Handball : Das neue TSV-Bayer-Gefühl

Mit dem Sieg in Emsdetten hat sich Dormagen im oberen Drittel der 2. Handball-Bundesliga festgesetzt. Der Geschäftsführer spricht aber nur von einer „schönen Momentaufnahme“.

Am Montag hatte Björn Barthel Geburtstag. Das schönste Geschenk hatten die Handballer des TSV Bayer Dormagen ihrem Geschäftsführer aber schon einen Tag vorher gemacht – mit dem 30:27 beim TV Emsdetten, dem ersten Auswärtssieg der noch jungen Saison in der Zweiten Liga.

„Das war wichtig,“ atmete Barthel am Ende einer nervenaufreibenden Partie, die Trainer Dusko Bilanovic sogar die Stimme kostete, voller Erleichterung tief durch. Wichtig vor allem für die Köpfe der jungen Spieler, „die gesehen haben, dass sie auch solch ein Spiel unter schwierigen Bedingungen gewinnen können,“ sagt Barthel.

Schwierig vor allem deshalb, weil die erst mit einem Sieg (beim Tabellenletzten HSG Krefeld) ausgestatteten Emsdettener „von Anfang an versucht haben, uns den Schneid abzukaufen,“ meinte Barthel mit Blick auf die teilweise überharte Vorgehensweise der Hausherren in der Defensive, die von den Unparteiischen nur unzulänglich unterbunden wurde. Zwar verteilten Rick Hermann und Fabian Friedel jeweils sieben Zeitstrafen und je eine Rote Karte auf beiden Seiten, ließen aber auch viele Aktionen, vor allem das Von-hinten-in-den-Arm-Greifen gegen die Dormagener Rückraum-Youngster Eloy Morante Maldonado und Julian Köster ungeahndet. Auf der anderen Seite macht Barthel die Fülle von Zeitstrafen dafür verantwortlich, „dass unsere Abwehr bis auf die Schlussphase nicht so stand wie gewohnt. Doch wir hatten ja alle paar Minuten zwangsweise eine neue Formation auf der Platte.“ All dem zum Trotz feierten die Dormagener dank eines erneut eindrucksvollen Schlussspurts ihren vierten Saisonsieg, mit dem sie sich erst einmal in der Spitzengruppe festsetzen. Überbewerten will der Handball-Geschäftsführer Platz vier mit nur zwei Punkten Rückstand auf Tabellenführer TuSEM Essen aber nicht: „Das ist nicht mehr als eine schöne Momentaufnahme, es ist ja nicht mal ein Viertel der Saison vorbei.“

Trotzdem hätte er nichts dagegen, wenn die Bayer-Handballer, die zuletzt unter Kai Wandschneider so gut in eine Zweitliga-Saison gestartet waren, nachlegen würden. Die nächste Gelegenheit bietet sich schon am Freitag, wenn der punktgleiche HSC Coburg zum Duell der Tabellennachbarn ins TSV-Bayer-Sportcenter kommt – Anwurf ist um 19.30 Uhr. „Vierter gegen Fünfter, das ist schon ein richtiges Spitzenspiel“, sagt Barthel.

Ob das mehr als die bisher im Schnitt 1049 Zuschauer anlocken wird, weiß er nicht. „Wir haben auf jeden Fall unsere Werbeaktivitäten verstärkt,“ verrät der Geschäftsführer, „und an der Spielweise der Jungs und den Ergebnissen kann es eigentlich nicht liegen.“ Vielleicht mobilisieren die ersten Auswärtspunkte ja mehr Fans – so war es in Dormagen eigentlich immer.