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2. Handball-Bundesliga TSVBayer Dormagen siegt in Lübeck

Handball : TSV Bayer mausert sich zum Spitzenteam

Mit dem 32:28-Sieg (Halbzeit 14:11) beim VfL Lübeck-Schwartau, dem fünften aus den jüngsten sechs Spielen, schließt Handball-Zweitligist Bayer Dormagen eine Hinrunde ab, die alle Erwartungen übertroffen hat.

Wäre da nicht dieses verflixte Spiel am Freitagabend beim EHV Aue, die Handballer des TSV Bayer Dormagen könnten in aller Ruhe Weihnachten feiern. Denn mit dem 32:28 (Halbzeit 14:11) beim VfL Lübeck-Schwartau glückte den Dormagenern nicht nur der fünfte Sieg aus den jüngsten sechs Spielen. Sie beendeten damit auch eine Hinrunde, die mit 20 Pluspunkten (von 34 möglichen) und Tabellenplatz fünf alle Erwartungen übertraf.

Blenden wir zwölf Monate zurück: Mit einem 31:23 beim abgeschlagenen Schlusslicht HC Rhein -Vikings brachten die Dormagener die Zähler 14 und 15 (von 38 möglichen) auf ihr Konto, verließen für fünf Tage die Abstiegsränge und trennten sich nach der folgenden 29:33-Niederlage beim TuS N-Lübbecke von Trainer Ulli Kriebel. Seither hat Dusko Bilanovic das Sagen am Höhenberg – wo er aus einer Mannschaft, der viele nach den Abgängen der in die Erste Liga abgewanderten Lukas Stutzke und Tim Wieling eine schwierige Saison vorhersagten, ein Team geformt hat, das sich überall in der Liga Respekt verschafft hat.

Und mitunter für Angst und Schrecken sorgt. So auch in der bei allen Zweitligisten gefürchteten Lübecker „Hansehölle“, in der die Hausherren zwei Wochen zuvor den HSC Coburg von der Tabellenspitze gestürzt hatten. Auch Coburg hatte geführt, mit 14:13 zur Pause, zuletzt mit 26:23 zehn Minuten vor dem Schlusspfiff – und vor 1847 Zuschauern noch mit 27:29 verloren. Am Freitagabend waren es sogar 2018, die spätestens dann eine ohrenbetäubende Kulisse bildeten, als der VfL Lübeck-Schwartau den 11:14-Pausenrückstand in einen 20:20-Gleichstand (39.) verwandelt hatte.

Doch diesmal kippte die Partie nicht. „Es war wichtig, dass wir ruhig blieben,“ sagte Bilanovic hinterher. Neun Minuten später lagen seine Schützlinge wieder mit fünf Treffern in Front (28:23, 48.) –und sie konnten es sich sogar leisten, in den letzten sechseinhalb Spielminuten kein Tor mehr zu erzielen, ohne dass der „verdiente Sieg“ (VfL-Trainer Piotr Przybecki) in Gefahr geriet.

Es ist erstaunlich: Ausgerechnet Dusko Bilanovic, der (zumindest innerlich) keine Minute still sitzen kann während und nach einem Spiel, scheint den Bayer-Handballern vermittelt zu haben, dass in der Ruhe die Kraft liegt. Riskante Pässe, unüberlegte Anspiele und viel zu frühe Abschlüsse hat auch der 48-Jährige nicht gänzlich ausmerzen können. Doch sie sind deutlich weniger geworden im Laufe dieser Spielzeit – bezeichnend, dass die einzige Niederlage, die sich die Dormagener seit dem 9. November leisteten, das 29:32 beim ASV Hamm Westfalen, auf zu viele technische Fehler in der Vorwärtsbewegung zurückzuführen war.

Ebenso erstaunlich: Bayer stellt mit 493 erzielten Treffern hinter TuSEM Essen (502) und HSC Coburg (497) einen der torhungrigsten Angriffe der Liga. Dabei ist die Abwehr eigentlich das Herzstück in Bilanovics Handball-Philosophie. Doch das ist kein Widerspruch: Eine Vielzahl eigener Treffer resultiert aus Ballgewinnen in der Defensive, über die die Dormagener überhaupt in ihr gnadenloses Tempospiel kommen. Und: „Hinten holst du dir die Sicherheit, die du vorne brauchst“, lautet einer der Schlüsselsätze des gebürtigen Serben. Das bestes Beispiel für die Richtigkeit dieser Theorie ist André Meuser: Anfangs tat sich der 22 Jahre alte Linkshänder schwer in seiner ersten Zweitliga-Saison, weil er nur zu Kurzeinsätzen im Angriff aufs Feld durfte. Seit der 2,07-Meter-Hüne auch in der Abwehr ’ran muss, trifft er vorne immer besser – in Lübeck waren es acht Tore aus acht Versuchen.

Da dürfte es dem seit Monaten wegen eines Fingerbruchs pausierenden Ian Hüter nicht leicht fallen, sich nach der EM-Pause wieder einen Platz auf dem Parkett zu erobern. Doch genau darin liegt in Bilanovics Augen das Erfolgsgeheimnis, das eigentlich keines ist: „Wenn wir auf allen Positionen Konkurrenzkampf im Kader haben, macht das die Mannschaft insgesamt stärker.“ Wer letztlich Tore werfe oder sie verhindere, sei ihm da egal. So löste am Freitagabend Janis Boieck nach 42 Minuten den keineswegs schwachen Sven Bartmann (10 Paraden) zwischen den Pfosten ab. Gemeinsam kamen sie auf 15 gehaltene Bälle – doppelt so viele wie der oft als bester Torhüter der Liga gehandelte Lübecker Dennis Klockmann und sein Vertreter Marino Mallwitz zusammen.