Handball : 20 Klubs starten ins Ungewisse

Drei Partien, darunter das Gastspiel des DHC Rheinland beim ASV Hamm, eröffnen am Freitag Abend die erste Spielzeit in der eingleisigen 2. Liga. Gewissheit herrscht nur über eins: Die ersten Drei steigen auf, die letzten Vier steigen ab

Fast hätte es der DHC Rheinland geschafft, mal wieder Handball-Geschichte zu schreiben. Doch weil sein Gastspiel in der Hammer Maxipark-Arena am Freitag Abend erst um 19.45 Uhr von den Schiedsrichtern Markus Kropp und Sebastian Siebert (Osnabrück) angepfiffen wird, gebührt TuSEM Essen und SC Leipzig sowie 1. VfL Potsdam und HG Saarlouis (treffen jeweils um 19.30 Uhr aufeinander) die Ehre, die erste Spielzeit der eingleisigen Zweiten Handball-Bundesliga zu eröffnen.

Eine Spielzeit, die bis zum 2. Juni dauert und in der nur eines sicher scheint: Am Ende wird es drei Aufsteiger zur Bundesliga geben (die Relegation entfällt). Und die letzten vier der Zweitliga-Tabelle müssen ihre Plätze mit den Meistern der Dritten Ligen tauschen. Ereilt einen Klub (oder mehrere) während der Saison das wirtschaftliche "Aus", so wird er — anders als bisher — auf die Zahl der Absteiger angerechnet.

In einem sind sich alle Beteiligten einig: GWD Minden, in der Relegation gegen Hüttenberg am direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga gescheitert, ist der erklärte Favorit auf den Meistertitel. Die weitere Reihenfolge der 20 Klubs scheint hingegen vollkommen offen. Genau so wie die Frage, ob die Eingleisigkeit förderlich für den deutschen Handball und die Heranführung heimischer Talente an Bundesliga und Nationalmannschaft — oder ob eher das Gegenteil der Fall ist. PRO Die eingleisige Liga ist attraktiver als bis bisher zweigeteilte Staffel.

Mehr als die Hälfte aller Klubs — GWD Minden, TuSEM Essen, HSG Düsseldorf, DHC Rheinland, ASV Hamm Westfalen, TSG Friesenheim, VfL Bad Schwartau, HSG Nordhorn-Lingen, Post SV Schwerin, HC Empor Rostock, ThSV Eisenach — verfügt über Erfahrung aus der Ersten Liga, manche wie Essen (28 Jahre), Minden (23), Dormagen (16), Düsseldorf (15) und Nordhorn (10) zählen zu den Traditionsvereinen. In Gestalt von Minden, Essen, Nordhorn und Düsseldorf spielen sogar vier ehemalige Europapokalsieger in Liga zwei.

Die Kluft zur angeblich "stärksten Liga der Welt" sollte kleiner werden. Waren die Aufsteiger in den vergangenen Jahren bis auf wenige Ausnahmen auch gleich wieder die Absteiger, dürfte zumindest der Meister eher konkurrenzfähig sein - zumindest auf dem Papier. CONTRA Die Entfernungen sind größer geworden und dadurch die Reisekosten höher. Je nach geografischer Lage sind ein halbes Dutzend und mehr Spiele nur mit vorheriger Übernachtung möglich. Experten beziffern den finanziellen Mehraufwand gegenüber der "alten" Liga auf deutlich mehr als 100 000 Euro — was neben der allgemeinen wirtschaftlichen Lage die Zurückhaltung vieler Klubs auf dem Transfermarkt erklärt.

Doch das erhöht nicht automatisch die Einsatzchancen junger deutscher Spieler, im Gegenteil: Weil der Druck gewachsen ist, es keine vermeintlich "leichten" Spiele mehr gibt, dürften sie ähnlich wie in Liga eins vielfach auf der Bank sitzen. Und: Die Kluft zur Dritten Liga scheint größer geworden zu sein.

(NGZ/rl)