Handball in Dormagen : Jil Falkenstein und der Versuch, Löcher zu stopfen

Die Marketingleiterin der Handballer vom TSV Bayer Dormagen bemüht sich mit neuen Ideen, coronabedingte Einnahmeausfälle zu beheben.

Irgendwie ist die Situation paradox: Seit dem 28. Februar ist, zumindest in einem Zweitliga-Spiel, kein Handball mehr durchs TSV-Bayer-Sportcenter geflogen. Trotzdem hat Jil Falkenstein den Eindruck, „als hätten wir mehr zu tun als sonst.“

Seit knapp vier Jahren ist die Kölnerin für Marketing und Veranstaltungsmanagement beim Handball-Zweitligisten TSV Bayer Dormagen zuständig. Dass der sich in dieser Zeit zu einer festen Größe in der Zweiten Liga entwickelt hat und vor der abgelaufenen Saison erstmals ein Haushaltsvolumen von einer Million Euro anpeilen durfte, hat auch mit ihrer Arbeit zu tun. Denn Jil Falkenstein, die nach ihrer Ausbildung zur Verwaltungskauffrau ein Studium Media-Management an der Rheinischen Fachhochschule mit dem Bachelor abschloss, erledigt am Höhenberg nicht bloß einen Job. Sie identifiziert sich auch mit dem Handball und den Handballern – so weit, dass sie selbst in ihrer Freizeit für den Dünnwalder TV in der Kreisliga Köln auf Torejagd geht.

Seit März hat Jil Falkenstein, die in der Geschäftsstelle von Marie-Kristin Krupinski – ebenfalls aktive Handballerin – unterstützt wird, einen neuen Aufgabenbereich: Löcher stopfen. Löcher, die der Corona-bedingte „Lockdown“ des Sportbetriebs und der vorzeitige Abbruch der Spielzeit 2020/21 in die Kasse des TSV Bayer, der meisten Handballklubs und eigentlich aller Sportvereine gerissen haben, in deren Etat Zuschauereinnahmen eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

Sechs Heimspiele hätten die Dormagener zwischen 14. März und 23. Mai noch auszutragen gehabt, darunter die Zuschauer-trächtigen Lokalduelle gegen die HSG Krefeld und den TuS Ferndorf. Nimmt man den in den elf voraufgegangenen Heimspielen erreichten Besucherschnitt von 1326 als Maßstab, zieht davon die Dauerkarten ab und nimmt das Ergebnis mal sechs, ist man bei 4536 angelangt.

Diese Zahl spielt eine wichtige Rolle bei der neuesten Idee, mit der Jil Falkenstein Löcher stopfen möchte: der „Dormagener Ticketlotterie“. Sind nämlich 4536 Tickets verkauft, kommt der Hauptpreis, ein Toyota Aygo, zur Verlosung. Die beginnt aber bereits, wenn 100 Tickets an die Frau oder den Mann gebracht sind. „Insgesamt haben wir 15 verschiedene Gewinnstufen,“ erläutert Jil Falkenstein das Verfahren. Will heißen: Je höher der Absatz, desto hochwertiger die Preise, die insgesamt 22 Sponsoring-Partner beigesteuert haben. Der besondere Anreiz: „Alle Lose bleiben im Topf, auch die, die schon etwas gewonnen haben,“ sagt die Marketingleiterin. Die „Tickets“ kosten zehn (beziehungsweise mit Gebühren zwölf) Euro und sind auf die gleiche Weise zu erwerben wie normalerweise die Eintrittskarten zu den Spielen.

Die Aktion hat am Samstag begonnen und läuft bis zum 30. September – zwei Tage später soll die Meisterschaftssaison mit einem Heimspiel möglichst vor Zuschauern gegen den Aufsteiger Dessau-Roßlauer HV starten. Ob die „Dormagener Ticketlotterie“ funktioniert, weiß Jil Falkenstein nicht: „Für uns ist das ja Neuland, wir haben keinerlei Vergleichswerte.

Höchstens eine ähnliche Aktion aus dem Frühjahr, als der TSV im Rahmen einer Crowdfunding-Aktion ein Sondertrikot auf den Markt brachte. Das zieren die Namen aller Unterstützer, die Handballer sollen es in den ersten beiden Heimspielen, zu denen Zuschauer zugelassen sind, tragen. Und möglichst viele Fans auch, denn eine erkleckliche Anzahl entschied sich für die teurere Variante des Crowdfunding und bezahlte nicht nur für den eigenen Namen auf Brust oder Rücken, sondern erwarb auch gleich das Sondertrikot. 210 Förderer sind so zusammen gekommen, die Trikots werden gerade produziert und sollen Ende August ausgeliefert werden.

„Wir waren selbst überrascht, wie gut das gelaufen ist,“ sagt Jil Falkenstein, „die als ursprüngliches Ziel gesetzte Summe von 10.000 Euro hatten wir schon nach drei, vier Tagen erreicht.“ Woraus sie aber nicht ableiten möchte, dass  die „Dormagener Ticketlotterie“ auch so ein Renner wird: „So eine Verlosung hat ja einen anderen Charakter. Und vielleicht sind nach dem langen Lockdown die Leute jetzt auch zurückhaltender, Geld auszugeben.“ Einen Versuch, findet sie, sei die Sache aber allemal wert. Und egal, ob’s funktioniert oder nicht – für weitere Löcher hat Jil Falkenstein bestimmt noch ein paar Ideen parat.