2. Handball-Bundesliga TuSEM Essen gegen TSV Bayer Dormagen

Handball : Bilanovic setzt auf den Derby-Charakter

Gegen keinen anderen Handballklub hat der TSV Bayer Dormagen so viele Meisterschaftsspiele bestritten wie gegen TuSEM Essen. Am heutigen Freitag (19.30 Uhr, Sportzentrum Am Hallo) geht das Traditionsduell in seine 37. Auflage.

Kleines Quiz für Handball-Kenner: Gegen wen hat der TSV Bayer Dormagen sein erstes Spiel nach dem ersten Aufstieg in die Handball-Bundesliga gewonnen? Gegen wen hat der TSV Bayer Dormagen die einzigen Play-off-Spiele um die Deutsche Meisterschaft in seiner Vereinsgeschichte bestritten? Gegen wen hat der TSV Bayer Dormagen durch ein Unentschieden am letzten Spieltag den Wiederaufstieg in die Bundesliga verpasst? Und wer sorgte im Verbund mit den Dormagenern für das bisher torreichste Spiel dieser Zweitliga-Saison?

Die Antwort ist in allen Fällen die gleiche: TuSEM Essen. Kein Wunder also, dass die Gastgeber das Aufeinandertreffen am heutigen Freitagabend (19.30 Uhr, Sportzentrum Am Hallo) unter die Überschrift „Handball-Klassiker“ stellen und von einem „Spiel mit zahlreichen Vorgeschichten“ sprechen. Die hat es auch abseits des Spielfeldes gegeben: In Petre Ivanescu und Hade Schmitz, in Kalle Töpfer, Dieter Bartke, Karsten Kohlhaas und Mirko Bernau wechselten nicht ganz unprominente Trainer und Spieler von der Margarethenhöhe an den Höhenberg, Maik Handschke ging 1997 den umgekehrten Weg. Und im aktuellen TuSEM-Team haben Dennis Szczesny und Co-Trainer Michael Hegemann eine (wenn auch kurze) Dormagener Vergangenheit.

Mehr Derbycharakter geht kaum. Das ist auch Dusko Bilanovic nicht verborgen geblieben. „Das ist ein echtes Derby,“ sagt der neue Mann auf der Dormagener Trainerbank. Und weil der gebürtige Serbe seit 25 Jahren in Deutschland lebt, hat er sich auch ur-deutsche Weisheiten zu eigen gemacht. Eine davon lautet: „Ein Derby hat eigene Gesetze.“ Und genau darauf setzt Bilanovic, wenn er sagt: „Zum Beispiel, dass in einem Derby nicht immer die favorisierte Mannschaft gewinnt.“

Und der Favorit am heutigen Freitagabend heißt eindeutig TuSEM Essen: „Die stehen nicht umsonst da oben,“ sagt Bilanovic mit Blick auf den fünften Tabellenplatz der Gastgeber, „die spielen einen sehr guten Handball.“ Dass das am vergangenen Wochenende nicht der Fall war, als der TuSEM nach zuvor fünf Siegen in Folge bei der HSG Nordhorn mit 25:36 unterging, widerspricht dieser Feststellung nicht. „Eine Halbzeit waren die richtig stark, dann hat Nordhorn die auseinandergenommen,“ sagt Bilanovic.

Dem das nicht unbedingt in den Kram passt: „Das wollen die bestimmt zu Hause wieder reparieren.“ Doch er sagt auch: „Wir müssen auf uns selber schauen. Wir haben gegen Emsdetten ein gutes Spiel gemacht und können in Essen mit breiter Brust antreten. Wir haben keinen Grund, uns zu verstecken.“ Auch nicht vor der Tatsache, dass die Gastgeber mit 793 erzielten Toren (fast 100 mehr als der TSV Bayer) „den besten Angriff der Liga“ stellen. Vor dem TV Emsdetten, den die Dormagener vor Wochenfrist mit 35:31 besiegten: „Wenn wir gegen den zweitbesten Angriff bestehen können, warum nicht auch gegen den besten?“ sagt Bilanovic. Zumal sich die Voraussetzungen gegenüber den voraufgegangenen Spielen etwas gebessert haben: „Ich hatte diese Woche tatsächlich mal alle Spieler beim Training,“ sagt Bilanovic, der deshalb auch verschmerzen konnte, dass er für zwei Einheiten in eine andere Halle umziehen musste: „Hauptsache, Deckungs- und Torhüterleistung stimmen.“

Dumm nur, dass der TuSEM das ähnlich sieht: „Dormagen kämpft um den Klassenerhalt und wird mit sehr viel Motivation zu uns reisen. Deswegen wird es wichtig sein, dass wir wieder eine harte und kompakte Abwehr stellen und das gute Tempospiel von Dormagen unterbinden,“ sagt Luca Witzke.

Der Junioren-Nationalspieler, der im Hinspiel zwölf Mal (!) erfolgreich war, wechselt zur neuen Saison zu Erstligist SC DHfK Leipzig. Auch das verbindet die Derby-Rivalen: Nach den fetten Jahren, die TuSEM drei Deutsche Meistertitel (zuletzt 1989) und drei Europapokalsiege (zuletzt 2005) bescherten, und dem folgenden finanziellen Kollaps setzen beide weitgehend auf junge, selbst ausgebildete Spieler – und müssen damit leben, dass die besten die Traditionsklubs irgendwann verlassen.

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