Handball : Das klägliche Ende einer Mini-Serie

Nach drei Siegen in Folge verliert Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen nach ganz schwacher Leistung in Rimpar mit 24:31.

Wer drei Siege in Folge einfährt, darunter den bislang höchsten der gesamten Spielzeit, der sollte eigentlich mit breiter Brust an die nächste Aufgabe herangehen. Nicht so der TSV Bayer Dormagen: Nur eine Woche nach dem überzeugenden Auftritt gegen Dessau (33:22) bot der Neuling bei der 24:31-Niederlage (Halbzeit 10:12) bei der DJK Rimpar eine seiner schwächsten Saisonleistungen und verpasste somit einen Befreiungsschlag im Abstiegskampf der Zweiten Handball-Bundesliga.

Es wären „big points“ gewesen, die die Dormagener vor 1407 Zuschauern in der Würzburger s.Oliver-Arena hätten einfahren können, hätten sie doch den Sprung ins schmale Mittelfeld der Tabelle bedeutet. So aber steht der TSV Bayer wieder auf einem Abstiegsplatz, und gelingt ihm in den restlichen drei Partien des Jahres (am Sonntag gegen Nordhorn, am 21. Dezember bei den Rhein Vikings und am zweiten Weihnachtstag beim TuS N-Lübbecke) keine deutliche Steigerung, wird er auch auf einem solchen überwintern.

Dabei war ein Sieg bei den keineswegs furchteinflößenden Wölfen durchaus möglich. Dafür hätten die Dormagener einfach nur ihr Potenzial abrufen müssen. Doch wer nach einer 4:3-Führung (6.) sechs Mal in Folge (!) am gegnerischen Torhüter scheitert, sollte sein handballerisches Vermögen mal kritisch hinterfragen. Wie schwach das Niveau an diesem Samstagabend war, wird allein schon dadurch deutlich, dass die Hausherren sich in dieser Phase auch nicht weiter als bis auf 6:4 absetzen konnten. Zum größten Problemfeld entwickelt sich dabei die rechte Angriffsseite: Tim Wieling (4), Nuno Rebelo (2) und der gegen Dessau noch so starke Daniel Eggert (6) leisteten sich zusammen ein Dutzend Fehlwürfe. Insgesamt scheiterten die Bayer-Angreifer 15 Mal an Max Brustmann im Rimparer Kasten – die Zahl der schlecht platzierten Pässe und Anspiele übertraf diese noch um ein Vielfaches. Mitunter wirkten die Wölfe selbst überrascht, wie leicht es ihnen fiel, in Ballbesitz zu kommen.

Trotzdem hätten die Gäste zur Pause führen können, ja müssen. Besser wurde es danach nicht, im Gegenteil. Der Versuch, Rimpars Taktik des siebten Feldspielers durch eine offensive Deckung zu konterkarieren, erwies sich nicht zum ersten Mal in dieser Saison als Schuss, der nach hinten los ging. Selbst zwei Auszeiten innerhalb von sechs Minuten (41., 47.) brachten keine Besserung, im Gegenteil. Weil dank ständiger Wechsel nun vollends die Ordnung verloren ging, drohte die Niederlage zeitweilig zweistellig zu werden (18:27, 53.). Was auch daran lag, dass der anfänglich erneut stark haltende Sven Bartmann zusehens von seinen Vorderleuten im Stich gelassen – und viel zu spät (54.) durch Janis Boieck ersetzt (und erlöst) wurde. Das Geschehen im zweiten Durchgang erinnerte über weite Strecken an das peinliche Heimdebakel gegen Eintracht Hagen und gestattete den Rimparer Wölfen den bislang höchsten Saisonsieg.

„Ich bin erleichtert, denn wir wussten um die Stärke von Dormagen,“ gab deren Trainer Matthias Obinger danach zu. Wo die auf den 320 Autobahnkilometern bis Würzburg abhanden gekommen war, muss schnellstens aufgearbeitet werden. Erschwert wird dieses Vorhaben durch die Abstellung von Janis Boieck, Eloy Morante Maldonado und Lukas Stutzke (spielte am Sonntag bereits wieder für den Bergischen HC) zur Junioren-Nationalmannschaft. Der Jahresendspurt verheißt nichts Gutes für den TSV Bayer.

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