Handball : Handball ist ein Geduldsspiel

Analyse Im Spitzensport zählt Geduld zu den wichtigen Voraussetzungen, um nachhaltig Erfolg zu haben. Manches ambitionierte Projekt ist am zu großen und vorschnellen Ehrgeiz seiner „Macher“ gescheitert.

Natürlich sind Tabellen immer Momentaufnahmen. Doch dass am Ende der Zweiten Bundesliga im HC Rhein Vikings und dem HC Elbflorenz Dresden zwei mit großer Eile, ebenso großem Ehrgeiz und nicht unbeträchtlichen finanziellen Mitteln auf den Weg gebrachte  „Projekte“ stehen, ist kein Zufall.

Handball ist ein Geduldsspiel. Wer seine Angriffe zu schnell abschließt, wird auf Dauer keinen Erfolg haben. Das lernen Nachwuchs-Handballer schon in der C-Jugend. Handball lebt von gewachsenen Strukturen, innerhalb einer Mannschaft ebenso wie im Umfeld. Im Gegensatz zu anderen Ballsportarten lässt sich im Handball nichts innerhalb kurzer Zeit aus dem Boden stampfen. Versuche dazu hat es immer schon gegeben, doch sie waren selten von Erfolg und noch seltener von Nachhaltigkeit geprägt. Im Handball braucht man einen langen Atem, was vielleicht damit zu tun hat, dass er aus dörflichen, bestenfalls kleinstädtischen Verhältnissen kommt, wo alles ein bisschen langsamer vorangeht. Auch wenn  Handball inzwischen meist in großen Arenen statt miefigen Turnhallen gespielt wird, hat er diesen Charakter im Grunde bis heute bewahrt. Selbst Großstadtklubs wie TSV Hannover-Burgdorf und TVB Stuttgart verleugnen nicht ihre dörfliche Herkunft, hier Burgdorf, da Bittenfeld.  Und die im Umfeld der Rhein Vikings gerne als Beispiel zitierten Rhein-Neckar Löwen taugen nicht als solches, denn ihre Stammvereine SG Kronau und TSV Östringen waren längst im Spitzenhandball etabliert, ehe sie aus (räumlich) naheliegenden Gründen ihre Kräfte bündelten.

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Auch die Rhein Vikings stammen aus keiner Metropole, selbst wenn sie jetzt in einer spielen. Ohne den Neusser HV gäbe es keinen Zweitliga-Handball in Düsseldorf, denn er brachte die für den Aufstieg notwendige Lizenz mit. Seither spielt er in der „Handball-Ehe“ eine bestenfalls untergeordnete Rolle. Die Landeshauptstadt und ihre Ambitionen, als „Sportstadt“ wahrgenommen zu werden, haben die Vikings längst vereinnahmt. Doch die Ereignisse der vergangenen Wochen legen den Schluss nahe, dass manchem die Entwicklung hin zu einem Spitzenklub nicht schnell genug zu gehen scheint. Auf der Strecke blieben in René Witte (inzwischen Geschäftsführer und Manager beim ThSV Eisenach) und dem am Montag beurlaubten Trainer Ceven Klatt die beiden Väter des sportlichen Erfolgs. Der war in dieser Form zwar nur möglich, weil bereits zu NHV-Zeiten ein Mäzen Summen im sicherlich siebenstelligen Bereich in das „Projekt“ gepumpt hat. Doch die Umsetzung lag in ihren Händen, und mit dem Klassenerhalt in der ersten Zweitliga-Saison hatte das Duo durchaus Erfolg.

Eine Beurlaubung nach sechs Spieltagen, aus denen er nüchtern betrachtet auch nicht viel mehr holen konnte als drei Punkte, hatte  Klatt nicht verdient. Er selbst spricht von „Aktionismus“, und die herbe Pleite, die sich die Vikings unter Interimstrainer Jörg Bohrmann beim zuvor sieglosen Neuling TV Großwallstadt einhandelten, scheint ihm Recht zu geben. Viel gravierender aus Neusser Sicht: René Witte und Ceven Klatt waren so etwas wie die letzten Identifikationsfiguren, die  aus „alten“ NHV-Tagen eine Rolle spielten. Auf dem Parkett sind aus jenem Kader, der vor anderthalb Jahren in Neuss (!) den Aufstieg feierte, nur noch acht Spieler  dabei.

Auf der Strecke geblieben sind aber nicht nur René Witte und Ceven Klatt. Auf der Strecke geblieben ist auch der Handball in Neuss, der praktisch nicht mehr existent ist. Wo zu Drittliga-Zeiten 800 Fans und mehr für drangvolle Enge in der Hammfeldhalle sorgten, spielt jetzt die in die Oberliga abgestiegene Zweitvertretung der HSG Neuss-Düsseldorf vor zuletzt 30 Zuschauern. Nicht einmal ein Testspiel haben die Vikings in ihrer alten Heimat bestritten. Und die A-Jugend empfängt am Samstag den TSV Bayer Dormagen zum Bundesliga-Lokalduell in der Halle an der Düsseldorfer Rückertstraße. Mehr gibt es zu diesem Thema nicht zu sagen.