten Rekord hatte Tiebel zur Premiere natürlich gerne mitgenommen, motivierte ihn indes sofort für die 41. Auflage. „Vielleicht klappt’s ja im nächsten Jahr. Ich habe mir da schon einiges überlegt ...“

Auch ambitionierte Läufer und Läuferinnen können dem nicht ausschließlich kompetitiven Charakter der Veranstaltung etwas abgewinnen. Sicher, Imad Annaji (TG Neuss) hätte sich bei seinem Sieg über zehn Kilometer in moderaten 33:38 Minuten über etwas mehr Konkurrenz gefreut, doch zu grämen vermochte ihn das nicht. Sein Fazit: „Ich bin schon unter 32 Minuten gelaufen. Aber es war trotzdem schön mit den vielen Zuschauern an der Strecke.“ Am Freitag geht er beim Citylauf in Grevenbroich an den Start. Dort belegte er im Vorjahr Rang vier.

Wie einige andere auch nutzte Oscar Pablo Thies (Milers Colonia), in 34:43 Minuten Zweiter, den Sommernachtslauf, um sich auf kommende Einsätze einzustimmen. „Ich bereite mich auf den Köln-Marathon im Oktober vor. Klar, ich bin über zehn Kilometer schon schneller gelaufen, aber darauf kam es heute gar nicht an. Er hat Spaß gemacht in Neuss.“

Den hatte auch Doreen Floß (TG Neuss), die sich bei den Frauen über 10.000 Meter in 40:20 Minuten mit einem rasanten Finish den Sieg vor ihrer Vereinskollegin und Trainingspartnerin Luisa Christa (40:21) holte. Damit nicht genug, fast noch mehr als über ihren eigenen Coup freute sich die stolze Mama über die Leistungen ihrer drei Söhne über die Distanz von 1000 Metern: Jakob gewann bei den Erstklässlern in 4:19 Minuten, Lukas wurde in 5:33 Minuten 70. und der zudem für den Neusser Schwimmverein im Wasser starke Anton (alle St.-Konrad-Schule Gnadental) belegte bei den Drittklässlern in 3:59 Minuten den sechsten Rang.

Zu beeindrucken wusste über zehn Kilometer die noch neunjährige Xlike Unterberg (Lauftreff Obererft) mit Rang 43 in 57:11 Minuten. „Dabei war das ihr erster Lauf über diese Distanz“, bemerkte ihre Mutter Katrin Unterberg, in 57:26 Minuten 44., stolz. Die 5000 Meter beherrschte Chiara Hoffmann (TV Refrath). Mit 17:34 Minuten im Ziel resümierte sie zufrieden: „Ich hatte ein gutes Laufgefühl. Das war eine schöne Einheit vor dem Halbmarathon nächste Woche in Leverkusen.“ Trainiert wird die 20-Jährige von Jochen Baumhof, der mit der 50. Auflage des von ihm organisierten Königsforst-Marathon im März selbst ein Jubiläum feierte. Und er verriet schmunzelnd: „Ende der 1980er-Jahre bin in Neuss gelaufen.“

Den eigentlich für Läuferinnen mit Zeiten über 25 Minuten gedachten „Langsamen Fünfer“ entschied Julia Bator zu ihren Gunsten. Ihre Zeit von 22:59 Minuten brachte sie im Gesamteinlauf auf Platz zehn, was die mittlerweile in Münster wohnende Voltigiererin des RSV Neuss-Grimlinghausen fast entschuldigend kommentierte: „Ich wäre wohl besser direkt im ,Schnellen Fünfer‘gestartet.“ Ihr nächstes Ziel ist der Berlin-Marathon am 29. September in Berlin.

Auch der Neusser Habtom Tedros (Heimstatt Christ König) wäre bei den schnellen Jungs, wo er über fünf Kilometer in 18:19 Minuten als Zehnter in die Wertung kam, besser aufgehoben gewesen. Doch hatte der Sieger von 2019 über 10.000 Meter mit dieser ordentlichen Zeit überhaupt nicht gerechnet. „Meine Trainingseinheiten in den letzten vier Jahren kannst du an einer Hand abzählen“, verriet er, kündigte jedoch an: „Da ich mit meiner Ausbildung zum Anlagenmechaniker fertig bin, habe ich jetzt wieder mehr Zeit. Im nächsten Jahr will ich wieder dabei sein über zehn Kilometer.“

Zur Sache ging es am Ende der von André Scheidt (Stadionsprecher bei Fortuna Düsseldorf), Eiko Pate (Düsseldorf Rhein Fire) und Jens Rustemeier (NE-WS 89.4.) locker-flockig moderierten Laufshow bei den Team-Staffeln über 4x1,1-Kilometer. Bei den Männern war die TG Neuss mit Imad Annaji, Guesh Hagos, Julius Klein und Richard Wilke in 13:50 Minuten nicht zu schlagen. Bei den Frauen lagen Jenne Friese, Felia Gerdes, Kristin Nitsche und Mareen Paul (Novesia Girl Power) in 16:40 Minuten) vorne.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort