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20 Profi-Klubs gründen Interessengemeinschaft Teamsport NRW

Interview : „Kräfte bündeln, um mit Politik und Wirtschaft zu sprechen“

Der Handball-Geschäftsführer des TSV Bayer Dormagen hat die aus 20 Profi-Klubs bestehende Interessengemeinschaft „Teamsport NRW“ ins Leben gerufen. Im Interview spricht er über deren Ziele.

Zwanzig nordrhein-westfälische Profi-Klubs aus den Sportarten Basketball, Eishockey, Handball und Volleyball, darunter so renommierte Vereine wie Düsseldorfer EG, Kölner Haie, TBV Lemgo, Bergischer HC, GWD Minden oder Telekom Baskets Bonn, haben sich zur Interessengemeinschaft „Teamsport NRW“ zusammengeschlossen. Sie wollen damit, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung, „den massiven Bedrohungen, die die Corona-Pandemie jetzt und zukünftig für den NRW-Sport darstellt, entschlossen und gut organisiert entgegentreten.“

Motor hinter der Bewegung, die sich an Vorbilder in Sachsen, Hessen und Thüringen anlehnt, ist Björn Barthel. Im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert der Handball-Geschäftsführer des TSV Bayer Dormagen seine Beweggründe und die Ziele der Initiative

Herr Barthel, was hat Sie auf die Idee gebracht, Teamsport NRW ins Leben zu rufen?

Björn Barthel Die Initiative ist  nichts grundlegend Neues. Es gibt solche Interessengemeinschaften ja bereits in Sachsen, Hessen und Thüringen. Und seit zwei Jahren gibt es Teamsport Deutschland. Ich war der Meinung, dass es in Nordrhein-Westfalen als bevölkerungsreichstem Bundesland, in dem der Sport eine besondere Bedeutung hat, auch so etwas geben sollte. Und ich habe in Gesprächen mit Kollegen aus anderen Vereinen schnell gemerkt, dass viele genauso denken.

Welche Ziele verfolgen Sie?

Barthel Erst einmal möchte ich klarstellen, welches Ziel wir nicht verfolgen: Wir werden jetzt keine öffentlichkeitswirksamen Forderungen stellen. Wir wollen vielmehr unsere Kräfte bündeln, um für Politik und Wirtschaft einen Ansprechpartner auf Augenhöhe darzustellen, damit wir gemeinsam die Probleme und Herausforderungen meistern, vor die uns die Corona-Krise stellt.

Deren Auswirkungen für den Sport von Tag zu Tag stärker spürbar werden.

Barthel Genau so ist es. Aber ich habe das Gefühl, dass das in der Öffentlichkeit nicht so richtig wahrgenommen wird. Vor allem nicht, seit die Fußball-Bundesliga wieder spielt. Da denken viele: Ist doch alles wieder in Ordnung. Das ist es nicht – vor allem nicht für die Vereine, die Hallensportarten betreiben.

Wo liegt der Unterschied?

Barthel Der größte Unterschied liegt darin, dass wir nicht solche Fernsehgelder bekommen wie der Fußball, sondern in viel höherem Maße von Sponsoring- und Zuschauereinnahmen abhängig sind. Geisterspiele stellen für uns deshalb keine Lösung dar. Und weil Handballer, Basketballer, Volleyballer und Eishockey-Klubs in dieser Hinsicht ähnlich strukturiert sind und deshalb auch ähnliche Probleme haben, haben wir uns zusammen getan.

Um was zu erreichen?

Barthel Auf der einen Seite einen Transfer von Know-how untereinander: Nicht jeder Verein muss zum Beispiel sein eigenes Hygienekonzept erstellen, das kann man auch von Kollegen übernehmen und an die örtlichen Gegebenheiten anpassen. In den einzelnen Ligen klappt solche Zusammenarbeit recht gut, wir wollen es jetzt sportarten-übergreifend versuchen. Auf der anderen Seite versprechen wir uns mehr Gehör, wenn wir mit einer Stimme sprechen, sowohl der Politik als auch der Wirtschaft gegenüber. Und das über Corona-Zeiten hinaus.

Eigentlich stehen Sportvereine ja in einem Wettbewerb miteinander.

Barthel Das werden wir auch weiterhin. Aber der Wettbewerb sollte sich aufs Spielfeld beschränken. Die Solidarität der Vereine funktioniert in den letzten Wochen sehr gut. Das muss sie aber auch, denn die Folgen der Corona-Krise werden wir selbst dann, wenn es im Herbst wieder losgehen sollte mit einem wie immer gearteten Sportbetrieb, noch mindestens anderthalb Jahre spüren. Geht es im Herbst noch nicht los, noch viel länger.

Soll es bei den 20 Klubs aus vier Sportarten bleiben?

Barthel Ein paar wenige Top-Klubs aus den vier Sportarten fehlen noch, das hat unterschiedliche Gründe. Vielleicht stoßen sie ja noch dazu. Wenn andere Sportarten mitmachen wollen, können wir gerne Gespräche führen. Wir sind kein closed shop, aber wir haben uns schon auf gewisse Kriterien geeinigt, was Jahresumsatz und Zuschauerzahlen anbelangt, die man erfüllen muss, um bei „Teamsport NRW“ dabei zu sein. Da sehe ich ehrlich gesagt über die vier genannten Sportarten hinaus kaum einen Verein, der diese Voraussetzungen erfüllt. Und solch eine Initiative darf auch nicht zu groß werden, sonst zerfleddern die Interessen.