36. Neusser Sommernachtslauf

Sommernachtslauf: Große Kämpfe, aber auch was fürs Herz

Für die rund 10.000 Zuschauer an der 1100 Meter langen Strecke und die knapp 3000 Teilnehmer ist der TG-Lauf mehr als die Jagd nach Bestzeiten und auf Rekordmarken. Auch die kleinen Geschichten zählen.

Die fast schon magische Marke von 3000 Läufern und Läuferinnen im Ziel klar verfehlt, dazu weniger Zuschauer als im Vorjahr - die Schätzungen der Experten lagen bei 10.000 bis 11.000 lauf- und feierwilligen Menschen rund um die Strecke –, doch den Erfolg der 36. Auflage des Sommernachtslaufs mochte Klaus Ehren, Geschäftsführer der TG Neuss, nicht alleine an Zahlen festmachen, „zumal es immer mehr Veranstaltungen gibt, die parallel stattfinden und für den Nachmittag eine Gewitterwarnung vorlag.“

Und letztlich ist es jeder Einzelne, der mit seiner Geschichte zum Gelingen dieses zum Klassiker geadelten Volksfests beiträgt. So wie Marion Hayen vom Triathlon-Team des TSV Bayer Dormagen. In 43:19 Minuten belegte die Grevenbroicherin über 5000 Meter Rang 515 unter insgesamt 518 Finishern. Und trotzdem: Aufzugeben sei für sie trotz schwüler Hitze nie ein Thema gewesen, versicherte die 57-Jährige, die sich im Landessportbund NRW um das Projekt „Sportverein im Quartier“ kümmert, gerade ihr Studium abgeschlossen hat und bis zu sechs Mal in der Woche die Sporttasche packt. Darum prophezeit sie listig: „Meine Zeit kommt noch ...“ Gar nicht zu übersehen waren im Hand-in-Hand-Lauf (früher Integrationslauf) Ilse und Oliver Wolff in ihrem kuschelig warmen Herz-Outfit. Damit gewannen sie über fünf Kilometer in 35:46 Minuten nicht nur den Kostüm-Wettbewerb, sondern auch die Sympathien ihrer Mitläufer und der Zuschauer. Genau das war ihr Plan, sind die beiden hitzebeständigen Neusser doch auf Werbetour für ihren gemeinnützigen Verein „Herzlauf-Hilden“, der mit Aktionen wie dieser in den vergangenen vier Jahren rund 100.000 Euro für den guten Zweck gesammelt hat. Und wenn es dann mal schwer wird, „denke ich einfach nur an die Kinder im Hospiz Regenbogenland oder der Krebsklinik in Düsseldorf, dann weiß ich, wofür wir das machen“, sagt llse Wolff.

Sebastian Appelfeller, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Neuss-Süd, und Dauergast beim Sommernachtslauf, hatte sogar so viel Spaß, dass er glatt den Zieleinlauf verpasste. Nachdem ihn die gut aufeinander eingespielten Moderatoren André Scheidt, Stadionsprecher des Erstligisten Fortuna Düsseldorf, und Thomas Kempen, Leiter Konzernkommunikation bei der RheinLand Versicherungsgruppe, eingefangen hatten, kommentierte er sein Missgeschick augenzwinkernd: „Sport ist sterben oder gewinnen – und da ich heute nicht gewinnen konnte, musste wenigstens die Show stimmen. Dafür geben wir unser Leben.“

  • Die Staffeln über 4x1200 Meter sorgen
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Viel später am Abend, „Zeremonienmeister“ Thomas Gindra nahm auf der Bühne auf dem Hamtorplatz gerade eine der insgesamt 89 Siegerehrungen vor, setzten die 128 Team-Staffeln über 4x1100-Meter den stimmungsvollen Höhepunkt. Nach großem Kampf rannte Hockey-Bundesligist HTC SW Neuss in der Besetzung Sebastian Flecken, Jan Mausberg, Henri Piel und Joshua Wolfram in 13:50 Minuten vor den in Badehosen laufenden Schwimmern des Neusser SV (Tom Hermanns, Jonas Koch, Florian Rec, Timon Schmitz/13:57) auf den ersten Platz. Bei den Frauen gewannen Novesias „MöchteGernGroßeMädels“ (Janne Gilges, Lisa Gilges, Valentina Kislich und Pauline Schädlich) in 17:30 Minuten vor Maren Hüter, Paula Jessing, Kathi Kreutzer und Judith Ollig mit „One Dream, One Team“ (19:56).

Übrigens: Der 37. Sommernachtslauf ist für den 15. Juni 2019, eine Woche nach Pfingsten, geplant.