Handball : Abstiegskampf spitzt sich zu

Zehn Spieltage vor Saisonende sind noch zehn Handball-Zweitligisten gefährdet.

Stephan Swat hatte die Nase voll: „Wer jetzt nicht begriffen hat, dass wir tief im Abstiegskampf stecken, der ist absolut falsch im Verein,“ sagte der Trainer des EHV Aue nach der 30:31-Niederlage des Handball-Zweitligisten gegen den VfL Eintracht Hagen. Es war das sechste sieglose Spiel in Folge für die Erzgebirgler, die sich vielleicht schon zu früh auf der sicheren Seite der Tabelle wähnten und jetzt nur noch einen Punkt vom ersten Abstiegsplatz entfernt sind. „Statt einen Schritt Richtung Klassenerhalt zu machen, haben wir uns in die andere Richtung bewegt. Das ist sehr bitter und schwer zu verdauen,“ gab Manager Rüdiger Jurke zu.

Schließlich tun Heimniederlagen, vor allem gegen direkte Konkurrenten, besonders weh im härtesten Abstiegskampf, den die Zweite Handball-Bundesliga je gesehen hat. Vor den bereits als Absteiger feststehenden Rhein Vikings sind zehn Spieltage vor Saisonende zehn Klubs noch akut gefährdet, von denen vier nicht die Klasse halten werden. Den TV Hüttenberg und den TV Emsdetten auf den Tabellenplätzen zehn und elf trennen gerade mal sechs Punkte vom ersten Abstiegsplatz, auf den nach seinem 30:27-Sieg im Ost-Duell beim Dessau-Roßlauer HV der HC Elbflorenz kletterte, weitere drei sind es bis zum TV Großwallstadt auf Rang 19.

Mitten drin: Der TSV Bayer Dormagen, der sich mit drei Siegen in Folge (35:31 über TV Emsdetten, 39:33 bei TuSEM Essen, 31:23 über VfL Lübeck-Schwartau) zumindest ein kleines Polster von vier Zählern auf den ersten Abstiegsrang verschaffte. Und der jetzt zwei Duelle mit direkten Konkurrenten vor der Brust hat: Am Freitag (20 Uhr, Krollmann-Arena) beim drei Punkte zurück liegenden VfL Eintracht Hagen, am Gründonnerstag (18. April, 19.30 Uhr) gegen Mitaufsteiger HSV Hamburg, der dank des besseren Torverhältnisses einen Platz vor den Dormagenern liegt. „Für uns sind alle Spiele gleich wichtig,“ will Trainer Dusko Bilanovic nichts von vorentscheidenden Partien wissen, „wir wollen versuchen, alle zu gewinnen.“

Gleichwohl misst er dem Spiel in Hagen besondere Bedeutung zu: „Das ist nicht so weit weg. Da haben wir die Chance, dass unsere Fans mitkommen und uns genau so gut unterstützen wie in Essen.“ Zum „Derbyklassiker“ waren gut und gerne 150 Bayer-Anhänger mitgereist. „Es wäre schön, wenn das am Freitag ähnlich wäre,“ sagt Bilanovic, „die Unterstützung von der Tribüne kann einer Mannschaft Sicherheit geben.“ Das um so mehr, als die Krollmann-Arena nicht unbedingt als Festung gilt: Mit einem Schnitt von 737 Besuchern pro Spiel (Rückrunde 597) wird die Hagener Zuschauerbilanz nur von den Rhein Vikings (624) unterboten – zum Vergleich: In Dormagen waren es bisher 1173 Fans (in den vier Spielen der Rückrunde sogar 1258). Das korrespondiert auffällig mit der Hagener Heimbilanz: Mit erst vier Siegen aus 14 Spielen sind sie Vorletzter. „Wir wollen nicht zu denen gehören, die das ändern,“ sagt Bilanovic.