31. Internationaler Korschenbroicher City-Lauf

Leichtathletik : Fairness-Preis für Korschenbroicher City-Lauf

Sicher: Anmelde-, Teilnehmer- und Zuschauerzahlen waren schon höher als beim 31. Internationalen Korschenbroicher City-Lauf. Doch der Stimmung unterm strahlend blauen Himmel tat das keinen Abbruch. „Ich hatte vorher noch nie von Korschenbroich gehört, aber es ist sehr schön hier“ – der Meinung von Elitesiegerin Caterina Granz aus Berlin dürfte kaum einer widersprochen haben am gestrigen Sonntag.

Es war die schönste Geste eines schönen Citylauf-Tages: Als um 16.20 Uhr die Eliteläufer und -läuferinnen auf der Hindenburgstraße auf den Startschuss ihres Rennens warteten, bogen die letzten Teilnehmer am City-Run gerade auf die Zielgerade ein. Die schnellen Asse bildeten nicht nur eine Gasse, sondern begleiteten ihre langsameren Kollegen mit Beifall bis ins Ziel.

Besser lässt sich die besondere Mixtur, die Mischung aus Familien-, Breiten- und Spitzensport kaum beschreiben, die das Flair der größten Laufveranstaltung am linken Niederrhein ausmacht. Dass bei der gestrigen 31. Auflage unterm strahlend blauen Himmel ein paar weniger Anmeldungen – rund 4200 hatte Cheforganisator bis gegen 17 Uhr gezählt –, etwas weniger „Finisher“ (genau 3713) und wohl auch etwas weniger Zuschauer als in den Vorjahren dabei waren, fiel da kaum ins Gewicht.

Die drangvollste Enge zwischen Start und Ziel herrschte gleich zu Beginn, als 1675 Teilnehmer am „Kids-Run“, darunter auch Korschenbroichs Bürgermeister Marc Venten, den City-Lauf zum Familienfest machten. Als dann die Schüler nach ihren Wettbewerben ihre Laufsachen schulterten, lichteten sich die Reihen. Und zum Elitelauf kamen nicht ganz so viele zurück wie früher einmal. Die, die nicht da waren, verpassten allerdings eine Premiere.

Denn um die Reihenfolge der Erstplatzierten im Frauenlauf festzulegen, bedurfte es eines salomonischen Urteils: Die Weißrussin Katsiaryna Karneyenka und Anna Gosk aus Polen liefen zwar als Erste durchs Ziel, hatten aber rund 200 Meter „gespart“, weil sie an der letzten Abzweigung zwischen „kleiner“ (1100 Meter) und „großer“ Runde (1300 Meter) falsch abgebogen waren. Ob aus Unkenntnis oder Absicht wird wohl nicht mehr zu klären sein. Leidtragende war die Caterina Granz – die Cross-Weltmeisterin der Studenten lief (wie der Rest des Feldes) den richtigen Weg, sah sich aber um die Chance geprellt, ihre Spurtqualitäten auszuspielen. Die Berlinerin hatte schließlich die rettende Idee – und dafür einen Fairnesspreis verdient: Sie wurde zur Siegerin erklärt, ihre Rivalinnen aber nicht disqualifiziert, sondern auf die Plätze zwei und drei gesetzt – die sie angesichts des Vorsprungs, den das Trio herausgelaufen hätte, auch bei korrekter Streckenlänge belegt hätten.

Im Trubel um die richtige Wertung ging der Zieleinlauf der zwei Minuten später gestarteten Männer beinahe unter. Sah es bis zur Streckenhälfte so aus, als ob Roman Prodius seinen Sieg aus dem Jahre 2017 wiederholen könnte, fiel der Moldawier wie so viele an diesem Tag dem (zu) schnellen Anfangstempo bei (zu) warmen Temperaturen zum Opfer – er wurde Sechster. Was eigentlich den Weg für den zweiten deutschen Sieg in Folge frei gemacht hätte, denn Sebastian Hendel war stets in der Spitzengruppe zu finden. Doch erstens schlich sich der Niederländer Mohamed Ali auf leisen Sohlen nach vorne und nach eher mäßigen 29:35 Minuten zum Sieg. Und zweiotens hatte der Deutsche Meister über 5000 und 10.000 Meter von der LG Vogtland bei seinem dritten Start in Korschenbroich mit Problemen zu kämpfen: „Das war heute nur der Kopf, der wollte, mein Körper wollte nicht so richtig,“ sagte der 23-Jährige, der gerade erst nach 26-stündigem Flug vom Höhentraining aus Flagstaff/Arizona zurückgekehrt war und entsprechend „dicke“ Beine hatte.

31. Internationaler Korschenbroicher Citylauf 2019. Foto: Woitschuetzke,Andreas (woi)
31. Internationaler Korschenbroicher Citylauf 2019. Foto: Woitschuetzke,Andreas (woi)
Große Starterfelder bestimmten das Bild in den Schülerläufen (oben l.) als auch im Volkslauf (oben r.). Elmar Sprink verfehlte zwar die angepeilte Zeit von 40 Minuten, doch der Mann mit dem Spenderherz (unten l.) war beeindruckt vom City-Lauf. Das waren auch der Deutsche Meister Sebastian Hendel und Elitesiegerin Caterina Granz, die etwas schneller war als 5-Kilometersieger Sven Aßing (r.). Foto: Woitschuetzke,Andreas (woi)
31. Internationaler Korschenbroicher Citylauf 2019. Foto: Woitschuetzke,Andreas (woi)
31. Internationaler Korschenbroicher Citylauf 2019. Foto: Woitschuetzke,Andreas (woi)

Mit ganz anderen Problemen hatte Matthias Rück (TG Neuss) zuvor im City-Run über zehn Kilometer zu kämpfen: „Immer mehr laufen mit Kopfhörern, die hören einen nicht, wenn man sie überrunden will“ – was ihn allerdings nicht am Sieg in 35:45 Minuten vor den Brüdern David (36:28) und Simon Bongartz (36:55) aus Grevenbroich hinderte. Ein Lokalmatador gewann auch den „schnellen Fünfer“: Sven Aßing (FC Straberg, 16:28 Minuten) hat den Wechsel vom Bahn- zum Straßenläufer nicht bereut.

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