Handball : Die Premiere wird zum Schicksalsspiel

Zum ersten Mal überhaupt stehen sich heute Bayer Dormagen und HC Elbflorenz gegenüber – und das in einem wegweisenden Duell.

Genau 1008 Meisterschaftsspiele (ohne Relegation) hat der TSV Bayer Dormagen seit seinem erstmaligen Aufstieg in die Zweite Handball-Bundesliga im Jahre 1983 bestritten: 490 in der Ersten Liga, 370 in der Zweiten Liga und 148 in der Dritten beziehungsweise Regionalliga. Doch nicht ein einziges Mal in diesen 35 Jahren haben die Bayer-Handballer die Klingen mit einer Mannschaft aus Dresden gekreuzt.

Am heutigen Freitagabend wird sich das ändern. Da sind die Dormagener ab 19.30 Uhr in der im April 2017 eröffneten, 3000 Zuschauern Platz bietenden  Ballsportarena Dresden an der Weißeritzstraße 4 beim HC Elbflorenz zu Gast. Eine Premiere, die es in sich hat. Denn im Duell zwischen dem Tabellenachtzehnten (Dresden) und dem Tabellensiebzehnten geht es darum, wer den Anschluss ans Mittelfeld der 2. Handball-Bundesliga schafft und wer wohl bis zum Ende der Hinrunde am 21. Dezember tief im Tabellenkeller hängenbleibt.

Der Termin für das Gastspiel, zu dem sich die Dormagener bereits am Donnerstag auf die knapp 600 Kilometer lange Anreise gemacht haben, hätte ungünstiger kaum sein können. Denn „die Tendenz geht bei uns klar nach oben,“ sagt Elbflorenz-Trainer Christian Pöhler und fordert: „Jetzt müssen wir am Freitag daheim gegen Dormagen nachlegen.“ Anfang des Monats sah das noch ganz anders aus. Denn erst am 2. November feierten die Dresdener mit dem 27:26 über die DJK Rimpar den ersten Sieg in ihrer zweiten Spielzeit in der Zweiten Liga – ihre Premierensaison hatten sie als bester Aufsteiger auf dem elften Platz mit 35:41 Punkten abgeschlossen.

Eine vermeintlich gute Ausgangsbasis für den angepeilten Weg nach oben. Denn der erst 2006 gegründete Handball-Club verfolgt ehrgeizige Ziele, der des Aufstiegs in die Erste Liga ist sogar in der Vereinssatzung niedergeschrieben. Doch das „Projekt“ geriet zu Saisonbeginn ins Stocken, ganz ähnlich wie beim nicht minder ehrgeizigen „Projekt“ der Rhein Vikings. Doch anders als in Düsseldorf hielten sie in Dresden an Trainer Christian Pöhler fest – und die jüngste Entwicklung scheint ihnen Recht zu geben. Denn aus den letzten vier Spielen holte Elbflorenz 6:2 Punkte: Dem ersten Saisonsieg folgte zwar mit der 23:25-Niederlage in Aue ein Rückschlag.

Doch dann schickten die Dresdener die Vikings mit einer 22:32-Packung nach Hause – und veredelten den bislang höchsten Sieg ihrer noch recht kurzen Zweitliga-Geschichte eine Woche später mit einem 20:18-Erfolg beim TV Hüttenberg. „Wir kommen langsam in Fahrt. Den Schwung aus den Spielen gegen Rimpar und die Rhein Vikings haben wir mitgenommen,“ sagte danach Rückraumspieler Nils Kretschmer. Und der tschechische Nationalspieler Roman Becvar, der in Hüttenberg sieben der 20 Treffer erzielte, ergänzt: „Lange, lange Zeit war das bei uns offenbar Kopfsache, jetzt spielen wir offenbar mit dem Herzen.“

Trainer Christian Pöhler hat für den Aufschwung eine einfache Erklärung: „Es ist niemals so, dass man einfach den Schalter umlegt und plötzlich alles funktioniert. Diesen entscheidenden Kleinigkeiten geht ein langer Entwicklungsprozess voraus,“ sagte er gegenüber der Sächsischen Zeitung.

Ob der Entwicklungsprozess des TSV Bayer Dormagen schon so weit gediehen ist, um am Freitagabend dagegen zu halten, wird sich zeigen. Die Negativserie von sechs Pleiten in Folge wurde mit dem 24:23 über den ASV Hamm erst einmal gestoppt. Zum zweiten Mal in dieser Spielzeit kassierten die Dormagener dabei weniger als 25 Gegentore (vorher 25:22 über Wilhelmshavener HV). Dass aus dieser Taktik zwei der vier Saisonsiege entsprangen, ist kein Zufall – sondern Fingerzeig aus das, worauf es im Abstiegskampf ankommt.